Alle Farben – Music Is My Best Friend

"Music is" nicht Alle Farbens "best friend", sondern seine kleine Hure, von der er weiß, dass sie es mit jedem macht und über jeden Beat rüberrutscht. ...
Alle-Farben-Music-Is-My-Best-Friend-Review

Wunderbarer Mix“ sagen die einen, „gleichermaßen tanzbar wie entspannend“ die anderen. Dabei muss es doch „alles schon gehört“ heißen. Denn Alle Farbens neues Album „Music Is My Best Friend“ klingt im Grunde genau so belanglos wie dessen Vorgänger „Synesthesia“ und eigentlich auch jeder andere EDM-Output, von dem Charts und Radiosender im Moment geradezu überschwemmt werden. Dabei braucht kein Schwein noch mehr nationale elektronisch verzerrte Hymnen

 

Und dann auch noch 14 Lieder? Muss das sein? Als Alle Farben aka Frans Zimmer vor einigen Jahren auf dem Dockville Festival ein geschmeidiges Set ablieferte, in dem er unter anderem liebevoll geremixtes von Daughter unter Mann und Frau brachte, hatte er wenigstens noch innovative Ansätze.

Doch auf „Music Is My Best Friend“ beginnt der radiotaugliche House-Alptraum bereits mit „Please Tell Rosie“, der sich noch zwölf Mal wiederholen soll: Abgeflachte Dramatik, schnulzene Texte, charakterarme Stimmen und gleichförmige Rhytmik formen sich zu einer einhämmernden Murmeltiertaktik. Jedes Lied das gleiche Spiel. Nicht zu vergessen die ewig gleichen Clap-Samples und die angeblich vom Original abgenommenen Töne von Klanghölzern und Akustikgitarren.

 

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Nimm mich! Ich bin ein „Alle Farben“-Beat!

Ehrgefühl… Kennste? Kennste?

Anstatt zum tausendsten Mal auf die mangelnde Authentizität und Austauschbarkeit des modernen Elektroinzests zu pochen, sollten wir aber uns eher fragen, warum die Herren Farben, Klangkarussell oder Wankelmut mit gleichgeschalteten Tracks ähnlich viel Asche wie Fischers und Bergs machen. Dass sich jemand ein Album von einem der deutschen EDM-Galleonsfiguren gönnt und tatsächlich auch komplett am Stück anhört, ist eher unwahrscheinlich.

Viel mehr liegt es am stetig sinkenden Anspruch des Hörers. Das sind auch die Menschen, die, wenn sie könnten, ihrem Leben einen in der Auswahl ähnlich begrenzen Instagramfilter aufdrücken würden. Menschen, die gerne mitschwimmen und den Individualismus weder buchstabieren, noch richtig aussprechen können. 

 

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Anspruch? Mich interessiert nur DAS…

Bester Job der Welt: Deejay!

Im Grunde betrachtet liegt die Tatsache, dass wir uns im Moment in dieser Abwärtspirale des musikalischen Geschmacks befinden, die keine Diktatur der gesamten Weltgeschichte aus eigener Kraft besser hätte gleichschalten können, liegt am Ende des Tages also weder an Frans Zimmer, noch an Alle Farben.

Der junge Berliner macht einfach viel Geld mit wenig Aufwand. Dabei ist Music aber nicht sein „best friend“, sondern höchstens seine kleine Hure, von der er weiß, dass sie es mit jedem macht, dem egal ist, zum x-ten mal über den gleichen Beat drüberzurutschen. 

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    Auch feini fein