asap-rocky-AT.LONG.LAST.A$AP-review

Wer kennt das nicht? Du stehst an der Wursttheke des Fleischermeisters deines Vertrauens, vor dir ein Bouquet von Geräuchertem, Gepökeltem und Rohem und die zartgliedrige, feengleiche Fachverkäuferin, neudeutsch Executive Sausage Manager, haucht Dir sanft ins Ohr: „Was darf’s denn sein?“ Völlig überfordert schweift der Blick über die Auslage, das Wasser läuft im Mund zusammen. Heute mal Serrano Schinken? Oder doch die luftgetrocknete, aus den tiefsten Tälern Nordspaniens stammende Chorizo? Ist man ehrlich, läuft’s am Ende doch wieder auf die Gelbwurst raus. Was das mit A$AP Rockys neuem Album zu tun hat? Rein gar nichts. Dieses Intro ist allein dem Igittbaby-Cheffe zu verdanken, der einen fetten, ergo „wurstigen“ Einstieg verlangte. That’s what it’s like being a reviewing hoe.

 

Also wirklich? Rod Stewart?! Als Feature-Gast? Entschuldigt meine Ignoranz, aber manche Sachen gehen einfach nicht wie Querschnittsgelähmte. Und dazu gehört Rod Stewart. Für mich ist er mehr oder weniger der britische Hartmut Engler. Allein die Frise ist schon Indiz für ihre diabolische Seelenverwandtschaft. Selbstredend, dass sie beide tiefschwarze, kalte Seelen in ihren unscheinbaren Körperhüllen umher schleppen. Egal, zurück zum Wesentlichen. Eben dieser Rod Stewart gibt dann eine Hook von sich, deren Ursprung sich mir nicht ergründen mag:

 

Everyday I spend my time /

Drinking wine, feeling fine /

Waiting here to find the sign /

That I can understand, yes I am.  

 

Nächster Halt: Mittelpunkt der Erde!

Es gibt also anscheinend doch Leute da draußen, die Lupe Fiascos „Dumb it down“ nicht verstanden haben. Auch das ist eine Erkenntnis. Und zwar eine schmerzhafte. Nachdem der Tiefpunkt des Albums, der einer Reise zum Mittelpunkt der Erde gleicht, durchgekaut wurde, kann es ja eigentlich nur noch aufwärts gehen. Nur „besser“ ist halt eben ab und an nicht gleichbedeutend mit „gut“. So lautet die Frage, die auf Albumlänge leider kontinuierlich auftaucht und einen wie purple Nebelschwaden schmerzlich umgibt: Wo ist der trippy, vertrackte A$AP Rocky hin, der einem das Gefühl gab, auf alles da draußen ’nen dezenten Fick zu geben und frei von der Leber raus zu spitten, was sich in seinem dezent verdrogten und dadurch oftmals so klaren Geist abspielte? Genau diese Szenarien wünscht man sich zurück.

Düster daherbröckelnde Beatmonster mit Ecken und Kanten, in die man sich fallen lassen konnte und man nicht wusste, ob sie einen wieder ausspucken oder mit sich in den Abgrund ziehen. Das Unberechenbare war damals. Der Erfolg brachte wohl die Reflektion mit sich, die für Künstler mitunter tödlich sein kann. Die Tracks und Features scheinen größtenteils dem Reißbrett entsprungen, Kopf schlägt Herz. Deswegen springt das Herz beim Hören auch nicht, selbst wenn der Bass auf Anschlag aufgedreht ist. Wabernde Gleichgültigkeit und Ratlosigkeit mit nostalgischem Blick auf das, was einst war. Selbst „L$D“ kann den Kahn nicht aus dem Dreck ziehen. Was würde im Zeugnis stehen? Der Schüler war durchaus bemüht…

Spongebob Gif
Och, büdde A$AP!

Bidde, bidde gib mir mehr von dem heißen Scheiß!

Aber nicht, dass es wieder heißt, das Baby ginge hier nur stumpf seiner Lieblingstätigkeit, dem Verriss nach – der bei uns übrigens „Fair-riss“ heißt, da er immer seine vollste Berechtigung hat. „AT.LONG.LAST.A$AP“ hat auch durchaus auch Lichtblicke, die es zu würdigen gilt. Ganz vorne mit dabei ist „JD“: A$AP flext wie zu guten alten Zeiten, bahnt sich aus der Gruft den Weg direkt in Deinen Gehörgang, handelt in knappen 1:45 seine Verbundenheit zur tragischen Ikone James Dean ab und sagt der Straße außerdem nebenbei straight in ihr hässliches Gesicht, wer der boy to beat am corner ist. So muss Rap. Bidde bidde gib mir mehr von dem heißen Scheiß! Habe aber wohl vorab nicht laut genug meinen Wunsch gehollat.

Wundervoll ignorant gehustlet wird auch auf „Wavybone“, mit an Bord die Südstaatenlegenden Juicy J und UGK. Und wenn man es hinbekommt, einen bislang unreleasten Part vom leider 2007 verstorbenen Pimp C mit auf einen Track packen zu können, hat man auf jeden Fall was im Leben erreicht. Eben dieser Pimp C bringt die charmante Ignoranz prägnant auf den Punkt:

 

Don’t give a fuck bout where you’re from /

Don’t give a fuck bout how you feel.

 

Dass er nicht durch und durch ignorant ist, beweist A$AP Rocky dann jedoch mit dem überraschenden Move, einen nahezu unbekannten Artist namens Joe Fox sage und schreibe auf fünf Tracks des neuen Albums zu featuren. Kennengelernt haben sie sich anscheinend in den Straßen Londons, Joes Heimat. Und kurz darauf war Joe überall dort, wo A$AP war, mittlerweile wohnen sie wohl zusammen, interessanter Fun-Fact. [#nohomo??? – die Babys] Es gibt sicherlich schlimmeres als unter A$AP Rockys Fittichen, das Leben zu genießen. Glaubt man den Zeilen von „Pharsyde“, sehen sie sich beide als verlorene Seelen, die ihren Platz, ihre Bestimmung und vielleicht auch die verlegten Autoschlüssel suchen. Aber immerhin haben sie sich jetzt gefunden und vielleicht werden sie ja gegenseitig zum Strohhalm, an dem sie sich aus dem Schlamassel ziehen. Rap-Bromance und so.

Sex Fail Gif
Bumsen will gelernt sein…

Immer diese Fick-Probleme

Natürlich dreht sich der letzte Song um den tragischen Tod von Yams, des Mobs Mastermind. Alles andere wäre auch unangebracht gewesen. Ein wie anno dazumal lyrisch lustwandelnder Mos Def rundet diesen in keinster Weise überkandidelten RIP-Song gebührend ab. Das ist von Grund auf ehrlich und zieht keine Schleimspur kommerziellen Abschieds-Ausschlachten nach sich. Wie gesagt, man findet das ein oder andere Highlight, aber leider bleiben nur wenige Tracks wirklich hängen. Beim Debüt sah das anders aus.

Hier feiern wir noch heute mit Skrillex wilde Nächte, beklagen uns, dass wir Fickprobleme haben und steigen in den nächsten Zug, um einem der besten Posse-Tracks aller Zeiten zu lauschen und heimlich den Marker aus dem Rucksack zu ziehen. Darauf stoßen wir jetzt mit ’nem Glas Wurstwasser an. Cheers.