Ash vs Evil Dead – Staffel 1

Es ist nicht schön, wenn man weiß, dass Mutti von einem Typen geknallt wird – und dieser Typ nicht Papa ist. Es gibt aber Typen, da würde man das...

Es ist nicht schön, wenn man weiß, dass Mutti von einem Typen geknallt wird – und dieser Typ nicht Papa ist. Es gibt aber Typen, da würde man das fragliche Sexualverhalten der Frau, die einen gebar, regelrecht akzeptieren, zelebrieren, sogar in die Welt hinausschreien: „Schaut sie an… meine Mutti knattert Lemmy Kilmister“, vielleicht auch: „Ja, mein Muttchen verwöhnt den Typen, der den Fat-Bacon-Burger erfunden hat, untenrum“ Oder eben „Ash, einfach nur Ash, stummelt gerade wieder meine Mutter ins Koma“. Denn eine Sache hat sich auch nach 1992 nicht geändert: der einhändige Einzelhandels-Dummschwätzer, dem das Böse am Schuh klebt wie anderen Hundekot ist auch im Jahr 2015 immer noch der Typ, der wir alle gerne sein wollen würden…

Armee der Finsternis ist vielleicht DIE Horror-Komödie der Neunziger: Derbe Sprüchen an der Grenze zum Klamauk, splattrige Kettensägen-Einlagen, die sich zwischen Ekel und Erregung nie so recht entscheiden konnten, und ein Held, der so herrlich dämlich-naiv daherkam, dass man als Zuschauer nie wusste, ob er nun siegen oder einfach nur epochal scheitern soll, machen Sam Raimis dreckiges Ulk-Meisterwerk auch heute noch zu einem Meilenstein der Abstrusitäten. Ja, die Neunziger waren eben das Jahrzehnt des gekonnten Trash.

Doch wer glaubt, dass ein Film, so infantil wie eine Folge „Benny Hill“, im Jahre 2015 nicht funktionieren kann, der irrt gewaltig.

Mit Ash vs Evil Dead setzt Raimi Bruce Campbell aka Ash nicht nur ein Denkmal, er holt ihn zurück aus der Vergessenheit und rammt der selbstgefälligen Fernsehlandschaft die kreative Faust in die Fresse.

Go, Depp, go!

Fiese Dämonenweiber, blutdurstige Höllenzombies und ein Buch gefertigt aus menschlicher Haut: Armee der Finsternis und sein Vorgänger Tanz der Teufel wussten schon damals, worauf Horrorfans neben Lisa Anns zuckersüßem Bubble-Butt onanieren.

Und Raimi hat das im Serienableger nicht vergessen. Vielmehr toppt er den cineastischen Wahnsinn seines einstigen Schaffens und macht aus Ashs Odyssee durch das pure Böse einen waschechten Roadtrip:

Ash, der nach der Ereignissen aus „Tanz der Teufel“ und „Armee der Finsternis“ endlich zur Ruhe gekommen ist und fett und zufrieden in einem Baumarkt jobbt, ist leider immer noch ein Freund berauschender Mittelchen. So kommt es, dass der Trottel eines Abends eine lustige Zigarette zu viel inhaliert und völlig stoned aus dem Necronomicon liest – ja, das Buch gebunden aus echtem Mensch, das ihm auch schon in den ersten beiden Filmen zum Verhängnis wurde – und so die Dämonen der Vergangenheit beschwört, die noch eine lange Rechnung mit dem Verlierer zu begleichen haben. Dem größten Depp der Filmgeschichte bleibt also nur eins: zwei Baumarktkollegen einzupacken und auf einem wahnwitzigen Trip durch White-Trash-USA nach einer Lösung zu suchen, wie er sich all der Zombies, Sukkuben und Ekelviecher wieder entledigen kann, die ihm ganz schön grob ans Leder wollen…

 

Tyrion, halt bitte mal’s Maul!

Wo „The Walking Dead“ den Rollkragen-Pulli der Pseudodramaturgie überstreift und „Game Of Thrones“ in „Lindenstraße“-erprobte Kitschigkeit verkommt, macht Ash vs Evil Dead alles richtig. Jede noch so dramatische Szene wird von Lieblingsekel Ash ins Lächerliche gezogen, egal ob seine Begleiter nun gerade temporär von einem fleischeshungrigen Dämonen besessen sind, ob die Dame, die er genüsslich auf dem Klo wegbügelt sich urplötzlich als Höllenhure entpuppt, oder ob sein Buddy und Baumarktkollege Pablo Simon Bolivar den Kettensägenschwinger an seinen Onkel ausliefert – einen LSD-naschenden Schamanen, der Ash nur zu gerne den Teufel austreiben möchte, indem er ihm die Klöten absäbelt.

Ja, Ash tappt wirklich in jedes Fettnäpfchen, ja, Ash hat wirklich immer einen Spruch parat. Aber auch Blut, Gedärme, Knochensplitter und allerlei menschlicher Ballast kleben erneut an Ashs Kettensäge, die er wie auch schon im Original an seinem Stummelhändchen schwingt wie ein vollgesoffener Fechtmeister nach dem Ausscheiden im Olympia-Turnier.

Ash vs Evil Dead ist kein Revival. Es ist die Fortsetzung, die logische Weiterentwicklung einer Geschichte, wie sie bösartiger, lustiger und abstruser nicht sein könnte und dem Realitäts-verseuchten Dramen-Wahnsinn heutiger TV-Produktionen den blutverkrusteten Mittelfinger zeigt.

Fernsehen ist endlich wieder böse. Böse lustig!

 

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ComedyHorror

Dieser freundliche Bursche schreibt sehr schöne Artikel. Weil er selbst sehr schön ist. Und schöne Dinge sehr mag. Und dieses sehr schöne Mag betreibt... Zudem wäre er sehr gerne kein Einhorn, jedoch sehr wohl ein Musketier. Sehr Paul McCartney hat er auch schon Mal getroffen, kam aber sehr viel zu spät...Cocaine is eben a sehr hell of a drug... Sehr am Ende? Er fängt doch erst an, sehr geehrte Bitch. Schreib mir: flo@igittbaby.de
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Auch feini fein