B-Tight-Retro-Review

[dropcap size=big]K[/dropcap]unst ist ein Ventil. Das bedeutet: wenn man Kunst macht, dann möchte man sich öffnen. Man möchte Meinungen und Emotionen provozieren, man möchte sich selbst zum Ausdruck bringen – und dabei im besten Falle auf die Meinungen und Ansichten der Fans und Kritiker pfeifen. Was soll man nun über einen „Künstler“ denken, der zwar liebend gerne mit seiner „Kunst“ in der Öffentlichkeit stattfindet, aber eben nur in einer von ihm bestimmten? Vielleicht, dass er feige ist. Vielleicht aber auch nur, dass er eigentlich nicht das Selbstbewusstsein besitzt, um in der Öffentlichkeit stattzufinden. Im Falle von B-Tight denke ich, dass er Kunst ganz einfach als Geschäftsmodell verstanden hat. Als ein Produkt, das es bestmöglich zu vermarkten gilt, das man vor schlechten Meinungen schützen muss. B-Tight hat verstanden, dass nicht jede Publicity auch immer gute Publicity bedeutet. Dabei kann man es dem Berliner noch nicht mal übel nehmen, wenn man weiß aus, welchem Rap-Umfeld der 35-Jährige kommt: aus einem ziemlich abgebrühten.

Soso, Du und Dein Management möchten also nicht bei uns stattfinden? Ehrlich gesagt ist uns das relativ schnuppe. Auch ohne Dein Einverständnis sitze ich nun hier, höre Dein neues Album Retro und weiß nun, warum Du so agierst, wie Du agierst: Beats, die klingen als hätte sie ein 12-Jähriger auf einem Fisher-Price-Keyboard programmiert und Themen, die so übelst ausgelutscht sind, dass sie nicht mal mehr Dein Homie Sido anpackt. Da wäre ich auch vorsichtig.

Der Diktator Gif
Sicher ist sicher. Oder, liebes Management?

Eins zumindest machst Du sofort klar. Du bist die „Nummer Einz“. Du warst es immer und Du wirst es immer bleiben. Also, wenn Du dich dabei auf Deinen holprigen Flow beziehst, chapeau für so viel Selbstkritik. Ich befürchte jedoch, dass Du Worte wie

Goldene Platten an der Wand / Ghettostar / Goldkette um den Hals / B-Tight-Ring an der Hand / Grillz in der Fresse / Feuer für den Brand

doch recht ernst meinst und das auch für den Rest Deiner Platte so gilt. Das wäre ja alles nicht so schlimm, wenn wenigstens der Rest passen würde. Doch kein Sample klingt besonders, keine Kick verlässt gängige Schemata, keine Snare überrascht. Musikalisch ist das hier eine ganz schlechte Vorstellung.

Drogen, Gangster-Attitüde und Pseudo-Gebattle – während der Rest der Rapwelt evolviert und an sich selbst hochschaut, entwickelst Du Dich stur zurück. Klar, Retro ist das Motto und Leitmotiv dieser Platte, aber Retro funktioniert nur, wenn man auch richtig zitiert, stilvoll interpretiert. Das tust Du nicht. Vielleicht kannst Du das auch nicht. Weil Du eben klingst, wie Du klingst.

Diktator Gif
Diese Trottel machen, was ich will. Lass uns feiern, Homie!

 

Der Duden ist Deine Bibel!?

Wobei, für Deine Stimme kannst Du ja nichts. Dafür, dass sie klingt wie ein Waldorfschüler, der krampfhaft versucht, sich selbst zu verneinen. Auch nicht für Deine Technik. Schließlich hast Du nicht gerade im versiertesten Umfeld gelernt. Und für Deinen Wortschatz … obwohl, doch, dafür bist Du schon selbst verantwortlich. Dafür, dass Songs wie „Wer will was machen“ nicht mehr Energie entwickeln als der beliebige Battle-Track jeglicher beliebiger Youtube-Rapper. Dafür, dass „König der Rapper“ mit seinem Selbstheroismus im Jahr 2015 so deplatziert wirkt wie Heino auf der Bühne des Wacken-Festivals. Dafür zeichnest schon Du verantwortlich.

Lieber B-Tight, wenn Du wenigstens ein Künstler wärst, der tolerant und transparent kommuniziert, man könnte Dir so einiges verzeihen. So wirkst Du leider nur wie jemand, der sich seiner selbst nicht sicher ist. Und das macht Dich anhand dieser wirklich schlechten Platte nur noch angreifbarer.

 

P.S. Bei diesem Cover hätte man eigentlich schon wissen müssen, was drin steckt. Oh, boy.