B-S-H-Bass-Sultan-Hengzt-Musik-wegen-Weibaz-Review

[dropcap size=big]W[/dropcap]enn aus Musik gegen Bitches und Fotzen auf einmal „Musik wegen Weibaz“ wird und wenn Homophobie als Stilmittel im Rap von küssenden Jungs im Artwork eines Albums abgelöst wird, dann kann man sich sicher sein, dass die einstigen Gangster der Berliner Rap-Szene mittlerweile erwachsen geworden sind. Die Anfänge liegen schließlich schon weit über zehn Jahre zurück. Oder ist es doch nur eine Reaktion auf die erdrückende Überlegenheit der Verkaufszahlen von Teenie-Rappern wie Cro? Ist die ehemalige Bastion des Raps mittlerweile nicht mehr Berlin, sondern möglicherweise der beschauliche Süden Deutschlands? Hoffentlich nicht, Alter!

 

Mädchen sind die besseren Jungs, oder aber im Umkehrschluss: Homosexuelle sind die besseren Weibaz, oder Weibaz sind schwul – hä? Hat das Cover der neuen Langspielplatte von Hengzt überhaupt einen tieferen Sinn oder können sich Fachsimpler hier totanalysieren und kommen am Ende doch nur zu dem immer gleichen Ergebnis? Nämlich, dass es den gleichen Sinn wie ein Klassiker à la „Arschficksong“ auch hat – pure Provokation.

In jedem Fall taten sich Abgründe galaktischen Ausmaßes auf und dreckiger Schlamm in Form von hinterwäldlerischen und menschenverachtenden Kommentaren wurde an die Oberfläche gespült. Plötzlich musste sich alles ganz wichtig zu Wort melden, was damals schon im Poesiealbum bei Lieblingsfarbe „Braun“ eingetragen hat. Ende vom Lied – Musik wegen Weibaz wurde ein Riesenthema in den Medien und bekam eine ungeahnte Aufmerksamkeit.

Schwule Männer küssen
Das kann man gut finden. Auch ohne gerade bei ComDirect eingeloggt zu sein…Gell, Hengzt

 

Von „Kette raus Kragen hoch“ zu „Eine Flasche Veuve Cliquot Rosé, bitte“

Anhänger der klassischen Alben des Berliners italienisch-türkischer Abstammung werden sich von diesem Album nicht abgeholt fühlen. Zu weich sind die Klänge und zu soft die Aussagen auf den 16 Tracks. Schon das Intro deutet an, dass auf diesem Album kein Rap alter Tage zu erwarten ist, sondern vielmehr melodische Musik zum Relaxen im Park oder Zuprosten in der Champagner-Bar des Vertrauens. Kaviar statt Kotti, Wiener Opernball statt Wedding und VIP-Couch statt Späti-Bier. Klingt so, als wäre der „ich wäre so gerne Millionär“-Rapper von der Gosse in die Edelclubs der Hauptstadt aufgestiegen.

Das Berliner Gangster-Image verkauft sich eben nicht mehr so gut, seit in der Stadt an der Spree schwäbische Bäckereien wie Pilze aus dem Boden sprießen und statt Schulle in der praktischen Wurfmolle lieber ein Soja-Chai-Latte mit bei Vollmond gequirlter laktosefreier Ziegenmilch bestellt wird. Aber zum Glück…

 

 

 

Leck mir den Arsch fein recht schön sauber, Darling!

Die immer an Rande der Indizierung wandelnden Aussagen aus Hengzts früheren Tagen sind eher sanften Tönen gewichen und Musik wegen Weibaz klingt, als wäre die Katia Saalfrank mit dem erhobenen Finger durchs Studio marschiert und hätte jedes böse Wort und dazugehörigen Mini-Gangster in die Wuthöhle geschickt. Selbst „Bombe platziert“, der Track, der noch die klarsten Ansagen enthält, hält sich sehr bedeckt und ist mit der deutlichen Sprache der „Schlampe“-Zeiten nicht zu vergleichen. Die krachenden Beats der alten Hengzt-Alben sind melodischen Klängen gewichen. Sehr vielfältig und schön anzuhören, aber definitiv nicht mehr für „ganz hinten im Bus“ geeignet. Pöbeln durch die Blume statt Beleidigen im großen Stil.

Baptist Church Oberbehinderte
Na, raffste raffste raffste, wa?

 

Stange, ich habe Stange geschrieben, hihihi

Über all die Jahre gibt es ein Attribut, das Hengzt besonders treu „die Stange gehalten“ hat – sein Selbstvertrauen. Und so geht der selbsternannte Prototyp Frauenschwarm mit stolzgeschwellter Brust und seinem neuesten musikalischen Tortenheber in die Auslage des deutschen Musikgeschäfts und versucht sich sein „Der Papa bekommt das Größte“-Tortenstück zu ergattern. Fraglich bleibt allerdings, ob die kuschelweichen Lenor-Rapper einen Neuzugang in ihrem Metier dulden und aus freien Stücken den fetten Teenie-Kuchen teilen.