Being-As-An-Ocean-Being-As-An-Ocean-Review

Mit einer Band, die eine der wichtigsten Platten der letzten Jahre geschrieben hat, ist es wie mit der geilen Ex, die man nach sehr langer Zeit wieder trifft: im Kopf spielen sich Szenen spontaner Nackedeiung ab, hemmungsloser Liebespiele und zügellosen Rumgebumses. Doof nur, wenn man die Olle noch nicht mal erkennt, wenn sie nach all dieser Zeit das verabredete Café betritt, weil die Gute Ben & Jerrys-Familienpackungen für sich entdeckt hat. Auch Being As An Ocean haben Gefallen an süßen Naschereien gefunden und toppen ihr episches Songwriting mit ganz viel Zuckerguss – ob die Hose nun irgendwann platzt oder nicht.

Wir leben in einem Zeitalter der Völlerei: All you can eat-Buffets sind der neue Sonntagsbraten, 3-Liter-Becher Cola sind die Holunderblütensaftschorle des kleinen Mannes, Longboards haben das Mountainbike im alltäglichen Arbeitsweg-Gepose abgelöst – und Hardcore ist der Brit-Pop einer zutiefst verwirrenden Zeit. Extremer, echter und emotionaler sind die Attribute, durch die wir uns zu definieren versuchen und am Ende doch nur uniformieren.

 

Fressen, kotzen, fressen, kotzen…

Ja, Being As An Ocean sind die Oasis der Generation Y, die Manic Street Preachers einer zutiefst individuellen Jugend und die Inkarnationen einer Schönheit, die sich nicht durch Tiefe und Stille definiert, sondern durch Energie und Dynamik. Daher war es war eigentlich schon klar: Being As An Ocean wird nicht klingen wie How We Both Wondrously Perish. Vielmehr konnte man schon erahnen, dass die Kalifornier auch mit ihrem dritten Werk vor den Kopf stoßen werden. Und was soll man sagen… es ist angerichtet.

 
Ja, es wird immer noch gebrüllt, als hätte Shouter Joel Quartuccio seine Parts während einer Kastrierung ohne Lokalanästhesie eingesungen. Aber nein, Being As An Ocean sind keine Hardcore-Band mehr. Vielmehr erweitert die Band ihren Sound um Elemente aus Punk, Indie und sogar Powerpop und gibt der Gefräßigkeit neue Nahrung. Große Melodien, gut portionierter Zorn und treibende Rhythmen liefern dem unstillbaren Hunger übersättigter Hörer konstant Nachschub.

Ronald McDonalds Gif
Ich kanns nicht mehr sehen!

Being As An Ocean ist wie ein Big Mäc: wenn du nach einem langen Tag so richtig Lust hast, dir dieses Kunstwerk aus Fleisch, Brot und leckeren Chemikalien endlich reinzuschaufeln, hasst du dich umso mehr, wenn das Ding erst mal verputzt ist.

 

Bissken wenijer fressen tut jut: siehst aus wie ne Leberwurst!

Songs wie „St. Peter“ oder „The Zealot’s Blondfold“ sind wohl abgewogene Leckereien von melodischer Epik, die logische Konsequenz aus der emotionalen Wucht ihrer Vorgänger und definitiv eine Plattform für Gitarrist und Engelsstimmchen Michael McGough, der definitiv sehr viel mehr Raum auf dieser Platte einnimmt als auf den Vorgängern. Aber so sehr Pathos, das gekonnte Spiel zwischen Laut und Leise, funktionieren mögen, so sehr wird man dessen auch überdrüssig. Being As An Ocean ist das Album, das man von Being As An Ocean erwartet hat. Und wenn man den Gürtel ein wenig lockerer schnallt, vielleicht nicht das engste Hemd aus dem Schrank holt, muss man sich nach den zehn Songs auch nicht fühlen wie ein Stückchen Rindertalg.

 
Being As An Ocean ist groß. Sehr sogar. Doch anders als bei den Vorgängern leidet darunter auch die Halbwertszeit. Aber was soll’s. Niemand hat gesagt, dass man sich für mehr schick gemacht hätte als für ein nettes Gespräch, einen Plausch über die guten alten Zeiten und eine Runde knüppelharten Dampfhammer-Sex. Und soll ich euch mal was sagen: das sieht die neopummelige Ex wahrscheinlich ganz genau so!

 
PS. Und ein bisschen Seitenfleisch hat sich als Sattelgriff schon immer ganz gut gemacht…also: Kopf aus, rein mit ihm und genießen. Ähm, ich meinte mit ihnen…