Biffy Clyros Sänger und Gitarrist Simon Neil, nebst Bandkollegen und Gebrüder Johnston, kommen mir immer ein wenig vor wie die sympathischen aber total verwegenen Kleinganoven aus Guy Richties illustrer Filmografie. Die heißen dann etwa „Beans“, „Mac“ oder „Pretty Boy“ und wenn Donnie etwas sagt, dann bekommt er eins von Beans auf die Mütze, während Mac einfach nur genervt die Augen verdreht. Das wäre der Gag, den solch ein Film antreiben würde. Damit will sagen: Die Schotten versprühen schon auf den Fotos dieses durchdacht raue Charisma, verpackt in schottisch-sympathischer Nonchalance… Und so klingt auch Ellipsis. 

Gestartet hat das Trio mit einem wilden Mix aus Indie und Math-Rock. Nennen wir es Band-Pubertät. Als jedoch der letzte Pickel ausgedrückt war, kamen die schottischen Banditen mit „Puzzles“ durch die Schwenktüren der Majors-Saloons geprescht und ließen die Major-Bosse tanzen: Songs wie Many Of Horror, Bubbles und Biblical schmücken noch heute den Zeitstrahl der Band, einen Strahl, welchen sie immerhin schon seit 1995 druckvoll und unermüdlich halten. 

Der erste Track „Wolves of Winter“ lässt mich beim Lesen schmunzeln. Laut Neil stammt der Titel aus einer Dokumentation von David Attenborough. Verdächtig ist jedoch, dass Biffy Clyro leidenschaftliche Game of Thrones Fans sind. Die Schattenwölfe sind eben die Hipster unter den Hunden… Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich zwischen den Zeilen Parallelen zur Serie finden lassen:

 

„How’s it gonna feel when there’s no one to support ya?
How’s it gonna feel when you’re standing there alone?“

 

Jon Snow kratzt sich verzweifelt seine Armee für die Bastard-Schlacht zusammen.

 

„This is the point we have the choice to be happy together“

 

Samwell küsst seine Gilly… Und sie lebten glücklich für immer. Und satt. 

 

„We have achieved so much more than you possibly thought we could
Well now you see me
You can achieve anything. Just remember, no I in team“

 

Yaaay, Jon macht das Ding!

 

„You stink of hallelujah
But you wash yourself in sin
Well have you seen her? This unbearable creature“

Der High Sparrow und seine scheinheiligen Schergen. Brutal zerbombt von Cersei.

 

„This is the point we have the choice to survive the winter“

 

Dieses Zitat könnte tatsächlich von einem Stark stammen.

 

„We live in a kingdom of blood“

 

Selbstredend. Und Feuer!

 

giphy
Bisch‘ Du ein Wolf of Winter?

Songs wie Wolves of Winter sind aber mehr als nur ein Vergleich. Auf ganz Ellipsis kündigen Autotune und Crowdshouts saftige Riffings an, Synthie-lastige Flächen werden von Urgewalten abgelöst. Man hört schnell: Die Highlander lassen sich in ihrer Entwicklung nicht abbringen und schreien ein „Wer dachte wir halten nicht so lange durch, soll jetzt seinen Besen fressen“ in die Welt. 

 

Aus neu mach alt mach neu

Biffy Clyro sind  poppiger, aber organischer geworden: Highlight für eingefleischte Biffy-Fans ist sicherlich Flammable, On a Bang und Howl. Die Nummer Re-arrange sticht durch ungewohnte Elektro-Beats vor und klingt wie eins dieser nervigen Interludes von Underoath. 

Das heulende Rudel schließt diese Kür mit neuer Bestleistung ab. Gute Noten für Style und Haltung – jedoch nur mittelmäßige Auszeichnung für die Landung. An der Sprache hapert es nämlich gewaltig. Viele von Neils Texten plätschern meistens zu plump dahin und könnten frei übersetzt ohne Probleme der Schlagerbumse Helene Fischer in den Mund gelegt werden. Easy Listening hin oder her: dieses Album hat Knaller-Songs und da gehören auch coole Texte drauf.

Will uns Ellipsis (zu deutsch „Auslassungspunkte“) somit vielleicht sagen, dass wir einfach weniger starke Tracks auslassen sollen, um das Album unbeschadet anhören zu können? Oder locken uns die Wölfe lediglich in eine Falle? Eins ist jedoch sicher: der Winter war noch nie so schön.