Manchmal muss man es einfach tun: der geilen Busenmaus von Nebenan erklären, wo die Sau den Bauern juckt, dem Chef mal ordentlich auf den Tisch kacken oder einfach mal den Lurres in den Wind hängen. Ich verspreche euch, ihr werdet euch besser fühlen. Man schaue sich nur mal an, was das Abwerfen von Altlasten aus den Punkopis von Blink 182 gemacht hat: ja, nachdem sich die Band darauf geeinigt hat, dass es völlig in Ordnung ist, wenn sich Tom DeLonge anstatt die Klampfe zu schwingen, lieber das Rektum von perversen grünen Männchen aus den unendlichen Weiten untersuchen lässt, ist die Band wieder hörbar. Nein, California ist nicht für den Arsch, Tom. 

… Zumindest nicht komplett. Kitschig, total up to date und etwas mental in den eigenen Möglichkeiten beschränkt klingen Blink 182 nach wie vor... Ein wenig wie das Flatulenz-Witzchen, das man auf WG-Partys mit stoischer Mimik zum Besten gibt, kurz bevor die Stimmung kippt: laut, wirkungsvoll, aber auch selten dämlich. Mit Lyrics wie „Living in the perfect weather / Spending time inside together / Hey, here’s to you California“ bewerben sich die Blinks nämlich nicht gerade um einen Pulitzer-Award in der Kategorie „Geistreiche Worstspiele“, sondern vielmehr um die Stippvisite der Kriminalpolizei.

Mark Hoppus und Co klingen auf California wie lustige Onkels im mittleren Alter, die auf Teufel komm raus versuchen, den Vibe der Jugend in ihrer Musik einzufangen. Ich behaupte nicht, dass Blink 182 jetzt unbedingt mit ihrem Van durch die kalifornischen Suburbs tuckern, um ein paar freundliche Nachbarskinder auf lecker Eis mit Benefits einzuladen, aber: Michael Jackson kam schon wegen weitaus weniger anzüglicher Situationen in die Schlagzeilen. Also seid alt, Blink 182, ihr seid es nämlich!

giphy
Bisch‘ Du Tom DeLonge? Ne? Dann…

Ey Marsmann, halt mal die Fresse!

Was Blink wiederum wunderbar gelingt: die völlige Abkehr von Verschwörungspunk Tom DeLonge, der seine Zeit momentan lieber damit verbringt, sich auf Invasionen von E.T. und seine fiesen Kumpanen vorzubereiten, als Musik zu schreiben. Verübeln kanns ihm keiner: All The Small Things würde eine denkbar schlechte Vorstellung abgeben, als Begrüßungshymne für mit Säbel rasselnde Mars-Arschlöcher.

Aber, California klingt tatsächlich nach einem Blink 182-Album: Hooks wie aus dem Lehrbuch und Rhythmen, die sofort mitreißen, lassen wirklich so etwas wie Nostalgie aufkommen. Und das ist zumindest mehr, als andere alternde Rockstars derzeit hervorzubringen wissen…

 

1 Woche Nostromo… All inclusive?

She’s Out Of Her Mind hätte sich wunderbar auf Enema of the State gemacht und San Diego als die perfekte B-Seite zum selbsbetitelten Werk aus dem Jahr 2003. Die Klasse der großen Brüder erreichen die Songs auf California dennoch nie. Was vielleicht auch an einer Nerven-zerreibenden Inflation an Green Day-esken „Wo-oh-Wo-oh“-Rufen und einer beträchtlichen Laufzeit liegen mag.

Dennoch: Humor, Selbstironie, Energie und auch ein bisschen was neues in Form von Matt Skibas Einspringen für den Neuen von Ellen Ripley machen genug Spass, um California eine faire Chance zu geben. Die Gefahr dabei auch wirklich Spaß zu haben ist zumindest höher, als demnächst sein Zimmerchen auf einem intergalaktischen Raumfrachter zu beziehen…