Bon_Jovi_Burning_Bridges_Review

Es gibt diese eine Szene in „Austin Powers“, in der Doctor Evil verzweifelt versucht, vor seinem Sohn Scott cool und zeitgemäß dazustehen. Das geht ähnlich grandios schief wie „Burning Bridges“, Bon Jovis peinlicher und letztlich noch nicht mal konsequent zu Ende gedachter Versuch, sich von den fesseln der Stadionrock-Vergangenheit zu lösen und vor allem das Kapitel Ritchie Sambora endgültig zu schließen.

 

Ich bin reich, was kümmert mich das Elend?

In den letzten Jahren ist ordentlich Sand ins New-Jersey-Getriebe gekommen, das Vorgängerwerk „What About Now“ war ein politisch und gesellschaftlich motiviertes Album, wie es nur verblendete Millionäre schreiben können: Nichtssagend, oberflächlich, Hauptsache mal auf etwas hingewiesen, das in Beverly Hills eh niemals jemand mitbekommen wird.

Ein Album wie jemand, der einen Post für mehr Toleranz gegenüber Flüchtlingen teilt und allen Ernstes denkt, etwas Gutes getan zu haben. Jetzt also „Burning Bridges“. Das soll wohl vieles bedeuten: Neuanfang, die Fahrt in den Sonnenuntergang, das Lösen von Erwartungen. Selten war ein Name unpassender für ein Album. Und das, obwohl die Platte als „Fan-Album“ konzipiert ist.

Bon Jovi Fans
Wie alt sagten sie, sind meine Fans heute?

Was alt ist, wird nicht wieder jung

Es beginnt bemüht modern, mit verhallenden Gitarren und 30-Seconds-To-Mars-Singsangchören. Schon klar, Jared Leto ist auch nicht mehr der Jüngste, mit seinen Mitte 50 sollte der gute Jon Bon aber dann doch lieber die Finger von solchen Sperenzchen lassen. Hat schon bei Doctor Evil nicht geklappt. Genau da macht auch „We Don’t Run“ weiter.

Elektronisches Schlagzeug, wummernde Sequenzen, steriler Bass, wieder diese unsäglich pseudomodernen und doch eigentlich seit Jahren antiquierten Hoo-Hoo-Chöre, dazu eine blecherne Produktion. Mann ey, das ist doch nicht 2001, und Bon Jovi sind nun mal weder Muse noch besagte 30 Seconds To Mars.

Rentner der Erde, huldigt ihm!

Irgendwann auf dem Album sehen sie das dann aber plötzlich ein, legen mit „Saturday Night Gave Me Sunday Morning“ bestes Rentnerradiomaterial vor. „Fingerprints“ kippt dann plötzlich in senile Country-Stimmung, die eher nach Schunkelschlager klingt, „Life Is Beautiful“ wirkt wie der Outtake eines Delta-Rae-Songs, den die Band verschämt wegschließt und niemals wieder erwähnt.

Und der Titeltrack… der Titeltrack macht Bon Jovi endgültig zur Parodie ihrer selbst. Diese weichgespülten Multimillionäre als kauzige Country-Hillbillys? Da ist ja ein Ostdeutschland ohne Nazis glaubwürdiger!

Bon Jovi Groupie
Wir sehen: ein typisches Bon Jovi-Groupie bei Vorbereitungen zu einem typischen Bon Jovi-Konzert

Sind Hausfrauen anwesend? Ja? Prima!

Etwas peinlicheres hat diese Band bislang noch nicht vom Stapel gelassen. Und dabei dachte man doch, dass nach dem Hausfrauenkracher „It’s My Life“, das auf Dorffesten bis heute dafür sorgt, dass sich ein paar hängengebliebene Mittfünfziger für dreieinhalb Minuten mal nicht so verdammt armselig vorkommen, nicht mehr schlimmer werden könnte.

Wo sind sie geblieben, die Achtziger, als Jon Bon noch lange Haare hatte und Hits wie „You Give Love A Bad Name“ abfeuerte?