Calvin-Harris-Motion-Review

[dropcap size=big]M[/dropcap]it Ebola ist das so eine Sache. Klar ist diese biochemische Ausgeburt der Hölle das Bösartigste, was das Miststück Natur seit sehr langer Zeit hervorgebracht hat. Aber was wäre wenn, also, gingen wir nur mal davon aus, dieses kleine infektiöse Partikel wäre nicht etwa ein willenloser Parasit, der sich scheinbar wahllos in seinen unschuldigen Opfern einnistet, sondern ein nach Gerechtigkeit strebender Vigilant, ein mikroskopisch kleiner Superheld, der sich nur einer einzigen Sache verschrieben hat: das Übel dieser Welt langsam und sehr schmerzvoll vom Erdball zu tilgen. Da würde es sich der Salafist oder Hooligan (Anmerkung des Autors: Ja, Euer Gott hat Recht, Ihr seid alle gleich!) wohl zwei Mal überlegen, in aller Öffentlichkeit seinen Verbalmüll abzuladen. Denn da wäre eine Angst im Nacken, und mit stinkendem Atem würde sie flüstern: „Hey, Arschloch. Captain Ebola, der stillschweigende Rächer kommt Dich holen!“ Und wenn wir jetzt noch davon ausgingen, dass „Der unglaubliche Ebola“ ein moderner Vertreter klassischer Superheldenzunft wäre und nicht nur durch Zuruf von Omi auf der Straße Bösewichte ausmacht, sondern eben auch per Email… den Betreff meiner Nachricht würde lediglich ein Name zieren: Calvin Harris!

Hallo, Captain Ebola!

Ich schreibe Dir heute, weil da gibt es einen Mann, der sehr gemein ist. Der macht Musik aus der Dose, die eigentlich immer ein und derselbe Song ist, aber der tut immer so, als wäre der ganz neu und mit ganz viel Liebe gemacht. Aber ganz ehrlich, ich glaube, der tut seine Lieder aus purem Hass machen. Aus Hass auf die meinungslosen Massen, die so doof sind, einfach alles, was der Mann ihnen vorsetzt, blind zu kaufen. Aber auch aus Hass auf sich selbst, weil er es einfach nicht besser kann.

Lieber Captain Ebola. Du musst jetzt etwas machen. Denn so lange es solche Männer wie Calvin Harris gibt, werden qualitatives Songwriting und tiefgründige Musik nie eine Chance haben… Captain, ich zähle auf Dich!

Mit freundlichen Grüßen,

– Ich –

 

Schatz, hast Du mein Cape gesehen? Ich muss die Welt zerstören!

Calvin Harris ist das Böse. In Person. Und auf Platte. Die chronische Krankheit einer Gesellschaft, deren einziges Ziel es zu sein scheint, nur noch weiter zu verblöden. Anders ist dieses popkulturelle Phänomen nicht zu erklären. Wie könnte es auch sonst sein, dass ein unbegabter Songwriter – er selbst nennt sich ja Produzent – nicht nur auditive Massenvernichtungswaffen lagern, sondern eben auch anwenden darf. Ohne dass die UNO Panzerdelegationen in sein Studio rollen lässt; Ohne dass die Genfer Konventionen um den Paragraphen „Harris“ angepasst werden. Mit anderen Worten: Wie könnte es auch sonst sein, dass solch ein Müll wirklich gekauft wird.

Superkräfte. Anders ist es nicht zu erklären, und Harris‘ Mächte sind es, den Geist des einfachen Mannes wie ein postmoderner Gepetto zu steuern und zu lenken. Calvin Harris ist „Der Puppenspieler“, der letzte Endgegner, eine Nemesis, wie sie subtiler nicht daherkommen könnte. Und er hat Euch längst in seinem Bann.

 

Baaaby, was hast Du aber geile Haxn‘

Klar, mit vier Wodka und einem Näschen Ketamin ist auch dieser elektronische Durchschnittsbrei namens „Motion“ zu ertragen. Und mag bei clubstrategischer Ablenkung durch ein paar schöne Beine und tote blaue Augen den perfekten Soundtrack für ein oberflächliches, aber anregendes Partyvergnügen liefern. Das Problem ist jedoch, dass „Motion“ nichts anderes ist als eine lauwarme Schweinshaxe: Wenn Du Hunger hast, ist es das geilste auf der Welt. Bist Du jedoch gesättigt, geht es Dir richtig schlecht und Du sitzt vor den ekelhaften Resten. Bei Harris vermag dies welcher Song auch immer.

ET Animated Gif
Heeeey, Du wirst niemals erraten wo ich meinen Finger hatte!?

E.T., bitte nimm‘ mich mit!

Kein Track, kein Beat schafft auch nur so etwas wie einen leichten Zauber zu entfachen. Warum? Wäre Calvin Harris ein Magier, dann wäre er einer von diesen abgehalfterten Kartenlegern in der Fußgängerzone, die Dir vordergründig die fabelhaftesten Illusionen verkaufen, während der strategisch platzierte Taschendieb in der zweiten Reihe Dir ganz unbemerkt die Kohle aus der Tasche stibitzt. Die Illusion: „Motion“ ist coole, zeitgemäße Musik. Das Prestigio: Ihr dämlichen Trottel bezahlt auch noch dafür!

„Motion“ wird einschlagen wie eine Bombe. Ganz einfach aus dem Grund, weil Calvin Harris keinerlei Experimente eingegangen ist, aber auch gar nichts verändert hat. Die „A-B-A-B-C-A-B“- Strukturen seiner wahrlich blutleeren Songs wurden um den ein oder anderen zeitgemäßen Sound ergänzt und vielleicht sogar ein paar Textzeilen verändert – wirklich sicher kann man sich aber nicht sein.

Calvin Harris‘ neuestes Werk ist der Beweis dafür, das unsere Spezies nicht überleben sollte und vor allen Dingen darf. Da muss man sich vor extraterrestrischem Leben ja regelrecht schämen!

P.S. Und da fragt man sich noch, warum sich E.T. wieder Nachhause verpisst hat!?