Als alter Seebär hat man es nicht leicht: man malocht schon in den frühen Morgenstunden, am Abend riecht man wie eine Nordsee-Filiale in der man über das Wochenende vergessen hat die Kühl-Aggregate einzustellen und Salzwasser ist jetzt auch nicht gerade gut für butterweiche Wangen. Vielleicht gerade deswegen möchte der CAPITANO wohl fachlich umschulen und Treibnetz, Dieselmotor und die ollen gelben Gummistiefel gegen den avantgardistischen Lifestyle des Musikbusiness eintauschen. Okay, Freundchen, wir laden Dich zum Bewerbungsgespräch ein. Aber denk dran: auch in unserer Branche kann es manchmal recht stürmisch werden… Guten Tag, CAPITANO, lassen Sie uns beginnen…

 

Wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Hi! Ich bin kaukasisch, privilegiert, reinlich und zuverlässig. Keine Haustiere. Kann sofort in den Rockolymp einziehen. Ich zahle auch 5000 Euro Abschlag für die Einbauküche. Okay? Na gut. 6000.

 

Warum möchten Sie ausgerechnet in dieser Branche arbeiten?

Das ist doch keine Arbeit. Social Media Influencer, DAS ist Arbeit! Da muss man noch vor die Tür. Fotos an Stränden und Hotels. Und die Erwartungshaltung! Wir sind ja eher noch so Generation Hobbykeller. Bisschen Musik machen und unsere Freunde zwingen, Tickets zu kaufen. Wir sparen uns die teuren Hotels und machen unseren Content auf Instrumenten, die wir von anderen gescheiterten Musikern bei eBay erstehen. Damit wird man nicht reich, man muss sich aber auch nicht anstrengen. Eine Art Schneeballprinzip im Sommer.  „Sie alter Frechdachs“ – das sinnfluencende Baby

 

Nennen Sie uns doch mal Ihre Stärken:

Nein. „Ist auch mal ‚Nein‘ sagen zu können Ihre Stärke oder sind Sie schon wieder frech, Sie Dachs!?“ – das  geschockte Baby

 

Ich mag Filme, die mich schlecht schlafen lassen.“ (CAPITANO, 2018)

 

Welcher ist ihr Lieblingsfilm und warum ausgerechnet dieser?

Das wechselt ständig. Ich war zuletzt sehr beeindruckt von Mother! Ich mag Filme, die mich schlecht schlafen lassen. Ansonsten alles mit Matthew McConaughey. Oder von Kubrick. Hauptsache Antiheld oder Antiunterhaltung. „Dann müsste Ihnen dieses Gespräch wohl zusagen, momentan sind wir nämlich noch etwas Anti-Sie“ – das  Anti-Baby

 

Wie gehen Sie mit stressigen Situationen, wie dieser hier, um?

Eine gesunde Mischung aus Meditation, Masturbation und Manie. Am Liebsten gleichzeitig. „Vielen Dank. Machen wir weiter.  Aber bitte schließen Sie vorher Ihre Hose…“ – das  Anti-Baby

 

Wovor haben Sie eigentlich am meisten Angst?

Große Menschenaufläufe. Ich habe gern die Möglichkeit, Abstand zu nehmen. Es sei denn, ich bin der Mittelpunkt. Dann sollen sie mich zerpflücken. „Das Parfum“-Style. „Viele Menschen also? Damit werden Sie bei uns keine Probleme haben. Niemand liest uns.“ – das  transparente Baby

 

Wie würden Kollegen Sie beschreiben?

Geniale, selbstversunkene, zynische, eigenbrötlerische Sonderlinge. Wir teilen eine Faszination für Kaffee. Aber nur schlechten. Von der Autobahnraststätte. „Hm. Doch. Wir könnten uns Sie uns als Mitarbeiter sehr gut vorstellen. Wir sind sozusagen das SANIFAIR des Online-Journalismus“ – das 50 Cent für den Arsch- Baby

 

Nennen Sie uns eine schwierige Zeit in ihrem Leben und wie Sie damit umgegangen sind?

Leben ist allgemein schwierig, finde ich. Aber ich versuche auch nicht, ein glückliches Leben zu führen. Ich bin lieber interessant als glücklich. Ich würde sagen, Humor und Reflexion ist wichtig. Und immer viel Wasser trinken. „Eine sehr gute Antwort“ – das überraschte  Baby

 

Welche Prominenten hätten Sie gerne als Eltern und warum ausgerechnet diese?

Janis Joplin und Ivan Rebroff. Dann würde ich wahrscheinlich exakt gleich aussehen, aber hätte mehr Geld für coole Klamotten. „Materialisten mögen wir nicht“ – das Minimalismus- Baby

 

Was möchten Sie in fünf Jahren erreicht haben?

Die vierte CAPITANO Abschiedstournee abschließen, eine Reunion ankündigen, und dann eine Woche vor Albumrelease mit meiner Yacht kentern und ertrinken. Auf einem extrem kleinen See. Trotz Rettungsweste. „Sie spinnen doch“ – das nicht ganz so spinnende Baby

 

Warum sollten wir Ihnen die Stelle anbieten?

Wer soll es denn sonst machen? Tim Bendzko? „Wir würden Herrn Bendzko gerne anstellen. Leider haben wir derzeit keine staatlich geförderten Inklusions-Stellen ausgeschrieben“ – das integrative Baby

 

Wie beurteilen Sie dieses Gespräch?

Mir wäre eine Bewerbungscouch lieber. So ist’s doch ein bisschen wie Sexting mit dem Jobvermittler. Man gibt sich zwar für den Erfolg her, die Erfolgschancen sind aber realistischer zu betrachten. Ich fand’s trotzdem schön! „Herr CAPITANO. Ihr Hose ist noch immer auf!“ – das mit dem Anwalt telefonierende Baby

 

Zudem bitten wir um ein Bewerbungs-Selfie. Wir möchten schließlich wissen, wie Sie auftreten werden, im Umfeld unserer Rezipienten.

Ha! Ihr wollte mich wohl ohne Maske sehen. Joke’s on you! Die trage ich auch privat. Ist leider kein Selfie. Dafür aber schön dekoriert.

„Vielen Dank Herr CAPITANO. Bitte geben Sie uns etwas Zeit. Wir melden uns bei Ihnen. Bitte sehen Sie von Anfragen Ihrerseits ab. Wir kontaktieren Sie. Und mit wir meinen wir unseren Anwalt.“ – das  Chef-Baby

 

DAS BEWERBUNGSGESPRÄCH
Wer in der Musikbranche arbeiten möchte, muss sich gegen eine Vielzahl qualifizierter Bewerber durchsetzen. Wir sondieren für euch die Kandidaten! Hart, schonungslos und garantiert ohne versiffte Ledercouch. Meistens.