Wenn sogar ein Titan der deutschen Musikkultur wie Alexander Klaws mittlerweile mal von der Liane runterspringt, um ein Schlager-Album aufzunehmen, kann das nur eins bedeuten: Schlager ist der neue Dubstep. Was das Musikantenstadl trotz jahrzehntelanger Großlieferungen des kolumbianischen Goldes nicht hinbekam, wurde zunächst durch Andrea Bergs Vorstoß (ugh) und dann durch Helene Fischers flächendeckenden Feuersturm Gewissheit: Schlager ist en vogue. Zwar nur bei Volldeppen, aber aus denen besteht dieses Land ja zu 98 Prozent. „Atemlos“ hetzen sie von Flüchtlingsunterkunft zu Flüchtlingsunterkunft, es ließen sich Bücher auch schon schlechter verbrennen. Dann kommt da einer an wie Christian Steiffen. Einer, den man erst mal gar nicht ernst nimmt und sich vorstellt, wie er bei Starbucks ’ne Latte bestellt und nach seinem Namen gefragt wird. „Steiffen, aber mit zwei F, ich bin ja nicht pervers.“ Oder so. Auch Christian Steiffen macht Schlager. Oder zumindest das, was auf den ersten Blick an Schlager erinnert. Der Steiffen hat nämlich einen unschätzbaren Vorteil: Er hat Humor. Das fehlt jedem Schlagerbarden genau so wie Selbstachtung und Moral. Ob ihn das zu einem tollen Künstler macht, wird sich erst noch zeigen. Immerhin hat es ihm gereicht, zu unserem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden.

 

Herr Steiffen, äh, das ist doch ihr richtiger Name, oder?

Sag‘ ich nicht.

 

Aha. Erzählen sie doch mal etwas über sich?

Nun, mein Name ist Christian Steiffen, und ich bin Poet und Entertainer.

 

Was sollten wir unbedingt über sie wissen?

Hören sie doch bitte meine Musik, wenn sie etwas wissen wollen!

 

Nein danke. Was sind ihre Stärken?

Ich bin sensibel und feinfühlig und habe ein gutes Gespür für Texte und Musik.

 

Und ihre Schwächen?

Ich bin sensibel und feinfühlig und habe ein gutes Gespür für Texte und Musik.

 

Nehmen sie unser Gespräch überhaupt ernst, Herr Steifen?

Aber sicher.

 

Dann nennen sie drei positive Eigenschaften, die ihnen fehlen.

Hier möchte ich mit Klaus Kinski antworten: „Ich verstehe nicht, was sie meinen.“

Wo sehen sie sich in fünf Jahren?

Ich lebe im Jetzt und Hier, woher soll ich das wissen? Wo ich mich in fünf Jahren sehe? Keine Ahnung!

 

Interessant. Wie motivieren sie sich?

Ich habe Verantwortung, und die motiviert mich. Wer einen Fan hat, der hat auch schon Verantwortung.

 

 

Und sie haben also einen? Nun, beschreiben sie bitte ihren Arbeitsstil.

Kontrollierte Explosion.

 

Wie gehen sie mit Veränderungen um?

So gut es geht. Ich gehe offen auf alles zu.

 

Wie würden sie Kollegen beschreiben?

Ernst, konzentriert, ein guter Freund.

 

Mit welcher Art von Kollege kommen sie am besten zurecht?

Mit mir selbst. Wer mit sich selbst zurecht kommt, kommt meist auch mit anderen zurecht.

 

Worauf sind sie stolz?

Ich bin zu doof, um stolz zu sein.

 

Was ist ihr größter Traum?

In meinem Alter hat man keine Träume mehr.

 

 

Was war die schwerste Entscheidung der letzten Jahre?

Meine Musik auf Schallplatte zu veröffentlichen. Eigentlich wollte ich nur für mich Musik machen, weil ich dachte, die Welt sei noch gar nicht bereit für mich.

 

Ganz ehrlich, Herr Steiffen: Ist sie auch nicht. Vielen Dank für ihre Zeit, wir melden uns bei ihnen, wenn wir uns entschieden haben.