clutch-psychic-warfare-review

Bandnamen, ¸ber die man besser noch mal nachgedacht hätte: The Child Molesters, Cock And Ball Torture, The Devil Wears Prada… und Clutch. Gib den Namen bei Google ein und du erhältst zunächst zahlreiche hilfreiche Google-Shopping-Ads zu Zalando und Co. Von den staubtrockenen Stoner-Blues-Machos aus Maryland ist da zunächst mal gar nicht die Reden, dafür geht es um den Star der Handtaschen, der das Herz jeder Fashionista höher schlagen lassen wird. Ganz klar, wenn das mit den Babys irgendwann mal keine große Knete mehr abwirft, werden wir Zalando-Pressetexter. Bis es soweit ist, setzen wir uns eben weiterhin mit Musik auseinander und wühlen uns durch die Ergüsse schwankend talentierter Musiker. Fest steht dennoch: Ich zumindest habe lieber eine Clutch im Plattenschrank als unterm Arm. Selbst dann, wenn mich auf dem Cover der neuen Platte Psychic Warfare zwei Panzerrohre frech angrinsen. Panzerdivision Clutch, or what? Nee, schon noch alles beim Alten bei den vier irgendwie unangenehm aussehenden Typen.

Wie heißt das hier? Bate’s Motel?

Clutch waren schon immer zu erdig für den Stoner-Rock-Kiffer, zu schnell und ungestüm für den Blues-Rock-Hutträger und zu heiser für glattpolierte Rock-Radiohörer. Bestes Material für Angeber, die sich ja immer gern auf Nischenbands stürzen, um sich von der Masse abzugrenzen. You know, who you are!

Nach Earth Rocker, mit dem man eine fundamental guten Abriss lieferte und sich nach der vierjährigen Funkstille urgewaltig zurückmeldete, gehts jetzt also weiter in der ein wenig bekloppten Saga der Burschen.

Psychic Warfare handelt nämlich tatsächlich von einem Typen, der sich in einem lausigen Motelzimmer verschanzt hat und von psychischen Agenten attackiert wird. Arme Sau, ganz klar, man sollte eben aufpassen, von wem man Ketamin kauft.

 

Goat Gif
Auf, auf. Auf, auf in die Wüste!

 

Texas? Nein, danke!

Hübsch ist auch der Kulturschock einer Band von der Ostküste, die recht unüberlegt in der Hinterwäldlereinöde von Texas aufgenommen hat. Zum Sound passt das natürlich hervorragend.

Der Bass gluckert wie Erdöl durch die Pipelines, die Gitarren schwitzen sich ein Riff nach dem anderen vom schweißnassen Griffbrett, die Drums pumpen so unbeeindruckt und knochentrocken nach vorn wie ein Bauarbeiter, dem man die Hälfte seines Gehirns entfernt hat. Dem Gemüt der Boys hat Texas allerdings nicht gut getan.

Quick Death In Texas mag zwar mit funkiger Coolness Beliebigkeit vortduschen, wurde jedoch von dieser KKK-Vorhölle, von diesen waffenbesessenen Volltrotteln inspiriert, die hohler sind als Til Schweigers Filme.

Diese wilde Einsamkeit und die schrägen Einheimischen waren zu viel für uns, klagte die Band danach. Und war froh, als sie es wieder an der sophisticated east coast geschafft hatte.

 

Katze Metronom Gif
Joa…Läuft gut rein. Aber ein Höhepunkt fehlt mir dennoch!

Ist das noch Groove oder schon Gott?
Große Momente gibt es auf Psychic Warfare, das ist nichts Neues bei Clutch. Sucker For The Witch ist ein einziger Triumph, der von Neil Fallons animalisch-ekstatischem Röhren befeuert wird und durch einen kolossalen Groove ins Ziel getragen wird. Das Zusammenspiel lässt natürlich erneut die meisten Amateure da draußen alt aussehen, gegen die Chemie und Interaktion dieser Band wirkt die Hälfte aller anderen Rockbands wie die Allstar-Band der Behindertenwerkstatt.

Schnell können sie, langsam aber eben auch. Our Lady Of Electric Light lässt Bass und Drums an die Macht, gibt sich als abgekämpfte Country-Nummer aus dem Blues-Saloon, in dem Fallon urplötzlich den Trobadour raushängen lässt.

Clutch wissen, was sie tun, und spielen ihre Karten konsequent, lässig und mit kübelweise Outlaw-Chuzpe aus. Dass der ganz große Aha-Effekt auf der Strecke bleibt, wiegt nicht allzu schwer.

Dafür ist ihr Stoner-Country einfach viel zu lässig, ihr Humor viel zu schräg und ihre schlimmen Erfahrungen in Texas viel zu simpatico.