Daredevil: Staffel 2

Düster, blutig und verdammt spannend: Daredevil ist auch in der zweiten Staffel das Beste, was die Glotze derzeit zu bieten hat... Neben Pornhub in 3D....
Daredevil-Staffel-2-Review

Manche bringen zu einer Schlägerei ein Küchenmesser mit. Andere vielleicht eine Knarre. Ganz fiese Typen aber bringen einen bissigen Kampfhund mit ins Schlachten-Getümmel – und lassen ihn auch noch von der Leine. In Hell’s Kitchen trägt dieser tollwütige Köter den lieblichen Namen „Frank Castle“ ( für Kumpels auch „Der Punisher“)  und der hat es nicht nur auf Matt Murdocks Waden abgesehen!

Wilson Fisk ist im Knast. Eigentlich sollte Daredevils Stadtteil „Hell’s Kitchen“ also etwas zur Ruhe kommen… Wäre da nicht ein Typ, der seine ermordete Familie rächen will, eine heiße Biene, die nicht nur gut im Bett ist, sondern auch auch den Sai und eine relativ humorbefreite, mafiöse Vereinigung von asiatischen Ninja-Rüpeln, die zwar auch schon in Staffel eins ihr Unwesen trieben, nun aber zur vollen Blüte ihres Hasses gegen den Schutzteufel gereift sind. Vorhang auf für die wohl blutigste Serienfortführung seit es bei The Walking Dead sophisticated ist, Zombie-Schädel auf Bordsteinen zu zertreten.

 

Vorhang auf, Fäuste rein

Großer Gewinn für die zweite Ausgabe der Teufels-Saga ist die Einführung eines neuen Marvel-Lieblings. Frank Castle ist von Beginn an omnipräsent und übernimmt mit finsterem Charisma, einer gehörigen Portion Wut und großartigen One-Linern sofort die Führungsrolle im Netflix-Epos. Geschuldet ist das der gnadenlosen Performance von Jon Bernthal, der ja auch schon in The Walking Dead alles andere als einen Würdenträger verkörperte.

In Daredevil schwingt sich Bernthal nun aber auf, um der eigentlich so kitschig-gutgelaunten Popcornwelt von Marvel endlich den Teer-Anstrich zu verpassen: diese Inkarnation von Frank Castle aka dem Punisher ist brutal, gnadenlos und verdammt noch mal düsterer, als es ein „Ohgoddogodd, meine Eltern sind tot“-Fledermäußchen je sein wird… Dieser Punisher mordet, foltert, kidnappt, schlitzt, sprengt, recherchiert, zermalmt, intrigiert und schockt zugleich.

Ein Beispiel: wenn der „Bestrafer“ in einen engen Gefängniskorridor geführt wird, das Licht ausgeht, die Zellen sich langsam öffnen und die Wachen sich klammheimlich verziehen… Dann zelebrieren die Macher und Autoren keine einfache Knast-Schlägerei, sondern ein regelrechtes Blutfest von schmerzhafter Länge, das in Sachen Choreografie und Brutalität neue Maßstäbe setzt. Visuell und choreografisch gibt es momentan nicht besseres!

Punisher Daredevil

„Küss mich!“… „Du hast nicht Zähne geputzt!“

Eine echte Familiensaga… Nur mit vielen Leichen

Auch clever führen die Macher von Daredevil die Geschichte des Teufelchens fort: Staffel 2 knüpft nahtlos an seinen Vorgänger an und führt viele Erzählungsstränge zusammen, während gleichzeitig neue geknüpft werden.

Ja, Daredevil und Wilson Fisk haben immer noch das ein oder Problemchen, das dann einfach bei einer netten Fragestunde im Knast ausdiskutiert und gleichzeitig auch erklärt wird, warum der Kingpin heißt, wie er heißt… Oder mal heißen wird. Chapeau an dieser Stelle, an das Autorenteam!

Und klar, der Punisher will – ganz Comic-getreu – seine ermordete Familie rächen und die Täter zu Strecke bringen. Würden sich nur nicht immer wieder seine Ziele und die des Schutzteufels in die Quere kommen. Batman v Superman hätte aus dieser Zusammenführung zweier Figuren definitiv etwas lernen können. Denn hier geht es um mehr, als das schlichte Aufeinandertreffen von zwei wichtigen Superhelden. Hier geht es um die dunklen Gefühlswelten von zwei gebrochenen Männern und um die unwiderlegbare Logik, dass Leid zu noch mehr Leid führt. Das Spiel zwischen Daredevil und dem Punisher ist auf jeden Fall der Höhepunkt einer jeden Episode.

Und ja auch Daredevils alter und ebenfalls blinder Mentor Stick spielt wieder eine gewichtige Rolle und erfüllt nicht nur Matt Murdocks Leben mit ordentlich Drama, sondern auch das seines alter Egos… Und genau hier kommt Elektra ins Spiel, die es schafft dem New York-Epos durch doppelbödiges Spiel zwischen Asien-Mafia und Teufelchen-Liebelei eine weitere, tiefere Eben zu verpassen. „Fackeln im Sturm“ ist ein Scheiß gegen den zu keiner Zeit kitschigen Pathos der Netlix-Serie.

Und: Elektra gehört der große Cliffhanger dieser finsteren zweiten Staffel, der euch definitiv den Mund offen stehen lassen wird. Mehr verrate ich hier aber nicht!

Daredevil

Wenn. Ich. Noch. Einmal. Ben Affleck höre…

Schatz, hast Du mal Semtex?

Daredevil ist Drama, Krimi und Comicverfilmung zugleich. Und durch die Einführung von Frank Castle nun auch noch ein beinharter Thriller. Elektra und Stick verpassen der Serie zudem die nötige Tiefe und geben den anderen Hauptcharakteren so etwas wie eine Historie – und dadurch eine Seele.

Wer glaubt, dass Marvel nun Einhornnutellagänseblümchen-Filme produzieren kann, irrt gewaltig. Daredevil gehört mit dieser zweiten Staffel zu den düstersten, gemeinsten und abgründigsten Serien der letzten Jahre und hat sich nun endgültig seinen Platz auf dem Thron neben TV-Giganten wie Game of Thrones, Breaking Bad oder Sopranos verdient.

Viel besser kann Fernsehen einfach nicht mehr sein!

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FantasyThriller

Dieser freundliche Bursche schreibt sehr schöne Artikel. Weil er selbst sehr schön ist. Und schöne Dinge sehr mag. Und dieses sehr schöne Mag betreibt... Zudem wäre er sehr gerne kein Einhorn, jedoch sehr wohl ein Musketier. Sehr Paul McCartney hat er auch schon Mal getroffen, kam aber sehr viel zu spät...Cocaine is eben a sehr hell of a drug... Sehr am Ende? Er fängt doch erst an, sehr geehrte Bitch. Schreib mir: flo@igittbaby.de
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Auch feini fein