dArtagnan-Seit-An-Seit-Review

Es gibt schlechte Nachrichten für alle, die dachten, dass es nach Santiano nicht mehr schlimmer werden konnte. Dass es nicht mehr kruder geht, was schief zusammengezimmerte historische Begebenheiten und volkstümmelnde Schunkelschlager angeht. Wir mussten uns doch schon mit Müh und Not damit abfinden, mit In Extremo eine Tote-Hosen-Variante mit Dudelsack im Land zu haben, mussten visuelle und musikalische Entgleisungen wie Saltatio Mortis über uns ergehen lassen und uns von den eingangs erwähnten alten Säcken aus Norddeutschland kitschiges Seemannsgarn anhören und dabei fleißig Mageninhalt durch die Gegend pumpen wie ein Schiffskranker an der Reling bei starkem Seegang. Reicht das denn nicht?

 

Ist noch Met da?

Nein. All das konnte uns trotzdem nicht auf das Grauen vorbereiten, das jetzt aus dem Abgrund der letzten Major-Label-Tagung emporgekrochen kommt. Auftritt dArtagnan. Drei Typen, die so aussehen, als würden sie nur bei der Jungfrauenversteigerung auf dem Mittelaltermarkt fündig, was feminine Nähe angeht. Die Sorte Mensch eben, die es mit über 30 immer noch für lustig hält, im Wams durch die Gegend zu laufen, auf dem Mittelaltermarkt gern „Taler“ statt „Euro“ sagt und tatsächlich denkt, Met sei ein „gar feynes Gesöff“.

Ungesund aussehende Nerds, die auch mal nach Wacken fahren und eine ganze Bücherwand voller Wolfgang-Hohlbein-Romane haben. Dass sich bei dArtagnan auch Mitglieder von einem unsäglichen Albtraum namens Feuerschwanz einfinden, macht die Sache ungefähr so viel besser wie ein schlimmer Kater, der auf einen Montag fällt. Eher so gar nicht.

Hans-Landa
Ich finde dieses Album zaaauberhaft…

Clausnitz liebt euch!

Aber kurz professionell geblieben: dArtagnan kommen aus Franken und spielen Musketier-Rock. Gut, für eines von diesen beiden Fakten können sie nichts. Das andere ist aber schon schlimm genug. Jedes Kind weiß ja irgendwie auch, dass D’Artagnan gar kein Musketier war. Aber das ist nicht weiter schlimm: dArtagnan sind schließlich auch keine Musiker, sondern eine seelenlose Bande, die die Dollarzeichen in den Augen von Santiano gesehen hat, ein paar Fässer Met aus dem keller geholt und dann verzweifelt überlegt hat: Womit ist heutzutage noch wirklich viel Asche zu machen? Mittelalter Rock ist zu umkänpft, Seefahrer-Schlager decken Santiano ab, minderbemittelten Gruftschlager machen U…u…u…nheilig (pardon) ja irgendwie immer noch, obwohl sie längst verscharrt sein sollten.

Warum also mal nicht die nächste unglaubwürdige, pathetische, glorifizierte und romantisierte Vorstellung aus der Kiste zaubern, nichtssagende, beleidigend simple Schunkellieder drumherum stricken und hoffen, dass Deutschland wirklich so blöd ist, wie man derzeit annehmen muss.

Als Soundtrack für die besorgten Bürger von Clausnitz taugt „Seit an Seit“ daher sicherlich ganz ausgezeichnet.