[dropcap size=big]W[/dropcap]enn schon Slayer-Wutbürger Kerry King nicht persönlich von seinem hohen Ross steigt, dann sind Enter Shikari mit Abstand die qualifiziertesten Hassbündel für das schlecht gelaunte Interview! Immerhin dient ihr größter Hit als Kampfansage an all die Schulhoffaschisten, Dorfproleten und Internet-Spastis mit chronischem Muskelschwund. „Sorry You’re Not A Winner“ heißt der. Selbst die Band hasst den Song. Wie eigentlich fast alles, lässt das englische Trancecore-Geschwader wissen. Das kann ihr neues Werk „The Mindsweep“ nur untermauern: Die Jungs wurden doch vom Schmerz vergewaltigt! Sänger Rou Reynolds und Bassist Chris Batten schreien Kotztiraden über Polit-Prolls, Umwelt-Ungeheuer, Industrie-Idioten und Gräueltaten im Gesundheitssystem raus als würde die gebündelte Kraft der Niagarafälle in eine einzelne Pupille rauschen. Waterboarding 2.0, sozusagen. Getrieben vom Charme britischer Kneipenschlägereien, verdammt üblem Wetter, lästiger Telefonverkäufer und heulender Mädchen – und immer noch so nett, ihre Verachtung hinter sehr gebildetem Sprachschatz zu verstecken. Dennoch: An lieblichen Begriffe wie „Fotze“ kommen selbst sie nicht vorbei.

 

 

Wer ist Euer Arschloch 2014?

Rou Reynolds: „Oh Mann, so viele Arschlöcher – die Frage ist echt schwierig! Hätte ich sie per Mail bekommen, würde ich wohl eine Stunde davorsitzen und grübeln.“
Chris Batten: „Wer verdient das wohl?“
Rou: „Offensichtlich wäre David Cameron, unser Premierminister. Er erweist sich als völlig nutzlos,wenn es um unsere Umwelt geht; er behandelt behinderte Menschen wirklich schlecht, nimmt ihnen die Unterstützung. Und jetzt will er die NHS verkaufen.“ [National Health Service – die Babys]
Chris: „Ein wirklich großes Arschloch, ja. Wäre nur schöner gewesen, jemand Originelleren zu finden.“

 

 

Wann seid Ihr das letzte Mal völlig ausgeflippt?

Rou: „Wir leben in London, überall herrscht Verkehr und Verrücktheit. Unsere Katze lassen wir darum nur in den Garten, wir haben einen hohen Zaun. Einmal ging ich raus, um zu sehen, was sie macht, da war sie auf unserem Dach. Sie konnte keinen Halt kriegen und rutschte und ich schrie: ‚OH MEEEIN GOOOOTTT!!!‘ Ich kletterte aufs Dach und rettete sie. Weil sie das Baby meiner Freundin ist, also wenn ihr irgendetwas passieren sollte, wäre sie am Boden zerstört. Mein Herz raste – brrrrr.“
Chris: „Fiel nicht letztens deine Wand um? Das war beängstigend.“
Rou: „Ja, außerhalb des Mauerwerks war eine Zementwand, der Putz, der abfiel.“
Chris: „Ich hatte ein paar Käfer in meinem Hotelzimmer letzte Nacht, die kletterten mein Bett hoch. Aber ich schnipste die Bastarde einfach weg, also ausgeflippt bin ich nicht. Ich bin wohl der gechillte Typ.“

 

 

Was ist Euer Lieblingsschimpfwort?

Chris: „Fotze ist ziemlich gut.“
Rou: „Ja, man kann es richtig ausspucken…“
Chris: „… vor allem mit britischem Akzent.“
Rou: „Ich mag die wirklich alten im Cockney-Dialekt wie pillock [Idiot]. Es klingt so großartig, aber nicht gerade beleidigend.“ [lacht hysterisch]

 

 

Was kann Euch schon morgens so richtig den Tag versauen?

Chris: „Das Wetter! Wenn ich aufwache und es ist scheiße, fühle ich mich automatisch schlecht.“
Rou: „Was sich als Engländer nicht gerade gut macht.“
Chris: „Deshalb verbringe ich das halbe Jahr immer angepisst. Ah! Und Telefonverkäufer! Diese Bastarde! Gerade läuft ein großer Skandal in England wegen PPI-Verkäufen [Payment Protection Insurance]. Falls man ihnen viel Geld schuldet, kann man sie verklagen. Fast jedes Mal mittags bekomme ich ihre Anrufe.“

 

 

Was war Euer lausigster Anmachspruch?

Chris: „Die Frage geht an Rob [Rolfe, Drummer].“
Rou: „Er ist irrsinnig kryptisch, es macht keinen Sinn, was er sagt. Es gibt diese klassische Anmache: ‚Wie magst du deine Eier früh morgens? Weil du ja mit zu mir kommst.‘ Und Rob würde fragen: ‚Wie magst du deine Eier?‘. [lacht] Rühreier? Alles kann im Englischen metaphorisch rüberkommen, das kommt auf den Tonfall an.“ [stimmt nochmal verführerisch Rühreier an]

 

 

Was war die schlimmste Entscheidung, die Ihr je auf einer Party getroffen habt?

Chris: „Breakdancing ist meist eine dumme Entscheidung.“
Rou: „Ich wurde mal von einem echt reichen Mädchen eingeladen, eins dieser verwöhnten, gehässigen. Sie hatte einen Indoor-Pool – selbstverständlich! Der war abgedeckt mit einer Plane und wir veranstalteten Rennen darüber. Wir mussten sehr schnell sein, weil wir sonst eingesunken wären. Als dann zwei gleichzeitig rannten, brach die Plane ein, die mehrere tausend Pfund kostete.“

Enter Shikari
Guter Cop, böser Cop?

 

Welcher Song ist der schlechteste, den Ihr je geschrieben habt?

Chris: „Robert würde sagen ‚Jonny Sniper‘ von unserem ersten Album.“
Rou: „Ich sage ‚Sorry You’re Not A Winner‘, nur um jeden anzupissen. [lacht gehässig] Wir mussten ihn bei jeder Show der letzten elf Jahren spielen!“

 

 

Aber Ihr habt ihn in den finalen Song Eures neuen Albums “The Mindsweep” eingewoben!

Rou: „Ja gut, das war um auf Wiedersehen zu sagen. Weil wir ihn nie wieder spielen werden!“

 

 

Habt Ihr je daran gedacht, eure Bandmitglieder umzubringen?

Chris: „Nein, das kam mir noch nicht in den Sinn.“
Rou: „Nur ihnen die Beine zu brechen.“
Chris: „Ja, verspielte Sachen eben.“

 

 

Welche Art von Fan geht Euch auf den Sack?

Chris: „Weinende Fans. Das ist echt unangenehm. Es klingt vielleicht gemein, aber das wirklich Nervige daran ist, nicht zu wissen, wie man darauf reagieren soll.“
Rou: „Weil du weißt, dass du es bist, der sie so reagieren lässt. Du fühlst dich automatisch schlecht, wenn sie losflennen, und kannst sie höchstens umarmen.“
Chris: „Jetzt fühle ich mich schlecht, weil sie sich doch so sehr um uns sorgen.“
Rou: „Oh! Ich weiß: Menschen, die einem sehr nahe kommen und einem ins Gesicht spucken! Als wir in den USA auf Tour waren, quatschte mir einer am Merchstand dazwischen und ein bisschen Spucke fiel in meinen Mund.“

 

 

Wie scheiße findet Ihr es, Interviews zu geben?

Rou: „Sie haben eine sehr seltsame Dynamik, widersetzen sich jeglicher Konvention von Konversationen. Ich fühle mich danach, dich zu fragen, wie es dir geht und was für Musik du hörst, aber nur wir sollen ja antworten.“
Chris: „Sehr einseitig.“
Rou: „Nicht natürlich. Ansonsten sind sie in Ordnung. [lacht] Ich muss den gleichen Mist immer und immer wieder abspulen, langweilig. Aber wir stehen am Anfang der Albumpromo, sind also noch aufgeregt.“
Chris: „In ein paar Wochen werden die Geschichten verschönert mit all den Aliens und so.“

 

Naja, Rou und Chris können so schlecht gelaunt sein, wie sie wollen…Wir mögen die beiden Briten dennoch ganz arg dolle.