[dropcap size=big]U[/dropcap]m Heinz Strunk so richtig auf die Palme zu bringen, gibt es viele Wege. Langsam essen, Fernsehkoch werden, hässlicher Unheilig-Fan sein, Horst Lichter abfeiern … oder ihn einfach Heinzer nennen. Lässt man das alles bleiben und bringt man zudem ein Mindestmaß an dieser heutzutage allem Anschein nach äußerst raren Gabe der Ironie auf, hat man seine helle Freude an ihm. An seinen Büchern, an seiner Musik (solo und mit Fraktus), an seinen Studio-Braun-Einsätzen, an seinen Auftritten. Mit „Sie nannten ihn Dreirad“ und „Das Strunk-Prinzip“ gibt es jetzt musikalisch und textlich gleich doppelten Nachschub aus einer verschrobenen Welt, die so ziemlich das Lustigste ist, was der nicht gerade für seine Qualität oder Subtilität Humor dieses Landes hervorgebracht hat. Solltest Du wider Erwarten also doch ein Mario-Barth-Fan sein, lieber Leser, so solltest Du spätestens jetzt zum Kühlschrank gehen, eine Flasche Oettinger öffnen, Deine Frau schlagen und dann zum Fußballspiel gehen. So macht Ihr das doch, oder?

 

Wer war Dein Arschloch 2014?

„Das kann ich so ohne weiteres gar nicht sagen. Ein Mensch, den ich aber zumindest absolut nicht verstehe, ist Horst Lichter. Der ist exakt so alt wie ich, doch könnte mir kein Mensch fremder sein. Wenn jemand das komplette Gegenteil von mir und von all dem, wofür ich stehe, ist, dann ist das Horst Lichter!“

 

Was ist Dein Lieblingsschimpfwort?

„Ich mag die Harmlosen. Heini zum Beispiel. Im humoristischen Rahmen vielleicht so was wie Scheißhausfotze. Das ist so ziemlich das härteste, was ich kenne.“

 

„…Scheißhausfotze…“

 

Was kann Dir schon morgens richtig den Tag versauen?

„Eigentlich nur ich selbst, weil ich sehr von meiner eigenen Stimmung abhängig bin. Das ist ziemlich doof, weil ich dann selten gegen mich ankomme.“

 

Welcher Spitzname bringt Dich auf die Palme?

„Eigentlich heiße ich ja Matthias, aber dieser Name ist außer Betrieb. Matze fand ich dann immer besonders schlimm. Mittlerweile ist es Heinzer. Den höre ich auch nicht so gerne.“

 

Die peinlichste Platte in Deiner Sammlung?

„Eine von Howard Carpendale aus den Achtzigern. Allerdings auch nur, weil ich Saxofon darauf gespielt habe.“

 

Auf welche Art von Besucher könntest Du bei Deinen Auftritten verzichten?

„Die, die nur in eine Show von mir reingeraten sind. Deswegen trage ich bei meinen Auftritten auch keine Brille, damit ich die verständnislosen oder schlecht gelaunten Gesichter nicht sehen muss.“

 

In deinem neuen Buch plauderst du so manches fragwürdige Geheimnis Deines Erfolgs aus. Willst Du jetzt auch noch das Wenige preisgeben, was Du Dir erarbeitet hast?

„Da ich aus einer großen Fülle schöpfe, kann ich es mir leisten, das eine oder andere Geheimnis auszuplaudern. Manche Leute haben in ihrem Leben nur eine einzige Idee und hüten die wie einen Gral, bei mir sieht das ganz anders aus. Ich kann es mir leisten, den einen oder anderen Gedanken zu verschleudern.“

 

 

„Es ist ja nicht umsonst so, dass die Comedyshow auf RTL die riesigen Quoten macht, davon bin ich Lichtjahre entfernt.“

 

Auch auf Deinem Album „Sie nannten ihn Dreirad“ schießt Du mit wirren Ideen und Geschichten nur so um Dich. War es Absicht, dass Buch und Album gleichzeitig erscheinen?

„Das war Zufall. Eigentlich musste ich Songs für ein neues Fraktus-Album schreiben…“

 

Moment mal, du „musstest“?

„Müssen, ja. Ich habe die Arbeiten an meinem Roman nur sehr ungern unterbrochen. Aber so ist das eben, manchmal kommt zu viel auf einmal und einiges davon muss ich eben auch machen. Als ich anfing, Songs zu schreiben, war der Output aber so hoch, dass ich unmöglich alles bei Fraktus unterbringen konnte, was die naheliegende Idee aufwarf, eben ein Album daraus zu machen. Und wenn man dann schon mal eine Tournee gebucht hat, kann das ja nicht schaden.“

 

Schreibblockaden sind die also fremd?

„Ja. Kenne ich gar nicht. Das ist eine Typfrage, glaube ich.“

Das Album hätte übrigens auch einen guten Gedichtband abgegeben, während den neues Buch auch als absurde Motivationsrevue mit grässlicher Musik taugen würde.

„Freut mich, dass Du das so siehst, ich sehe es nämlich auch so. Auf der kommenden Tour werde ich daher auch versuchen, das alles irgendwie miteinander zu verweben. Der Entertainment-Faktor muss natürlich hoch sein.“

 

Lustig wird es natürlich auch. Aber eben Heinz-Strunk-lustig, was nicht jedermann verstehen kann, will oder möchte. Wurmt Dich das?

„Gut finde ich das natürlich nicht, auch für meine Art von Humor würde ich mir ein etwas breiteres Publikum wünschen. Aber ich kann es mir ja schlecht aus dem Bauch schneiden. Es ist ja nicht umsonst so, dass die Comedyshow auf RTL die riesigen Quoten macht, davon bin ich Lichtjahre entfernt. Das wird auch so bleiben – bis in alle Ewigkeit. Dass ein paar mehr Menschen die Ironie dahinter verstehen und nicht teilweise mit Betongesichtern dastehen, weil sie den Witz nicht verstehen, wäre aber schon schön.“

 

Wie Leute also, die manche Postillon-Artikel für wahr halten. Es wäre ja aber dennoch kein schöner Gedanke, von einem Publikum geliebt zu werden, das Mario Barth allen Ernstes für lustig hält.

„Das geht ja auch gar nicht. Völlig ausgeschlossen. Davor habe ich ein sehr ausgesuchtes Klientel, das größtenteils jünger als ich, gebildet, gutaussehend und meistens auch ganz cool ist. Damit kann ich sehr gut leben. Wenn ich da an den Grafen von Unheilig denke, wird mir ganz anders. Dessen Fans sind verwachsene Affenmenschen mit lila Strähnen in den Haaren und Plüschtieren am Rucksack. Das ist dann die Strafe für den Erfolg. Geile Kontoauszüge gegen solche Fans.“

 

Wer hübsch, akademisch gebildet und eigentlich ganz cool ist, sollte dringend einen Besuch dieser Veranstaltungen in Erwägung ziehen. Alle anderen warten, bis Cindy aus Marzahn mal wieder auftritt.