Ein Kühlschrank stinkt erbärmlich, hat er uns gesagt. Seine Bandkollegen schreien mitten in der Nacht wahllos rum, hat er uns gesagt. Seine Fans, die nur deswegen in der ersten Reihe stehen, weil sie alles mit ihren beschissenen Mobiltelefonen festhalten wollen, nerven ihn, hat er uns gesagt. Bauarbeitern würde er morgens manchmal gern die Stahlsäge entreißen und sich selbst an ihnen zu schaffen machen, hat er uns gesagt. Und jetzt wurden ihm auch noch die Mandeln rausgenommen, was den Tourstart verzögert. Eindeutig, Mat(t – wird ausgeklammert, weil wir seinen Namen richtig schreiben sollen, wir Deppen)hias Bloech hat mehr als genug Gründe, immer mal wieder so richtig anständig schlecht gelaunt zu sein. Weil er als Sänger bei Heisskalt anscheinend nicht alles davon einfach rausschreien kann, haben wir uns ihm angenommen und unsere patentierte IgittBaby-Aggressionstherapie verpasst – das schlecht gelaunte Interview. Hat er wirklich gebraucht, der Schöne!

 

Wer ist das Arschloch 2014?

„Es passiert gerade so viel Scheiße auf der Welt. Menschen werden immer noch wegen ihres Glaubens, ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert und verfolgt. An allen Ecken und Enden werden politische Entscheidungen getroffen, hinter denen eigentlich niemand stehen kann, der bei einigermaßen klarem Verstand ist. Ich wüsste gar nicht, wo ich da mit der Suche nach Arschlöchern anfangen oder aufhören sollte. Wobei man in einem der brandneuen Einkaufszentren Stuttgarts sicherlich schon ein paar heißen Kandidaten über den Weg laufen kann.“

 

Hast du schon mal darüber nachgedacht, jemanden umzubringen?

„Ich bin eigentlich ein sehr friedfertiger Mensch. Aber ich habe nun circa drei Jahre direkt neben verschiedenen Großbaustellen gewohnt. Morgens um halb acht von beim Gebäudeabriss herunterfallenden Stahlbetonteilen oder – noch schlimmer – vom Geräusch der Säge, die den Stahl im Stahlbeton zersägt, geweckt zu werden, hat mich teilweise gedanklich zum Attentäter gemacht. Alles, was mit geweckt werden zu tun hat. kann mich wirklich anpissen.“

 

Wann hast du dich das letzte Mal für dich selbst geschämt?

„Ich vergesse Namen sehr schnell. Und Gesichter manchmal auch. Blöde Kombination. Neulich habe ich mich der Freundin eines Freundes zum ungefähr fünften Mal vorgestellt. Da fand ich mich ziemlich doof. Sorry Julia.“

 

Ich könnte ausrasten, wenn…

„Stolz Menschen daran hindert, ihren Verstand zu benutzen.“

 

„Welches ist Dein schlimmstes Kleidungsstück?“

„Ich hab so ’ne kurze Sporthose. Die ist wirklich kurz. Und meine Beine extrem lang. Das sieht ziemlich dumm aus. Noch dümmer ist als Kerl nur der ‚obenrum was kuscheliges, untenrum gar nix‘-Look, der an Frauen einfach nur bezaubernd aussieht.“

 

Wie war Dein schlimmstes Date?

„Bei einem der ersten Treffen hat bei mir noch in der gleichen Nacht irgend ein sehr fieser Magen-Darm Infekt losgelegt. Die Gute hat sich dann drei Tage um mich gekümmert, während ich stündlich kotzend und dünnfallend zwischen Bett und Bad gependelt bin und nicht mal Wasser trinken konnte. Das war wirklich Scheiße. Aber ist gut ausgegangen. Ich Charmeur.“

 

Und wie lautet Dein lausigster Anmachspruch?

„Anmachsprüche sind bescheuert. Gibt es echt Leute, die das machen? Ich bin da recht direkt. Zeit ist Liebe!“

Matze von Heisskalt
Leidet entweder wieder an einem Magen-Darm-Virus oder will uns wirklich gleich auf die Fresse hauen: Matze, der Front-Miesepeter von Heisskalt. (Copyright: haben wir von seinem Handy geklaut.)

 

Unseren WG-Kühlschrank finde ich darum zum Kotzen:

„Mir fällt es schwer zu beschreiben, wie der riecht. Das ist so eine Mischung aus saurer Milch, sehr altem Bergkäse, roher Zwiebel und Kotze. Vermutlich besteht genau daraus auch der Siff, der da unten drinsteht. Wobei ich mich frage, wer ernsthaft in einen Kühlschrank kotzt.“

 

Wofür könntest Du deinen Bandmitgliedern manchmal in die Fresse hauen?

„Wir sind ein Herz und eine Seele. Aber im Bus zu schlafen und von lauten, plötzlichen Geräuschen oder Schreien geweckt zu werden, die irgendjemand ohne mir verständlichen Grund erzeugt, das würde reichen.“

 

Welche Art von Fan geht Dir so richtig auf den Sack?

„Die, die in der ersten Reihe stehen und sich das Konzert durch die Linse ihres Telefons angucken. Mir ist klar, dass die das nicht besser wissen können, weil sie noch nie draußen waren – aber ein Konzert ist doch eines der wenigen Dinge, für die es kein virtuelles Substitut geben kann. Ich will, und wir als Band müssen da in Kontakt mit dem Publikum sein, sonst funktioniert das alles nicht. Das ist ein Geben und Nehmen und ganz schön intensiv und intim für mich. Ich hab keinen Bock, in leuchtende Kameralichter zu spielen, hinter denen jemand gerade Smileys in eine WhatsApp-Gruppe postet. In manchen Situationen hat so ein Telefon einfach nichts zu suchen!

 

Der schlimmste Song der Welt:

Da habt ihr das „Scheißlied“.

 

In welchen Situationen willst Du die Musik am liebsten an den Nagel hängen?

„Wenn ich lange darüber nachdenke, wie privilegiert wir eigentlich sind, in einem Teil der Welt zu wohnen, in dem wir uns über Dinge wie die Qualität von Musik oder die Farbe unserer Bärchenwurst Gedanken machen können. Dann fühlt sich alles sinnlos, naiv und arrogant an und ich will das Land verlassen und irgendwo was Sinnvolles tun. Ich hoffe, irgendwann mach ich das auch mal.“

 

Wie beschissen findest Du es, Interviews zu geben?

„Ich geb‘ gerne Interviews. Da merkt man oft, was man wirklich schon zu Ende gedacht hat, und was noch vage ist. Das kann aber nur passieren, wenn der Interviewerin irgendwann über die Wikipedia-Fragen hinaus kommt. Sich mit uns zu treffen, weil man zu faul und/oder zu dumm ist, unsere Namen, Alter oder Wohnorte zu recherchieren, nervt hart.“

Naja. Ein bisschen mieser drauf hätte Matze ja schon sein dürfen. Egal. Demnächst sind Heisskalt wieder auf Tour. Mit dem Album „Vom Stehen und Fallen“ und der Münchener Indie-Trio-Alliteration Marcus, Michael und Mario von Blackout Problems. Die Kerle heißen scheinbar wirklich so. Packt also Eure dämlichen Handys weg, Ihr Ignoranten, schnappt Euch ein Bier und wartet darauf, dass der mandellose Matthias, wie nur wir ihn nennen dürfen, Euch nicht anmacht.