[dropcap size=big]I[/dropcap]m Jappy-Chat erzählt ihr stolz vom Crossfit-Pumpen für den Weltfrieden. Von wegen. Das Einzige, das bei euch im Dreieck springt, ist euer klitzekleiner Kringelschwanz, ihr Lügenschweinchen. Euch Sündern des guten Geschmacks soll der gerechte Zorn von Übervater Mr. Lordi treffen. Der hat die Bosstransformation längst hinter sich. Und statt Kringelschwänzchen hat das schnuckelige Monster meterweite Fledermausflügel, die er schneller ausfahren kann als euer Stricher seinen verhunzten Versuch von Penis. Apropos Strich: Was Mr. Lordi gewaltig gegen selbigen geht, sind Arschficks, Cola-Entzug, die Russen und Downloads. Wer es also jemals gewagt hat, „Hard Rock Hallelujah“ illegal zu saugen, weil das im Eurovision Schwul Contest ja so ’ne fetzige Tanznummer war, dann raunt Mr. Lordi: „Zeit heilt niemals meine Wunden“. Schon erwähnt, dass der Kerl gefühlte drei Meter groß ist? Viel Raum für noch mehr Hass.

 

Wie scheisse war eure Show im Berliner K17?

„Die Bühne war sehr klein. Es machte einfach keinen Sinn, die und die Songs zu spielen, weil wir die Showeffekte nicht rausholen konnten – Leute in Hälften zu schneiden und so. Ich hatte sogar Angst davor, mich auf der Bühne zu bewegen, weil alles so eng war. Wenn wir aneinander stoßen und umfallen, kommen wir nicht mehr hoch.“

 

Wann bist du zum letzten Mal völlig durchgedreht?

„Eigentlich flippe ich nicht so leicht aus. Aber vor fast genau einem Jahr wurde ich richtig wütend auf den Regisseur unseres Dokumentarfilms. Wir filmten drei Jahre daran und am Ende war die Doku komplett anders als geplant. Da bin ich richtig durchgedreht, ich wollte den Bastard einfach nur töten!“

 

 

„Immer, wenn uns jemand in den Arsch ficken will, zeigt er das Video und sagt, wir spielen nur Playback.“

 

War er das Arschloch 2014 für dich? Würdest du ihm jetzt gern eins in die Fresse hauen?

„Oooh yeaaah! Genau dem! Für gewöhnlich bin ich mit jedem befreundet und werde nur sehr selten böse. Aber wenn du es einmal auf meine schwarze Liste geschafft hast, werde ich dir nie, nie wieder vergeben. Nie, nie wieder! Das Schlimmste daran ist, dass er ein guter Kindheitsfreund war. Es fällt mir wirklich schwer, an jemand anderes zu denken, auf den ich jemals so wütend war. Zeit heilt niemals meine Wunden. Nie wieder werde ich dein Freund sein.“

 

Was ist dein Lieblingsschimpfwort?

„Vittu! Das bedeutet Fotze. Schon seit meinen Teenager-Zeiten fluche ich verdammt viel auf Finnisch. Ich nutze vittu immer, als „ääähm“, als „weißt du?“, als „fuck fuck fucking fuck fuck“, immer. Wenn wir sagen wollen, „du mutterfickender Idiot“, sagen wir „vittu idiot“, obwohl vittu nicht wirklich „fuck“ bedeutet. Das funktioniert aber wirklich gut.“

 

Was kann dir schon früh morgens den Tag versauen?

„Wenn ich keine Kippe kriege, meine Pfeife nicht rauchen kann, mein Nikotin nicht bekomme. Punkt. Wenn ich meine Cola, meine Pepsi, Dr. Pepper oder so nicht kriege, mein Koffein. Ich brauche keinen Kaffee, aber drei Liter Colagetränke am Tag. Das ist mein Wasser und mein Kaffee, alles in einem. Ich wache sehr langsam auf, ich brauche bestimmt eine Stunde, um zu begreifen, was in der Welt geschieht. Wenn aber jemand anfängt, mit mir zu reden, raste ich aus. Quatsch mich nicht voll! Ich verstehe nicht, was du von mir willst! Mein bester Freund braucht verfickte fünf Minuten, um aufzustehen, sich anzuziehen und ins Auto zu steigen!“

 

„Tatsächlich mag ich Interviews. Weil sie über mein Lieblingsthema sind: Mich!“

 

Welcher Typ von Fan nervt Dich ends ab?

„Ich mag alle möglichen Menschen und komme auch mit jedem zurecht. Klar gibt es da einige, die ich nicht leiden kann, aber das werde ich nicht zeigen. [Zur Erinnerung: Mr. Lordi ist ein zwei Meter großes, grässliches Monster aus Kunststoff mit leuchtend roten Pupillen. Es ist also nicht leicht, seine Mimik zu deuten – die informierenden Babys] Ich versuche, jedem gegenüber höflich zu sein, weil ich auch so behandelt werden will. Aber es gibt da Menschen, die es einfach nicht raffen, wenn man beschäftigt oder überhaupt nicht interessiert ist. Es gibt da diesen Dude, der nicht aufhört, mich anzurufen und mir zu schreiben. Ich hatte keine Wahl, als ihm meine Nummer zu geben, weil wir in den 80ern dieselbe Schule besuchten. Das war ein großer Fehler. Wenn er fragt, was abgeht, schiebe ich Fieber oder so vor, aber er kapiert’s einfach nicht. Er kapiert’s nicht. Er. Kapiert’s. Nicht.“

 

Lordi-Interview-IgittBaby

Welche Deiner Shows ging so richtig in die Hose?

„Den peinlichsten Moment, live auf der Bühne, hatten wir mit dieser Band 2006 im verdammten Moskau. Auf dem Roten Platz. Das war das Übelste vom Übelsten, das je einer Band passieren kann; das verfolgt uns bis heute. Fangen wir an: Russland. Damals war das technische Wissen dort noch nicht so ausgeprägt. Es fand der G8-Gipfel statt, die Scorpions waren da, Kanye West oder irgend so ein Ami, wir und ein paar andere. Die Shows wurden live ins Fernsehen übertragen und Millionen Menschen waren auf dem Roten Platz. Wir sollten drei Songs spielen, kamen also mit all unserem Equipment aus Finnland angereist, mit der ganzen Crew. Und dann – wortwörtlich – nur fünfzehn Minuten vor der Show fragten sie uns: „Spielt ihr akustisch oder Playback?“ Ich sagte: „Weder noch“. Und sie: „Neineineineinein, niemand spielt live.“ Wir entschieden uns also für Playback und hatten die Backing Tracks dabei. Viele wissen nicht, dass Fernsehshows einen nicht live spielen lassen. Damit technisch nichts schiefgehen kann. Die Motherfucker dort hatten aber nicht mal die richtigen Kabel, um unsere Backing Tracks abzuspielen! Sie hatten nur einen verdammten CD-Player auf einer bebenden Bühne! Kannst du das glauben? Sie spielten die Songs vom Album ab und wir dachten nur: „Neeeeein neeeein neeein, sind wir im Steinzeitalter?“ Wir hatten keine Wahl und nur noch zwei Minuten bis zur Showtime. Also zogen wir es durch. Und irgendwann dann mitten im zweiten Refrain ging es nur noch: „Dödödödödödödödödödödödödödödödödödöd“ – die CD sprang. Das war so peinlich, das gesamte Publikum verstummte. Weil aber der G8-Gipfel stattfand und der sich wie das Konzert gegen illegale Raubkopien wandte, war ich so clever, ins Mikro zu sagen: „Seht ihr, das passiert mit gebrannten CDs!“ Aber mein Mikro war verfickter Fake! Es wurde immer peinlicher. Es brauchte zwei oder drei Jahre, bis jemand das Konzert auf Youtube stellte. Es macht mich jedes Mal verrückt, wenn ich damit konfrontiert werde. Immer, wenn uns jemand in den Arsch ficken will, zeigt er das Video und sagt, wir spielen nur Playback.“

 

Was war der schlimmste Fehler, den die Menschheit je beging?

„Digitalität. Das ging viel zu weit. Natürlich müsste ich jetzt so etwas sagen wie Tiere essen oder die Unbekümmertheit der Natur gegenüber. Aber ich liebe es, Schwein zu essen, das wäre heuchlerisch. Das digitale Zeitalter beeinflusst mein Leben am meisten, es zerstört die Musikindustrie, das Filmgeschäft. Menschen begreifen nicht: Wenn sie nicht in wenigen Jahrzehnten mit einem neuen System daherkommen, dann wird die ganze Unterhaltungsbranche gefickt. Es wird den Tag geben, an dem kein Produzent mehr bezahlt wird und es vorbei ist. Keiner arbeitet umsonst. Ich nutze das Internet nur sehr selten, ich bin nicht auf Facebook oder auf irgendeinem dieser verfickten Sachen. Ich kann locker drei Wochen lang keine Mails checken. Ich hasse das, obwohl ich einer der Ersten war, die damit umgingen. 1994 war ich schon online während der Filmschule. Ich habe noch nie etwas illegal gedownloadet, dabei würde ich mich so schlecht fühlen. Ich nutze kein Netflix, ich kaufe DVDs und BluRays – ich will das unterstützen. Ich gehe auch nicht in den Supermarkt und nehme mir einfach meine Milch und mein Brot. Also warum sollte ich das mit meiner Unterhaltung machen?“

 

Wie beschissen findest Du Interviews?

„Tatsächlich mag ich Interviews. Weil sie über mein Lieblingsthema sind: Mich! [kichert hysterisch – die eingeschüchterten Babys]. Ich mag es zu reden. Wenn es aber nur um den Eurovision geht und der Interviewer nicht mal eine Ahnung davon hat, worum es in der Band geht, dann wird es ein wenig nervig. Könnt ihr bitte eure Arbeit machen und ein wenig recherchieren? Wenigstens ein kleines bisschen.“

 

Ach, Mr. Lordi ist doch ein ganz lieber. Der will doch nur spielen. Er beißt auch nicht. Außer ihr fickt ihn in den Arsch wie die Russen, das verzeiht der euch nie.