Seien wir mal ehrlich: Nach jedem kleinen Sonntagsgrillen auf dem heimatlichen Balkon, jeder wohnzimmerlichen Geburtstagfeier mit Bierbänken und Frischpils vom Faß oder jeder weiteren Pizza Texmex, die man seinen besoffensten Freunden nach einer alkohilisierten Nacht mal nicht komplett verbrannt vorsetzt, wachsen wir gerne mal über unser betriebswirtschaftliches Ego hinaus und fantasieren gerne in Phrasen wie „so ein olles Festival… Das bekomme ich auch noch irgendwie organisiert.“ Das da monatelange Planung, richtig viele Moneten und noch mehr Planung drin stecken, das wollen wir Hobby-Eventmanager oftmals nicht sehen. David Lodhi vom Club-Festival Nürnberg.Pop  kann davon ein Lied singen. Und für das Baby singt er gerne: Von Nürnberg als vergessenem Musik-Standort , Nightlinern in engen Altstadtgassen und dem tollsten Gefühl der Welt… Dem Blick in glückliche Gesichter.

 

Sag mal David, wie viel Arbeit ist es wirklich so ein Festival wie das Nürnberg.Pop auf die Beine zu stellen?

„Irgendwas zwischen 365 Tagen und… Keine Ahnung. Wahrscheinlich sollte man umgehend wieder damit aufhören, ein Festival auf die Beine zu stellen wenn man sich mal ernsthaft die Zeit, die das in Anspruch nimmt, zusammenrechnet.“

 

Okay, klingt ja echt „relaxt“. Was sind denn so die größten Herausforderungen in der Organisation eines solchen Festivals?

„Ein Clubfestival basiert ja nicht auf einem festen Gelände mit drei, vier oder neun Bühnen, sondern die halbe Innenstadt ist das Festivalgelände. Das macht es interessant und eigen, stellt einen aber auch vor immer wieder neue Herausforderungen. Zum Beispiel eine Demo samt anschließender Teilabsperrung der Nürnberger Altstadt während dein Cateringteam eigentlich dringend mit dem vollen Kombi von Backstage zu Backstage fahren muss. Oder ein Nightliner, der sich durch enge Altstadtgassen schlängeln muss.  Da tauchen jedes Jahr neue Situationen auf, die man so noch nicht gehabt hat. Außerdem wächst Nürnberg.Pop von Jahr zu Jahr. Das ist auf eine komische Art und Weise schön und ja auch richtig, mit anzusehen, wie man immer mehr an seine Grenzen stößt und das einfach nicht mehr zu dritt mit ein paar Freunden, die schon immer dabei waren, stemmen kann. Man nimmt für einzelne Bereiche Menschen mit ins Team und beginnt ihnen immer mehr zu vertrauen, und damit auch in einer gewissen Art und Weise Dinge los zu lassen.“

 

 

Es ist Wahnsinn, in glückliche Gesichter zu schauen…“

 

 

Aber was ist dann eigentlich so toll daran, sein eigenes Festival zu haben? Den ganzen Tag Bier trinken kann man dann ja nicht mehr…

„Es ist einfach Wahnsinn, in glückliche Gesichter von glücklichen Menschen zu schauen, die gerade eine schöne Zeit auf deinem Festival haben. Auch wenn ich gerne Bier trinke: Das schmeckt mir besser.“

 

 

Und gibt es irgendein Festival, an dem du dich bei der Organisation orientierst oder das dich persönlich inspiriert?

„Der Tommy Wurm (Voll schlaues Baby weiß: das ist ein Mitveranstalter) und ich haben beide in der Electropopband Wrongkong gespielt und waren 2010 aufs Reeperbahnfestival eingeladen. Das war schon so etwas wie die Geburtsstunde von Nürnberg.Pop, nach unserem Auftritt in dieses Festival einzutauchen. Wir kamen nach Nürnberg zurück und haben beschlossen, so was auch hier zu machen. 2011 war es dann soweit.“

 

Was Baby sich fragt: wie schafft man es heute eigentlich noch bei der Masse an Live-Events  hervorzustechen?

„Es ist ja nicht nur die Masse an Live-Events, es ist die Masse an Events anfürsich. Ein DJ-Event ist ja für viele auch schon ein Live-Event. Hauptsache es regnet genug Konfetti. Andererseits müssen einen der stetige Wandel auf dem Live- und Festivalmarkt auch anspornen, immer wieder sein Bestes zu geben. Dinge zu überdenken, sie zu überholen. Neues zu integrieren oder Altes ganz vom Festivalplan zu streichen sind feste Bestandteile unserer Arbeit. Ich glaube, wenn wir uns nicht mehr in der Lage sehen, uns selbst und das was wir machen – und warum wir das machen – ständig zu hinterfragen, dann können wir es auch einfach bleiben lassen. Solange wir das nicht tun, glauben wir daran, aus der Masse hervorstechen zu können.“

 

Diese geilen Geilen spielen bei Nürnberg.Pop:

 

 

Wenn man das so fragen kann: Ab wann ist das Nürnberg.Pop ein Erfolg für Dich?

„Wenn ich während des Festivals auch mal aus dem Produktionsbüro rauskomme, um mir die eine oder andere Band auf ein paar Minuten anzuschauen.“

 

Auf welche Band oder Act freust Du Dich dann am meisten?

„Doofe Antwort jetzt, dafür schonmal sorry. Aber ich freue mich auf jede Band die kommt. Ob das jetzt – bezogen auf heuer – eine der größeren Bands wie Drangsal oder Milliarden, ein Newcomer wie Rikas oder Kaffkönig, alte Freunde wie die Fuck Art, Let´s Dance Jungs oder die vielen Bands und KünsterInnen hier aus der Region, die so ein Festival als lokale Szene mittragen und wahnsinnig viel Liebe und Energie in ihre Show stecken, ist da irrelevant.  „

 

 

Irgendjemand muss ja den völlig verlorenen Ruf dieser Stadt als Musik-Standort wieder verbessern.“

 

 

Bratwürstl, Hitler-Bauten und ein Hauch von Landpomeranze: Warum ist ausgerechnet Nürnberg der perfekte Standort für ein Stadt-Festival?

„Erstens hat die südliche Nürnberger Altstadt aufgrund einer hohen Dichte von tollen Spielstätten von Kirche, Museum über Club, Bar, bis zum relativ großen Saal in Laufweite. Zweitens muss ja irgendjemand mal wieder damit anfangen, den Ende der 1990er Jahre völlig verlorenen Ruf dieser Stadt als Musik-Standort wieder zu verbessern. Wenn man bedenkt, dass Nürnberg eine Vergangenheit als Handelsmetropole aufzuweisen hat, also durchaus mehr als veritable Erfolge in Sachen Knotenpunkt und Vernetzung, muss man sich schon fragen, was davon eigentlich übrig geblieben ist und warum. Drittens will Nürnberg 2025 Kulturhauptstadt werden. Da passt ein Festival wie Nürnberg.Pop sicherlich gut ins Portfolio. Sehen wir übrigens auch so.“

 

Baby weiß… Viel zu früh, aber: Was machst du als allererstes, wenn der Event vorbei ist?

„Schlafen. Dann abbauen. Und dann wieder schlafen. Danach fangen meistens die ersten Planungen für das Jahr drauf an.“

 

Eins ist klar. Baby bleibt bei Bierbänken und lecker Texmex. Ihr seht Baby in Nürnberg! 

 

Bislang kannst Du bei Nürnberg.Pop am 13. Oktober diese geilen Geilen erleben (Ja, da kommen noch mehr, Du gieriges Stück):

▷ A Tale Of Golden Keys
▷ All The Luck In The World
▷ Antifuchs
▷ back to present
▷ Bird Berlin
▷ DENA
▷ Die Japanische Clubjacke
▷ DMY
▷ Drangsal
▷ Dr. Umwuchts Tanzpalast
▷ Fil Bo Riva
▷ FLUT
▷ Folk´s Worst Nightmare
▷ FUCK ART, LET`S DANCE! (akustisch)
▷ Hannah & Falco
▷ Kaffkönig
▷ Karin Rabhansl
▷ Koala Kaladevi
▷ Kuchenmann
▷ Lionlion
▷ Milliarden
▷ NBG.HIPHOP (zusammen mit Team Büro & Schallplattenfachhandel)
▷ Pish (Kakkmaddafakka)
▷ Rikas
▷ Song Ping Pong (Dirk Hess, Julia Fischer, Neil Hickethier)
▷ The Air We Breathe
▷ Yukno
▷ #zweiraumsilke

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