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Wenn diese junggebliebenen Herren von ihren besten Aufnahmen sprechen, dann meinen sie das auch so. Lass sich diese Aneinanderreihung von Köstlichkeiten einer Mal auf der Zunge zergehen: „Großes Glied“, „Ich töte meinen Nachbarn und verprügel seine Leiche“,  „Klagegesang Einer Katze“, „Stinkmösenpolka“. Nein, dabei handelt es sich nicht um Pornos, sondern um erfrischend-komische Punksongs, die zum Leben dazugehören wie das Bier zum Frühstück – zumindest, wenn man sich waschechter Punk schimpft.

Aber mal von vorn. Dreißig Jahre Die Kassierer wollen ja schließlich gefeiert werden. Anstatt Rosen schenken uns Wölfi (Gesang und Frontsau), Mitch Maestro (Bass und Gesang), Volker Kampfgarten (Schlagzeug und Jazzgitarre) und Nikolaj Sonnenscheiße (Gitarre und Gesang) einen bunten Strauß voll von schmierigen Texten und zerhackten Melodien.

 

Gute Laune, Pimmel raus!

Denn nach all dieser Zeit schreiben die Ruhrpottler Gewalt, Sex und Schnaps immer noch ganz groß. Ist ja auch ne bombastische Mischung. In der Zwischenzeit war Wölfi nicht nur an der Spitze der Bandmacht, sondern auch überaus aktiv in Politik und Kunst.

Die Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands (APPD), die Punk-Operette „Häuptling Abendwind und Die Kassierer“ und last but not least hat er vor Urzeiten auch noch Film- und Theaterwissenschaften studiert.

Achja, nebenbei schreibt er auch noch fleißig Texte und zeigt gern seinen Pillermann. Dufter Typ eben.

Bier Ex
Auf Euch!

Neben ihrer Liebe zum klassischen Punk beweisen Die Kassierer auf ihrem Best-Of-Album ein weiteres Mal, dass sie auch Profis in fortgeschrittener Schlager-, Tango- und Skapraxis sind. „U.F.O.“ oder „Mach deine Titten frei, damit ich wichsen kann“ beipielsweise laufen zum Weißwurstfrühstück genauso gut rein wie zum Coitus Interruptus, „Menschenkatapult“ und „Mit ’nem Zeppelin durchs Jenseits“ sind ideal für den nächsten Tanztee und „Das Schlimmste ist, wenn das Bier leer ist“ ist zwar traurig, aber nichts als die nackige Wahrheit.

 

Gossenfilosofen!

Neben der Fülle an musikalischen Einflüssen, die Die Kassierer bestens zu vertreten wissen, beweist „Haptisch – Ihre besten Aufnahmen aus 30 Jahren“ auf ein Neues ihre textliche Vielfalt.

Darüber hinaus halten Die Kassierer uns immer auf dem Laufenden in Sachen Punk wäre tot und so.

Das ist er nämlich auf keinen Fall. Punk ist nämlich überall, am meisten aber im Pott – die Wiege der schmutzigen Gedanken, die man gar nicht so schnell denken kann, wie Wölfi sie ausspricht.

 

Prost, Pappkameraden!

Der tatsächliche Sinn eines Best-Of-Albums eines eigentlich sinnbefreiten Genres lassen wir bei all der Feierei mal dahingestellt. Dafür lauschen wir weisen Worten wie

„Manche Menschen sind Piloten, Friseure, Wissenschaftler und Postboten, Ärzte, Lehrer und Polizisten, und Computerspezialisten. Ja das macht man heutzutage, aber das kommt für mich nicht in Frage, das ist mir alles zu normal, denn ich bin mega asozial!“

… Und machen uns schön ein Bier auf.