ellie-goulding-delirium-review

Sie ist blond, sie ist begabt und sie ist schön. Darüber hinaus schlüpft uns Ellie Goulding mit ihrer neuen Platte passend zur Weihnachtsbäckerei zuckersüß und butterweich in den Kopf und lässt uns 22 dudelnde Lieder lang nicht in Ruhe. Autotune, lärmendes Geklingel oder einfach nur ein neu entdeckter, aber lange eingestaubter Effektordner auf dem Desktop – alles klingt nach Autoscooter und nächtlicher Ekstase in der Dorfdisco.

50 Shades of Gähn

Eigenen Angaben zufolge probiert sich Ellie Goulding auf „Delirium“ selbst mal so richtig aus. Was mit Lyrics für einfache Geister wie die nächste Auflage eines Hausfrauen-Softpornos à la „50 Shades of Fickificki“ klingt, (für dessen Verfilmung die Goulding übrigens „Love Me Like You Do“ beigesteuert hat) haut nach zehn Liedern immer noch so hart auf die Partykacke wie die Morningshow von DasDing.

Titel wie „Something In The Way You Move“, „On My Mind“ oder „Around U“ sind milde gesagt nur unterschiedliche Wörter um den immer einförmigen Brei, den gefühlt viel zu viele Produzenten längst versalzen haben.

Langweilig Gif
Achso!?…Ähäm!?…Aha!?

What would Justin Bieber say?

Ursprünglich klang Ellie Goulding mal nach gefühlvollem Girlie-House. Zwar aufdringlich gut gelaunt, aber irgendwie besonders im Gegensatz zu anderen Kolleginnen ihrer Zunft.

Doch jetzt versucht sie allen bisher erreichten Zielen zu entfliehen und legt ihr experimentellstes Album in Überlänge vor. Zumindest erzählt sie in einem Vorab-Interview zur Platte von den eigenen musikalischen Grenzen, die sie mit Delirium endlich zu Fall bringen möchte.

Vielleicht ist für sie selbst dieses Experiment geglückt, von außen gestaltet sich das ganze aber unglaublich anstrengend und brutal einfallslos.

In „Holding On For Life“ wühlt ein bisschen in Gospel-Dramatik, „Don’t Need Nobody“ könnte auch aus der Feder eines Bieber-Produzenten stammen und „We Can’t Move To This“ klingt im Refrain wie der „König der Löwen“-Soundtrack auf Speed.

Justin Bieber Gif
Dazu fällt mir nix mehr ein!

Ich geb dir gleich Delirium auf die Fresse!

Mit hoffnungsvollen Blicken zum Ende der scheinbar endlosen Platte werden die Töne etwas erträglicher.

Aus gruselig-euphorischen Liebessongs werden Trennungsschmerz („Army“) und deeper Danceshit zum Beziehungsende („Devotion“), den Madonna auch in zwanzig Jahren wohl nicht einfühlsamer hinbekommen wird.

Da ändert auch das Hippie-Getrommel in „I Do What I Love“ nichts, das man an diesem Zeitpunkt des Hörens nur noch als Aufforderung verstehen kann, dieses in keiner Weise geglückte Delirium so schnell wie möglich aus dem Fenster zu werfen.