Enter-Shikari-The-Mindsweep-Review

[dropcap size=big]H[/dropcap]ey Kumpel. Ich habe gerade mit Shikari Schluss gemacht. Das war echt eine richtig üble Sache. Es gab wie immer viele Vorwürfe. Und natürlich viele Tränen. Vielleicht war ich zu hart, vielleicht war ich auch nicht ehrlich genug. Mir gehts echt scheisse. Hier hast Du meine Nachricht an sie. Kannst Du mir helfen? Was sagst Du dazu?

 

Hallo Shikari,

Ich hoffe ich finde die richtigen Worte und bin nicht zu grob. Aber was ist eigentlich aus uns geworden? Früher noch waren wir noch ein Team, zwei Draufgänger, zwei Chaoten. Wir waren das Festival und das Bier, wir waren der Schweiß und der Pathos, wir waren die Nacht und das Morgengrauen. Wir haben zusammen getanzt, gesoffen, gefickt, geweint, geliebt und gekotzt. Wir waren unzertrennlich. Und jetzt? Du bist eine arrogante Tussi, die um jeden Preis die Welt bereisen, ihren Horizont erweitern möchte. Und ich? Ich bin einfach nicht mehr der, den Du vor all den Jahren kennengelernt hast.

Damals war ich ein kleiner Idiot, meistens ziemlich voll und immer auf der Suche nach der nächsten Party, nach dem nächsten billigen Kick – und den am besten hart und dreckig. Und Shikari, verdammt nochmal, Du warst dieser Kick. Für mich warst Du das „Endlich-Gemeinsam-Anders-Sein“, das „Endlich-Nicht-Mehr-Alleine-Sein“, mein Upper und mein Downer. Du warst der Grund, warum ich endlich wieder Spaß hatte am Entdecken und am zwischen den Zeilen lesen. Meine Traumfrau.

Die meisten fanden Dich schräg, aber genau das fand ich sexy! Emo hat mich nie angemacht und Hardcore ist einfach eine hässliche Sache. Du warst zwar auch das, aber auch so viel mehr: der Pop im Punk und der Dance im Metal. Du warst anders. Du warst meine große Teenager-Liebe.

Ja, wir hatten tolle Zeiten. Weißt Du noch, im Jahr 2009? Als man uns beiden schon nachsagte, die Luft zwischen uns wäre schon längst raus? Ja, auch ich dachte das damals. Bis Du dennoch Stärke für uns beide bewiesen und es allen gezeigt hast. Das war ein Moment an den ich mich immer erinnern werde. Daran, wie wahnsinnig roh und lebendig Du warst. Wie Du gegen jeden Strom geschwommen bist und wie es Dir einfach scheißegal war, was all die anderen Idioten zu sagen hatten – Dinge wie „nicht authentisch“, „Pseudo-Pathetik“, oder „falsch geschliffener Diamant“. Und weißt Du noch, dass dies genau die Eigenschaften waren, die mich daran erinnerten, warum ich mich damals in Dich verliebt hatte? Trotz aller Zweifel. Heute glaube ich, das die anderen vielleicht doch recht hatten.

Heute bist Du nämlich nicht mehr die faszinierend undurchsichtige Schönheit, mit der ich stundenlang tanzen, weinen, lachen und verzweifeln könnte. Heute bist Du billig und berechenbar. Du bist langweilig. Du bist der Durchschnitt. Alles was Du singst, alles was Du spielst und alles was Du sagst: ich kaufe es Dir nicht ab, ich fühle es nicht. Du bist ein Schatten Deiner selbst. Wie die Seite B zur Seite A.

Klar, nach 2012 wird es Dir langweilig geworden sein, mit mir und meinen Freunden auf durchschnittlichen Festivals abzuhängen und in mittelgroßen Clubs zu feiern – auch wenn das jedes Mal Erlebnisse waren, die mich auch heute nicht loslassen. Aber meinst Du im Ernst, dass es Dich glücklicher machen wird, wenn Du jetzt die große Welt bereist? Wenn Du deine selbstdefinierte unstraighte Straightness hinter Dir lässt und wild, frei und schön sein willst. Meinst Du nicht, dass ich und die anderen Dir fehlen werden? Du fehlst uns zumindest. Und Du fehlst mir. Bitte komm‘ zurück und werde wieder so, wie Du mal warst: zornig, aber schön. Unberechenbar, aber tiefgründig. Individuell, aber zugänglich.

Aber weißt Du was? Ich kann verstehen, dass Du das nicht möchtest. Du willst Dich eben auch weiterentwickeln und neue Wege gehen. Aber, Shikari, Du musst diesen Weg jetzt ohne mich gehen. Aber so ist es das Beste. Für mich. Und vor allen Dingen für Dich. Ich liebe Dich. Und werde es immer tun. Mach’s gut.

 

Na, was sagst Du? Ich habe nur versucht, ganz ehrlich zu sein. Aber irgendwie bin ich mir jetzt auch nicht mehr sicher, ob ich nicht vielleicht einen Fehler gemacht habe. Oh man. Ich bin verwirrt. Hilf mir. Alles fühlt sich an wie ein Mindsweep .

LG,

Fritzi