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Jetzt mal unter uns, Ihr alten Männer von Faith No More: Heißt altern in Musikersprache übersetzt automatisch so klingen zu wollen wie Tom Waits? Ihr habt mich schon verstanden. Sein Schatten liegt auf mehr als einer Nummer auf „Sol Invictus“. Habt Ihr das nötig? Nein. Passt es zu euch? Bedingt. Hat euer Comeback so wenig zu bieten, dass Ihr Euch hier und da bedienen müsst? Nein, verdammt, eben nicht.

 

Ich verstehe das ja. 18 Jahre Abstinenz sind eine lange Zeit. Da kann man selbst als gestandene, millionenschwere, einflussreiche Rock-Band mal Muffensausen bekommen. Gibt ja nichts Schlimmeres als die Aussicht auf einen Rohrkrepierer, der den ziemlich makellosen Ruf einer beispiellosen Karriere in eine dunkle Gasse schleppt und mit Eisenstangen zu Brei schlägt.

 

Game of Thrones
Hast Du etwa auf dem Thron…Onaniert?

Wichsen auf den Thron? Why not…

Na gut, dann gebe ich eben Entwarnung: „Sol Invictus“ ist alles andere als ein Rohrkrepierer. Da spielt der Band natürlich in die gezinkten Karten, dass sie auf keinem Album so klang wie auf dem Vorgänger. Clevere Bastarde sind das, immerhin umschiffen sie so die verräterischen Klippen der Fan-Erwartungen und können einfach das spielen, worauf sie Bock haben.

Nehmt das, Ihr verdammten Drecksfans, die Ihr denkt, Eurer Lieblingsband Vorschriften machen zu dürfen. Für Euch ist ein ganz besonderer Höllenkreis reserviert, in dem Ihr bis in alle Ewigkeit von Die-Hard-Trekkies, Marvel-Bekloppten und Game-of-Thrones-Wichsern vollgesülzt werdet, wie viele Fehler sich in all diesen Serien eigentlich befinden.

 

Kokain
Ooh…Ähmmm…Joa…Kann ich nicht vielleicht noch ein itzibitzikleines büsschen mehr haben, hm?

Ey Kanye, hast Du noch was Discomehl?

Faith No More spielen zum Tanz, wie sie es immer getan haben. Dabei kommt im besten Fall dann eine unfassbare Nummer wie „Cone Of Shame“ heraus, die vier Minuten und 40 Sekunden herrscht. Supremely, Baby. So wollen wir Faith No More – schroff, bissig, ein wenig abgefuckt und alles andere als ausgeglichen.

Von Altersmilde fehlt überhaupt jede Spur auf „Sol Invictus“. Das Album ist so wechselhaft wie Miley Cyrus bei der Wahl ihrer Sexpartner, so selbstsicher wie Kanye West nach einer breiten Line Koks und so unvorhersehbar wie eine Pegida-Demo durch Harlem. Nicht jeder Song ist ein Treffer, nein, Stücke wie „Rise Of The Fall“ benötigen zudem viel Zeit, um Klick zu machen.

 

Haltet doch mal die Fresse und hört einfach zu!

 

Viel wichtiger ist doch aber, dass Faith No More auch nach fast 20 Jahren ohne Album ihre Stimme nicht verloren haben. Dass sie immer noch was beizutragen haben und ihnen nicht die Ideen ausgegangen sind. Ob Mike Patton wirklich so oft den Crooner geben muss, weil er stramm auf die 50 zugeht, weiß ich nicht. Am liebsten habe ich ihn auch auf „Sol Invictus“, wenn er singt, rappt oder spricht. Am besten gleich alles zusammen – wie in der Single „Motherfucker“, die ein cleverer Schulterschluss zum alten Œuvre der Amis ist.

Natürlich wird es wieder die „Fans“ geben, die an allem rummäkeln werden. Wir wissen ja aber, wie das ist: Weil die in den letzten 18 Jahren nicht mehr gerissen haben als zwei uneheliche und abartig hässliche Kinder sowie die Beförderung vom Kassierer zum Lageristen in der Penny-Filiale an der Ecke, müssen sie ihr Elend jetzt irgendwie kompensieren. Prallt an „Sol Invictus“ natürlich ab wie von Gina-Lisas Hup… äh, Lippen. Ein reifes, ein ernstes und ein tiefes Rock-Album ist den Herren Faith No More da geglückt. Und das war nun wirklich nicht selbstverständlich.