Das Baby ist nicht politisch. Aber das Baby mag politische Menschen. Und führt gerne Gespräche mit ihnen. Und da es in Deutschland wohl keine politischere Band als FEINE SAHNE FISCHFILET und keinen politischeren Frontmann als Monchi gibt, kannst Du Dir ja denken, dass das folgende Interview für das Baby ein ganz besonderes ist… 

Hallo Monchi… Was mir zunächst aufgefallen ist: „Sturm und Dreck“ liest sich gar nicht so explizit politisch wie erwartet… Werdet ihr „altersmilde“?

Ich denke nicht, dass wir altersmilde werden. Dafür sind wir ja auch noch zu jung, jetzt ja auch noch nicht ewig am Start als Band und sowie so doch viel zu explosiv und wütend in unserer Attitüde, soweit ich das einschätzen kann. Zudem ist die Platte für mich schon sehr politisch, unmittelbar und direkt, gerade auch in den Lyrics von „Suruc“, „Dreck der Zeit“ oder auch „Angst frisst Seele auf“, um nur ein paar zu nennen. Aber auch in der Grundaussage des Albumtitel im Zusammenwirken mit den Texten und den grundlegenden Gefühlen die das Album vermittelt, „liest“ es sich politisch und trifft doch in vielen Facetten „den Zahn der Zeit“. Unsere Texte stammen immer direkt aus unseren Erlebnissen und persönlichen und politischen Erfahrungen der letzten Jahre. Diese wirken auch sehr oft zusammen und das Persönliche und Politische soll im Besten Fall eine Einheit bilden, steht aber auch oft einfach für sich. Unsere Texte sind ein wenig wie Tagebuchauszüge. Da wird es sehr persönlich und halt auch oft politisch. Durch dieses Zusammenwirken haben wir das Gefühl, den höchstmöglichen Grad an Authentizität und Unmittelbarkeit zu erzeugen und können scheinbar auch Menschen damit berühren.,0

 

 

Welches Erlebnis, war damals das ausschlaggebende, zu sagen: „Wir müssen uns mit unserer Musik politisch positionieren!“?

Feine Sahne Fischfilet wurde zwar zuerst als einfache Schülerband gegründet, die jetzt nicht unbedingt groß politisch war, aber dennoch immer was gegen Nazis hatte. Ein typische Band von alternativen Jugendlichen auf dem Dorf. Junge Leute die Lust haben zusammen Musik zu machen, Spaß zu haben und sich in der Tristesse des Landlebens die Zeit zu vertreiben. Relativ schnell bekommt man dann auch Stress mit Nazis. Dafür musst du nicht unbedingt viel linkspolitisch aktiv sein. Da reicht schon ein „anderes“ Aussehen und alternative Kleidung. Bei den ersten Konzerten auf den Dörfern  tauchten dann auch immer mal wieder Nazis auf, weil die Band ja eher viel über Fußball, Freunde und Alltägliches gesungen hat. Dann gabs immer Stress, weil die Band keinen Bock auf Nazis hatte und so war FSF dann relativ schnell ’ne linke Band auf den Dörfern. Ab den Jahren 2007 und 2008 haben sich dann die Bandmitglieder politisiert und radikalisiert. Es war zwar eine überschaubare Punkrockszene in und um Greifswald, in der wir uns als Band sozialisiert haben, aber wir waren gut unterwegs, hatten ’ne Menge Spaß und haben uns auf eine sehr wichtige Art und Weise persönlich emanzipiert. Man fing an sich damit zu beschäftigen: „Wie wollen wir leben?“. Eine befreite Gesellschaft ohne Unterdrückung und Rassismus jetzt mal so einfach runter gebrochen. Und danach wollten wir auch handeln und diese ganz persönlichen politischen Erfahrungen wollten wir auch in unseren Texten schon damals ausdrücken. Und das alles in der vorpommerschen Provinz. Das war eine spannende Zeit und wir waren auch alle sehr jung. Und natürlich haben wir angefangen uns in genau diesen Jahren ganz klar politisch zu positionieren und uns als eine Antifa – Punkband zu sehen. Das war und ist ein Lebensgefühl was uns auch immer begleiten wird. Wir wollen seit jeher mit unserer Musik auch politisch wirksam sein, aber halt nicht nur, wie in der Frage zuvor schon erwähnt. Wir waren auch noch nie eine reine Bewegungsband. Wir sind in der linken Szene sozialisiert worden und sind darin auch noch verankert, aber es soll sich in unseren Texten um vieles aus unserem Leben drehen, nicht nur explizit um Politisches.

 

 

Wir leben dort, also fühlen wir uns dort auch zuhause. (Monchi, 2018)

 

 

 

In eurer Single „Zuhause“ singt ihr „Zuhause heißt, wenn dein Herz nicht mehr so schreit.“ Eure Herzen klingen ganz schön laut in eurer Musik. Warum fühlt ihr euch in Mecklenburg-Vorpommern immer noch daheim?

Zuhause“ ist, um das mal klar zu stellen, alles andere als ein Song in dem es um Mecklenburg-Vorpommern geht. Der Song versucht anhand einer Fluchtgeschichte und dem einfachen alltäglichen Begriff „Zuhause“ große Fragen der Gesellschaft zu stellen und auch Kapitalismus-Kritik zu äußern. Das natürlich alles auf der Gefühls-Ebene, aber das ist hier auch das Ziel und so funktioniert Musik und Prosa halt auch. Es muss sich weiterhin lohnen für eine Welt einzustehen, in der alle ein Zuhause haben können in dem sie Liebe, Freundschaft, Schutz und Frieden erfahren. Der Text soll also aufrütteln und dennoch verbinden. Und ja, das ist schön zu hören, dass unsere Herzen scheinbar ganz schön laut klingen in unserer Musik. Da steckt ja auch unglaublich viel Hingabe und Passion drin und so soll es auch sein. In M/V fühlen wir uns immer noch zuhause, weil wir dort Familie und Freunde haben, sozial verankert sind und teilweise auch noch dort leben. Zudem haben wir in Vorpommern unseren Proberaum und sind dementsprechend viel dort als Band. Wir leben dort, also fühlen wir uns dort auch zuhause.

 

 

Warum ist eure Zuneigung zu Mecklenburg-Vorpommern eigentlich keine „platte“ Heimat-Liebe?

Wir sind dort aufgewachsen, haben dort FreundInnen und Familie und proben und leben zum Teil auch dort. Mit Mecklenburg verbinden wir also viele schöne Sachen und Erfahrungen. Diese prägen uns auch. Aber auch ganz viel Widerstand und negative Seiten, wie Stress mit Nazis oder eine konservative und rechte Grundstimmung in der Bevölkerung prägen uns hier. Dagegen gehen wir seit jeher an und wollen all die coolen Leute unterstützen die sich dem Rechtsruck weiterhin entgegenstellen und ein andere Gesellschaft leben wollen, auch in Mecklenburg. Das ist hier also ein zweischneidiges Schwert. Nicht einfach. Wir gehen mit Aktionen wie der „Noch nicht komplett im Arsch – Zusammenhalten gegen den Rechtsruck“ Kampagne immer wieder in die ländlichen Regionen und in Gebiete, wo sonst kaum was passiert in Bezug auf soziales und kulturelles und die demokratischen Parteien sich schon längst verabschiedet haben. Diese Verbundenheit mit der Region ist immens wichtig für unsere kulturelle und soziale Basisarbeit und für uns macht es Sinn, dass wir solche Aktionen und Dinge immer wieder dort machen und mit den Menschen von vor Ort zusammen, die ja sowieso auch schon tolle Dinge voranbringen. Wir wollen dadurch verbinden und Kraft schenken. Natürlich gibt es in vielen ländlichen Regionen diese Probleme und wir begrüßen es sehr wenn es überall diese Aktionen gegen den Rechtsruck und für die kulturelle Basisarbeit gibt. Wir können das aber nicht überall voranbringen. So viel Power haben wir dann leider nicht. Wir konzentrieren uns deshalb auf Mecklenburg. Wir freuen uns aber, wenn wir von solchen unabhängigen Aktionen von woanders hören und sie ansatzweise unterstützen können. Wir agieren da ganz getreu nach dem alten linken Motto: „Act local – think global“. Im Kleinen und an der Basis arbeiten und Dinge voranbringen und das aber in einen globalen Kontext immer denken. Aus all diesen Gründen heraus und wie unser Engagement und somit auch unsere Verbundenheit mit den Menschen in Mecklenburg funktioniert, kann ich sagen, dass das keine platte Heimatliebe ist. Wir sind stolz auf das was wir mit anderen Menschen voranbringen und was wir schaffen diesbezüglich, aber wir sind niemals Stolz auf irgendwelche Konstrukte und Traditionen auf die sich irgendwelche Patrioten und Nationalisten berufen. Geschichte ist zwar interessant, aber wir wollen sie immer kritisch betrachten und der Verblendung des Patriotismus immer entgegentreten. Wir denken lokale Identität anders. Wir wollen sie neu denken.

 

Für mich sind eher die Neonazibands in Vorpommern gefährlich. (Monchi, 2018)

 

Und: Seid ihr „Vorpommerns gefährlichste Band“?

Hahaha, das ist so eine geile Betitelung. Da haben wir auch glatt ein T-Shirt draus gemacht. Eine lokale Zeitung hatte das mal groß so formuliert, als Aussage. Sind wir natürlich gerne. Gerade für das Image als „wilde, ungestüme“ Band ist das natürlich wunderbar, aber mal ganz ehrlich: So ist das eher nicht. Gefährlich sind wir bestimmt immer noch für einen großen Teil der Bevölkerung in Meckpomm, weil dieser große Teil sehr konservativ – und oft sehr rechts – ist. In deren Augen sind wir natürlich eine Bedrohung und linker Abschaum, weil wir halt eine pluralistische und solidarische Gesellschaft wollen. Die wollen das nicht. Gerade in den Zeiten des spürbaren Rechtsrucks bemerkt man den Gegenwind. Aber viele Leute feiern uns auch in M/V. Es gibt auch viele tolle Leute. Für mich sind eher die Neonazibands in Vorpommern gefährlich. Von denen gibt es ausreichend und die sind menschenverachtend und singen widerlichsten Scheiß. Das ist gefährlich.

 

 

Was denkst Du: Wie kann eine „linke Einstellung“ zu einer besseren Gesellschaft beitragen?

Eine linke emanzipierte Einstellung zu haben, bedeutet eigentlich nichts weiter, als dass wir in einer Gesellschaft leben wollen ohne Unterdrückung und Rassismus und dafür in einer freiheitlichen und solidarischen Gesellschaft in der der Mensch und seine Bedürfnisse an erster Stelle stehen. Und nicht wie es jetzt ist, dass Geld, Arbeitskraft und die Verwertungslogik am wichtigsten sind. Das muss man aber auch alles nicht „links“ nennen. Die Begrifflichkeit und Labels sind auch wurscht dahinter. Wichtig ist, dass das einfach praktiziert wird und seinen Fortschritt erzielt. Jeder Mensch kann das umsetzen und danach leben. Das andere ist bloß für die Identität, was natürlich aber auch wichtig ist. Das sollte man nicht unterschätzen. Das Problem ist, dass die linke Bewegung seit vielen Jahren keine Massenbewegung mehr ist und linke Inhalte schwer zu vermitteln scheinen. Rechter Populismus scheint einfacher und effektiver für die Masse. Das müssen wir verhindern und klar machen, dass Nationalismus keine Alternative ist und zu nichts führt, außer zu mehr Ausbeutung und Unterdrückung. Es macht alles nur noch schlimmer. Linke Inhalte waren in der Geschichte schon oft sehr verbreitet in den Massen und haben libertäre Revolutionen herbeigeführt, wie z.B. 1936 in Katalonien oder 1917 in Teilen der Ukraine. Alles schon real gewesen und praktiziert worden. Dahin müssen wir wieder zurück. An die Basis. Wenn wir es schaffen die Emanzipation und libertäre Ideen auch im Kleinen zu verbreiten, denn darum geht es vor allem, dann kommen wir unserem Ziel einer anderen Gesellschaft näher. Viele kleine Schritte führen irgendwann zum Ziel. Das muss man sich immer wieder sagen und kleine Dinge im Miteinander bewirken manchmal mehr als nur die großen Projekte. Deswegen ist auch sowas wie die „Noch nicht komplett im Arsch“ – Kampagne wichtige klassenkämpferische Arbeit. Das muss man mal ganz klar hier so sagen. Jeder kann etwas bewegen, man muss bloß einfach anfangen was zu machen und eine linke Einstellung kann jeder haben. Dafür braucht man halt keine Ausbildung oder so einen Scheiß. Dafür braucht man bloß Menschlichkeit, ein großes Herz, Willen und Träume.

 

Naziaufmärsche müssen immer versucht werden zu verhindern. (Monchi, 2018)

 

 

In einem Interview mit dem BR sagte Monchi 2015, dass er von „Bratwurstessen gegen Rechts“ nichts hält. Warum nicht? Sind solche Initiativen nicht ein erster Schritt in eine richtige Richtung?

An sich können auch solche kleinen Dinge den Anfang machen, aber nicht in dem konkreten Fall, wenn eigentlich ein Naziaufmarsch durch die Stadt läuft und dann sich die demokratischen Parteien und LokalpolitikerInnen am anderen Ende der Stadt versammeln und sich da die Bratwurst reinpfeifen und sich gegenseitig auf die Schultern klopfen, wie sehr sie jetzt doch gegen Nazis sind. Das sind nur Lippenbekenntnisse und das verändert gar nichts. Aber das wollen die ja auch. Wir hingegen finden es wichtig und sehen es als unsere moralische und menschliche Pflicht an, sich Nazis immer und überall entgegenzustellen. Naziaufmärsche müssen immer versucht werden zu verhindern. Und jeder kann sich dahingehend einbringen auf seine Art und Weise. Es gibt viele Aktionsformen und Wege das zu unterstützen. Jeder macht es da, wo er seine Stärken sieht. Ganz unabhängig und undogmatisch. Es ist unsere Pflicht gegenüber allen Opfern von Neonazigewalt, Rassismus und letztendlich immer der Shoa, den Nazis und rechten Bewegungen immer entgegenzutreten. Da gibt es keine Diskussion. Antifaschismus bedeutet aktiver Widerstand gegen Nazis. Auch nonverbal. Das sind unsere Lehren aus der Geschichte. Und in M/V aus den Erfahrungen von den rassistischen Pogromen von Rostock-Lichtenhagen.

 

 

Warum ist linke Gewalt besser als rechte?

Rechte Gewalt tötet. Staatlicher Rassismus mordet auch, schon immer, aber durch Oury Jalloh sollten es jetzt auch alle mal mitbekommen haben. Nazis töten und zünden Menschen an aus rassistischen und menschenverachtenden Motiven. Das werden sie immer tun und das taten sie schon immer, außer man hält sie auf und stellt sich ihnen durch kontunierliche Arbeit entgegen. Das ist ihr Weltbild. Nazismus, Rassismus und Antisemitismus haben den Holocaust hervorgebracht. Aus dieser Lehre der Geschichte müssen wir handeln und auch nonverbal, da Nazis nicht gestoppt werden, wenn man ihnen Rosen auf den Weg streut. Auch das lernen wir aus der Geschichte. Als Antifaschist ist es meine moralische und notwendige Pflicht danach zu handeln. Mit vollster Überzeugung. Es geht nicht anders. Der Selbstschutz ist notwendig. Alles andere ist lebensgefährlich und naiv. So verhindert man rassistische Morde und Übergriffe. Linke Militanz und antifaschistische Militanz morden nicht. Sie agiert im Selbstschutz und versucht Neonazigewalt unmöglich zu machen. Darin liegt der ganz klare Unterschied. Im Humanismus und im Weltbild. Die staatlich ausgeübte Gewalt und die alltägliche Gewalt der herrschenden Verhältnisse ist sehr nah dran an der rechten Gewalt. Die linke Militanz steht beiden Gewalten sehr klar entgegen. Das liegt auf der Hand und Nazis und Bullen wissen das auch. Der Song „Dreck der Zeit“ passt eigentlich haargenau auf diese Thematik. Er beschreibt die Realtität ganz gut in der wir leben. Wir leben in einer Gesellschaft die völlig gewalttätig agiert und auf Macht und Herrschaft gestützt ist. Jede Woche ertrinken Menschen im Mittelmeer, Oury Jalloh wird angezündet von Polizisten in einer Bullenwache und dazu kommt die subtile Gewalt durch Ausbeutung, Hartz 4 und Repression. Dazu kommt die Polizeigewalt auf Demonstrationen und das Knastsystem. Kapitalismus tötet. All das ist Gewalt. Dazu kommt der Naziterror und der gefährliche Rechtsruck in der Gesellschaft. Linke Militanz ist hingegen meist „Gewalt“ gegen Sachen, gegen Staatsobjekte, Polizei und Militär. Also die Institutionen der Herrschenden und deren Unterdrückungsmechanismen. Oft wird das sehr gezielt und vermittelbar eingesetzt. Militanz muss immer vermittelbar für die Bevölkerung sein, sonst ist es dumm und wirkt dem entgegen. Man kann darüber bestimmt streiten ob es was bringt und Militanz muss auch immer debattiert werden, aber solange die Mehrheit schweigt, wenn Menschen vor der Festung Europa verrecken, solange werde ich das Scheibensplittern und den Sachschaden an herrschenden Institutionen als legitim bezeichnen und nachvollziehbar finden. Wir wollen eine gewaltfreie Gesellschaft ohne Herrschaft und Untersrückung, aber wir befinden uns in einer von Gewalt durchzogenen Welt in der Militanz aus der linken Bewegung wichtig ist, damit hier nicht alles den Bach runter geht und Menschen geschützt werden, sowie Autorität und Ungerechtigkeit bekämpft wird. Also um deiner Frage, die sich ja auch auf die rechte Extremismustheorie stützt, welche übrigens sau gefährlich ist, zu entgegnen: Man kann das überhaupt nicht vergleichen, weil der Gewaltbegriff in unserer Gesellschaft nicht funktioniert und dieses runterbrechen sehr gefährlich ist. An sich ist aber selbstverständlich linke Militanz besser als rechte Gewalt, durch die oben genannten Gründe.

 

 

Über Angst reden und das Schweigen brechen. (Monchi, 2018)

 

 

Was kann jeder einzelne tun, um dem deutlich spürbaren Rechtsdrall – insbesondere unter den Jüngeren – Einhalt zu gebieten?

Im Alltag immer aufmerksam sein und soziale Courage zeigen. Bei rassistischen Pöbeleien und Übergriffen einschreiten und immer mit den Leuten diskutieren, wenn rassistische Äußerungen von sich gegeben werden. Sich mit Geflüchteten und Unterdrückten solidarisieren. Das kann manchmal auch das zusammen abhängen im Bus oder in der Bahn sein. Der Vereinzelung und der Isolation entgegentreten. Das klappt alles auch nicht immer und man hat auch nicht immer Bock drauf, aber immer mal wieder über seinen eigenen Schatten springen bereichert auch einen selbst total und fühlt sich gut an. Über Angst reden und das Schweigen brechen. Die Logik vermitteln, dass die Herrschenden Schuld sind an missligen Lagen und Jobproblemen und nicht geflüchtete Menschen. Das Nationalismus nichts bringt, sondern die Herrschenden nur hofiert und sich nichts ändert dadurch. Nur Solidarität und Klassenkampf verbessern die Lage von uns allen. Nach oben spucken, anstatt nach unten treten. Normalerweise ist es halt anders rum, und das halt durchbrechen und die Logik umdrehen. Das sind Dinge die wir jeden Tag bewusst tun können. Das alles kann jeder schaffen. Das ist nicht schwer. Und um etwas größer zu denken: Natürlich auch Aktionen reißen die verbinden, Vorurteile abbauen und Kultur schaffen. Halt auf sozialer und kultureller Ebene Dinge erschaffen. Das können auch alle machen. Einfach machen. Wir haben das auch mit der „Noch nicht komplett im Arsch“ Kampagne und „MV für Kobane“ so gemacht. Ein bisschen kreativ sein, Ideen haben und dann einfach loslegen und spontan bleiben.

 

 

Eurer Meinung nach: was kann politische Musik erreichen?

Sehr viel kann sie erreichen. Wenn sie denn auch authentisch ist und nah am Menschen. Dann funktioniert das und kann Berge versetzen, weil es Menschen ernsthaft erreicht und im Herzen berührt. Du kannst Menschen erreichen, die du vielleicht nie anders erreicht hättest. Musik ist für jeden erreichbar und völlig frei. Über das Gefühl und über das Herz. Das ist ganz wichtig und kann Inhalte super transportieren. Politische Musik kann auch ganz vielen Menschen auf sehr besondere Art und Weise Kraft schenken. Zudem, ganz wichtig, auch subtil und auf eigenen künstlerischen Wegen Probleme und Debatten anstoßen und somit auch Inhalte vermitteln. Ich denke das wir das auch in den letzten Jahren immer gut geschafft haben, durch unsere politischen Botschaften aufzurütteln, Debatten anzustoßen, zu provozieren, aber auch um zu verbinden. Du entwickelst da ein Sprachrohr was ganz schön viel Kraft hat. Gerade wenn du an Orte gehst, wie die großen kommerziellen Festivals, wo du ganz viele ver. Leute erreichst und natürlich auch viele die nicht deine Meinung haben. Das macht es auch. Da wird’s interessant und da kannst du mit politischen Botschaften wirklich wirksam werden. Aber wie schon vorher öfters erwähnt: Wir sind keine reine Polit-Band und lassen politische Themen immer so einfließen in unsere Texte, so dass sie nicht zu plakativ rüberkommen. Sie sollen Distanz abbauen und unmittelbar sein durch die persönliche Verflechtung.

 

 

Der türkische Staat ist eine Diktatur und alles andere als demokratisch. (Monchi, 2018)

 

 

 

Was wünscht ihr euch für das politische Jahr 2018?

Da gibt es so viel. Ich nenne einfach mal nur eine Sache mit internationalen Bezug, die mir gerade auf dem Herzen liegt: Das die Türkei sich mit ihren Truppen wieder aus der kurdischen Region Rojava und Afrin zurück zieht. Gerade wird die demokratische und emanzipative Region dort unten angegriffen durch die türkische Armee, die übrigens auch mit deutschen Panzern da unten agiert. Deutsch Waffen morden dort also, wie so oft, mit. Der türkische Staat ist eine Diktatur und alles andere als demokratisch. Die Kurden versuchen in Rojava (Kurdistan/Nordsyrien) eine befreite und demokratische Gesellschaft aufzubauen und haben in den letzten Jahren den IS von dort vertieben und somit die Region befreit von der Tyrannei. Jetzt kommt die Türkei und greift das Gebiet an, weil sie in den demokratischen Kräften Terroristen sehen. Das ist eine Farce! Das morden dort unten muss aufhören und die Region Rojava muss unabhängig und souverän werden. Es muss dort Frieden herrschen und Rojava muss unterstützt werden. Wahrscheinlich wird das nicht klappen und es werden noch viele Menschen sterben müssen und es wird noch einen langen Krieg geben, aber die Hoffnung stirbt zuletzt, dass die Türkei sich doch wieder zurückzieht. Die Aussichten sind trüb.

 

Danke. Das Baby hat nun sehr viel zu verdauen.