Femme-Schmidt-Raw-Review

Vor noch wenigen Jahren machte Femme Schmidt, die weder aus den Zwanziger, noch aus dem verruchten Paris stammt, trotzdem mit einer rauchigen Pop-Variante von sich reden. Guy Chambers, selbst einst für britische Pop-Bombasten wie Robbie Williams aktiv, nahm sich der Koblenzerin an und verpasste ihr den Stempel „Pop Noir“. In dieser Folge war das Debüt voll von gelungenem, düster angehauchten Chanson-Pop. Unaufdringlich, aber gut hörbar.

So weit zur Geschichte, die heute in Raw, ihrem zweiten Album mündet und Femme Schmidt auf dem Cover bereits zu optischer Reife verhilft – zumindest was die fallenden Hüllen betrifft. Aus dem kleinkalibrigen „Pop Noir“, der sich klanglich lieber in rauchigen Bars und hinter dicken Samstvorhängen herumtreibt, werden üppige Arrangements, die die große Bühne zwar nicht scheuen, die ihre Seele jedoch im Backstage zurückgelassen haben.

 

Kalkulation… Auf 1, 2, 3 und 4

Femme Schmidt wirkt schon in den ersten Songs wie eine Lana Del Ray auf wackligen Stelzen. Den Beginn markieren dramatisch eine Handvoll Streicher und elektronisch gesampelter Drums. „To The Edge“ schleicht sich erst mal nur an und bleibt zusammen mit „The Music“ in dösiger Deckung.

„Golden“ schwimmt im Anschluss auf einer aktuellen Radio-Welle, die typischerweise ungern lange zwischen beiden Gehöreingängen verweilen möchte. „Temple Of Tears“ ist die Ruhe vor dem unruhigen Sturm, den „Kill Me“ auslöst. Die Gitarrenriffs sind zwar nicht von schlechten Eltern, doch der schnelle Tasteneinsatz, der dem Song eine Prise Jazz einhaucht, wirkt schon wieder zu exakt, zu kalkuliert.

Facepalm
Och Schmidti…

Wie Adele… Nur nicht ganz so fett

Erst der Titeltrack „Raw“ orientiert sich tatsächlich an der erneut propagierten „Pop Noir“-Attitüde des Zweitlings. „Hurts So Good“ tut es ihm gleich und hängt sich mit klangvoller Laszivität an das verruchte, tarantinobeseelte Gesicht der Femme Schmidt. Mit dem Cover von 3-11 Porters „Surround Me With Your Love“ nähern wir uns mit großen Schritten dem Ende der etwas zu opulent darbietenden Pop-Schönheit aus Koblenz, die an dieser Stelle vielleicht auch bewusst ein sanftes „Hello“ in Richtung Adele haucht.

„Loving Forces“ macht mutige Schritte hin zum Bond-Soundtrack, doch nicht nur die finalen Songs, sondern auch die beiden Bonus-Tracks „Is Your Love Strong Enough“ und „Wild Heart“ führen uns nur wieder zurück zum wenig spektakulären Anfang.

Geld
Dat hier wirst Du nie sehen…

Am liebsten tanz ich auf der Stelle

In ihrer zweiten Platte erkundet Femme Schmidt neue Wege des Pop, der nahezu jede Verbindung zur ursprünglich eigenen Noir-Variante kappt. Es bleibt bei ihrer angenehmen Stimme, die aber viel zu oft über einfache, aber überschwänglich arrangierte Hymnen stolpert.

Gewollt wurde bei diesem Album viel, versprochen wurden große Gesten, gehalten jedoch nur wenig. „Raw“ gestaltet sich an manchen Stellen zu aufgesetzt dramatisch und ist an jeder zweiten Ecke gefüllt mit abgegriffenen Gesten. Nicht zuletzt genau diese unglückliche Mischung wird wohl keinen großen Sprung für Femme Schmidt bedeuten.