Ferris-MC-Glück-Ohne-Scherben-Review

Wäre Ferris MC jemals einer anderen „Berufung“ als der des rappenden Prolls gefolgt, er wäre jeden Morgen um 04.00 aus dem Bett gekrochen, hätte sich die ölige Latzhose und die Gummistiefel übergezogen und wäre schwermütig zum Fischmarkt getippelt, um dort wohlsituierten Großstadttouristen nur einmal das Gefühl zu vermitteln, wie es ist, wirklich hart zu arbeiten. Seine oberflächlichen, aber authentischen Phrasen beim Überreichen einer völlig fettdurchtränkten Portion „Stint“ wären heute hanseatischer Kult, würden ein eigenes Kapitel in „Hamburg für Dummies“ füllen. Doch Ferris hat sich für den steinigeren musikalischen Weg entschieden und gerät auch nach einer längeren Gehpause auf Solopfaden derbe ins Schwanken.

 
Der Fisch stinkt immer vom Kopf her. Und das stimmt. Man kann nämlich nicht sagen, dass Ferris MC sich nicht weiterentwickelt hätte, dass der Sound von Glück ohne Scherben pseudo-retro oder affig-modern klingt – ganz im Gegenteil. Facettenreich klingt diese Produktion, zeitgemäß der Sound. Es sind die Texte, die dem Hörer durch die Hände gleiten, wie ein ein schmieriger Aal.

Omi Beef
Hihihi…Der Farid hat auf Juhtub geschrieben, dass der Fler ein Hurensohn ist. Aber wer ist dieser Ferris?

 

Opi, hast Du wieder meine Grillz genommen?

Glück ohne Scherben klingt lyrisch wie lecker Matjes, den der Kabeljau-Kalle gegen Mittag schön weit vorne in die Ablage packt, weil die alten Dinger „früher wech müssen“ – und die blöden Touristen einen Schrimp eh nicht von einem Pottwal unterscheiden können. Sprich: die Masse wird schon glauben, wenn das postpubertäre Rüpelchen Ferris MC eine neue Platte macht, dass das dann auch etwas mit Rap zu tun haben wird. Ich sage, das hier ist viel mehr Schlager mit Swag, Volksmusik mit Bling-Bling in der Fresse. Musik, die sich auch sehr gut auf einem Sampler des Kinderkanals machen würde – zumindest textlich.

 
Mit Songs wie Mein Raumschiff, dass intergalaktische Allherrscherfantasien eines entwicklungsgestörten Physikstrebers zelebriert oder das schlicht und ergreifend infantile Monstertruck, wo lyrisch allesmögliche gemonstertruckt wird, aber das Einzige was unter die Räder kommt, ist der Anspruch, macht sich Ferris nicht unsterblich, sondern lächerlich.

Funkschlüssel
Funkschlüssel, Navigation, Rap…Alles neumodischer Dreck. Früher haben wir das so gemacht!

 

Früher war alles besser. Auch das Sterben.

Und dann gibt es da noch Songs Meine bessere Hälfte. Wenn da lickige Gitarren, auf schlichte Bum-Tschak-Beats treffen wird man unweigerlich an die Pop-Überdrüssigkeit von Cro oder anderen Schlagerinterpreten erinnert. Wobei „Carlo und Co“ streckenweise noch so etwas wie Wortwitz entfachen können. Bei Ferris fehlt der Schalk im Nacken, die Unbeschwertheit völlig.

 
Rap ist tot. Das hört man an allen Ecken. Und mal ehrlich: wenn er nicht gestorben ist, dann liegt er zumindest sabbernd im Seniorenstift und versucht jeden Intim-Waschgang dafür zu nutzen, der geilen Pflegerin von den guten alten Zeiten zu erzählen. Scheiß egal, ob sie das nun hören will oder nicht. Und wenn der rüstige Rapopi Ferris MC dazu ausholt, es den Jungen nochmal so richtig zu zeigen, dann wirkt das inhaltlich nicht minder peinlich. Aber ein Kapitän geht ja bekanntermaßen mit seinem Schiff unter…Ahoi.