[dropcap size=big]J[/dropcap]e länger man darüber nachdenkt, desto mehr klingt es nach Satire. Nach einem geschmacklosen Scherz. Ist es aber nicht. Leider. „Deutschland sucht den Superstar“ startet wieder. Trotz schwächelnder Quoten, trotz immer wieder aufkeimender moralischer Bedenken, trotz dieses hirntoten Affen namens Menderes. Oder gerade deswegen? RTL wird es wissen. Mittlerweile müsste zwar jeder halbwegs denkfähige Zuschauer festgestellt haben, dass schon der Titel zwei freche Lügen enthält und der Richtigkeit halber eigentlich „Unterschicht sucht künftigen F-Promi“ lauten müsste. Auf ein diesbezügliches Schreiben hat RTL allerdings bis heute nicht reagiert. Wohl auch, weil wir dabei gleich die Möglichkeit ergriffen haben, eine Senderumbenennung von RTL in BIHTV vorzuschlagen – Bauerninzenst-Hartz-TV. Kommt ja vielleicht noch, man soll die Hoffnung ja gerade zu Beginn eines neues Jahres nicht leichtfertig aufgeben.

 

Da hilft nur die Eisenstange!

Nun aber zur Sache, Babys. Da glaubt eine Jury doch tatsächlich einmal mehr, einen Superstar aus der Masse an minderbemittelten, selbstmordgefährdeten, unbegabten oder einfach nur hoffnungslos selbstverliebten Selbstdarstellern herauszufischen, der es länger durchhält als eine Single, einen Drogenskandal und eine „Dschungelcamp“-Teilnahme. Bitteschön, diesen Optimismus in allen Ehren, doch ich muss mich, euch, die Jury und die Welt im Allgemeinen doch mal allen Ernstes fragen, was sich RTL mit dieser neuen Jury gedacht hat. Heißt es denn nicht eigentlich alles Schlechtes, wenn sich Dieter Bohlen, Heino, DJ Antoine und Mandy Capristo in musikalischen Dingen einig sind? Das muss ich mir noch mal qualvoll langsam auf der Zunge zergehen lassen: Wir suchen also einen Superstar, der von der einen Hälfte von Modern Talking, der schwarzbraun blühenden Schlagerleiche, einem Schweizer House-Ekelpaket und einer Trulla, die mit Monrose selbst die armselige Hilfe einer Casting-Show in Anspruch nehmen musste, um ihre talentfreie und textilarme „Karriere“ zu starten, gekürt wird? Wie oft muss man sich denn da mit einer Eisenstange auf den Kopf hauen, bis man das versteht?

 

Ein gut gemeinter Vorschlag

Immerhin: Mandy hat schon mal den gleichen Vornamen wie wahrscheinlich 50 Prozent der teilnehmenden Mädchen, DJ Antoine weiß, wie man selbst aus der grausigsten Quäkstimme etwas kommerziell Ausschlachtbares herausholt. Ja, Autotune ist schon was dolles. Dieter Bohlen hat ja zumindest diese meterdicke Arroganz, die fast schon beneidenswert ist, und Heino … tja, zu Heio habe ich schon alles gesagt. Außer vielleicht, dass er in letzter Zeit ruhig mal etwas öfter mit einer Fähre unterwegs gewesen sein könnte. Um es anders auszudrücken: Die Erträglichkeit der deutschen Medienwelt könnte erheblich gesteigert werden, wenn man diese Jury einfach auf ein führerloses Boot setzen und losfahren lassen würde. Just sayin‘, man muss ja auch an die Kinder denken.

 

Willkommen in der Vorhölle der popmusikalischen Abnormitäten

Die gute Nachricht ist, dass es der Deutschland sucht den Superstar immer schlechter geht. Gut, das sieht man natürlich schon an der absolut unterirdisch besetzten Jury. Bohlen muss wohl auf ewig auf dem Jurorenstuhl sitzenbleiben, wurde wahrscheinlich mit Sekundenkleber darauf festgeklebt. Dieser DJ Sonstwas kostet wahrscheinlich nur die Anreise aus der Schweiz, Mandy zahlt wohl noch ein paar Taler, um überhaupt dabei sein zu dürfen. Und Heino? Macht sowieso alles, was ihn vor der Altersarmut rettet. Zum tausendjährigen Schlagerreich wird es dennoch nicht reichen, du Kasper! Dafür aber zur wahrscheinlich miesesten Quote seit Auftakt dieser Vorhölle der popmusikalischen Abnormitäten. Seit 2003 ertragen wir das jetzt schon, vielleicht ist danach ja endlich Schluss.
Für einen wäre das wirklich schlimm: Dauergast Menderes, der bis heute nicht gerafft zu haben scheint, dass eine ganze Nation über ihn lacht, und auch in Staffel 12 munter aus dem Rennen gekegelt wird. Obwohl: mittlerweile würde er es wahrscheinlich weiter bringen als alle letzten Gewinner dieser Farce zusammen. Wird Heino natürlich nicht zulassen. Und wir sagen jetzt lieber nicht, weshalb.