[dropcap size=big]D[/dropcap]as amerikanische Showgeschäft hat ja schon die seltsamsten Blüten getrieben. Es hat uns Lady Gaga in einem Anzug aus Fleisch beschert. Es hat uns Miley Cyrus auf einem kolossalen Rodeopenis geschenkt. Es hat in uns das Bewusstsein reifen lassen, dass der sorglose Umgang mit Botox und Silikon zu einer ganz eigenen Subgattung von Horrorfilm führen kann. Es brachte uns Drogentote in allen Positionen, Hotelzimmern und Lebenslagen, ließ das Ego von Kanye West auf die Größe eines Planeten anschwellen, ließ mit Kim Kadashians besorgniserregend großem Arsch das Internet explodieren. Das absurdeste Beispiel für die Verblendung der Entertainmentbranche ist jedoch etwas, was bei der Oscar-Verleihung kommenden Sonntag über den Tresen wandern wird.

Bezeichnenderweise ist hier jetzt nicht die Rede vom Preis selbst, obwohl das bei einer überalterten, schnöseligen, rassistischen und sexistischen Jury auch irgendwie legitim wäre. Nein, die Rede ist vom ominösen „Goodie Bag“, den jeder Oscar-Nominierte geschenkt bekommt. Und mit einem Wert von locker 125.000 US-Dollar ist der ja eigentölich sogar cooler als dieser kleine goldene Nackedei.

Absurd ist aber nicht nur die Tatsache, dass jeder Nominierte diese Geschenke an der Steuer vorbei nach Hause schmuggeln darf. Absurd ist vor allem der Inhalt. Angeführt wird die an Dekadenz und Ruchlosigkeit schwer zu toppende Liste von einem Vibrator. EINEM VIBRATOR! Was zum Henker soll Clint Eastwood denn mit einem Vibrator? Gut, besser mal nicht darüber nachdenken. Muss ein ziemlich schickes Teil sein, ein sogenannter Afterglow Vibrator nämlich für 250 Dollar.

 

2700 Dollar für den Arsch!

Die Homepage sieht zumindest ganz schick aus, außerdem passt der Vibrator zu der Verjüngungskur im Wert von 2.700 Dollar, die sich in Gutscheinform ebenfalls im Goodie Bag wiederfindet. Wir reden hier allerdings nicht von einer Gesichtskur, neiiiiin. Die verehrten Nominierten dürfen sich auf ein Vagina-Make-over freuen. Eine vaginale Verjüngungskur! Teufel noch eins, da soll noch mal einer sagen, Schauspielerei zahle sich nicht aus!

Wenn dann untenrum alles wieder schön frisch ist bei Clintetta Eastwood, geht es in Luxusurlaub in die Toskana, auf eine luxuriöse Zugreise durch Kanada oder in einem Campüingurlaub für verwöhnte Millionäre. Glamping nennt sich das Ganze. We put the glam back in camping, oder was? Wusste nicht mal, dass Camping irgendwann mal etwas mit glam zu tun hatte. Aber ich lerne ja gern. Auch ganz schön fresh ist ein privates Süßigkeitenbuffet im Wert von 800 Dollar, was zwei Drittel der Nominierten danach gleich eh wieder auskotzen, Salz für 1.500 Dollar, zwölf Monate kostenlose Miete für einen Audi A4 oder, neben der Vagina-Action fast das Geilste, ein persönliches Treffen mit Olessia Kantor, der wohl dreistesten Trickbetrügerin der jüngeren Eso-Geschichte.

 

Oscars für den Arsch?

20.000 Dollar ist dieses Treffen wert, bei dem man Besuch von dieser „Enigma Life“-Scharlatanin erhält und in Gedankenkontrolle geschult wird. Damit man beim nächsten 800-Dollar-Süßigkeiten-Buffet sofort weiß, wo die Sahnestücke liegen, die sich besonders gut auskotzen lassen. Mal ehrlich: wer braucht da schon den Oscar? Als Vibrator taugt der ja nur bedingt, essen kann man ihn auch nicht und Urlaub machen geht auch nicht so prima mit ihm.

Ich gehe jetzt einige Stunden Kopf schütteln und mein Dasein als Nicht-mal-Nominierter betrauen. Die Weihnachtsgeschenke für die Familie wären dieses Jahr sonst durchaus überraschend ausgefallen.