[dropcap size=big]W[/dropcap]as haben Carmen Geiss, Marc Terenzi und Prince Kay One gemeinsam? Richtig, alle wären sie gerne Musiker, doch leider geht ihnen genau das ab, was es für solch eine Karriere benötigt: Musikalität. Dafür haben alle drei etwas, das in Zeiten von Voyeurismus und digitalem Spannertum noch viel wertvoller ist als ein treffsicheres Stimmchen: Ein Händchen für das Absurde. Und ebenso wie die Pummelfee mit der verschandelten Busen-OP aus Monaco und die Männerhandtasche von Sarah Connor, weiß Kay One das vor der Kamera für sich zu nutzen.

Nein, „Kay One – Prinzessin gesucht“ ist nicht der erwartete Reinfall, der vorprogrammierte Ausfall. Vielmehr läutet diese Sendung eine neue Ära des Schmuddelfernsehens ein. Wo es an Niveau fehlt, glänzen die Macher mit fundiertem Zielgruppenwissen.

Kay One für dieses klassische „K-Promi sucht Frau“-Format zu verpflichten, ist nicht weniger als ein Geniestreich. Denn im Gegensatz zu Verbaldiarrhötikern wie Robert Geiss oder sämtlichen Bachelor-Kandidaten, ist der Gangster-Rapper schlagfertig, humorvoll und vor allen Dingen sympathisch.

Zu keinem Zeitpunkt versuchen Kay One und seine Sendung etwas anderes zu sein, mehr zu sein als ein hirnloses Unterhaltungsformat. Zu keinem Zeitpunkt vergisst Kay One, um was es den Zuschauern bei diesem Programm geht: Soziopsychologische Karambolagen. Und die gibt es zuhauf.

 

Wie lange kannst Du die Luft anhalten?

Da werden Bändchen als „Bling-Bling“-Ersatz für die obligatorische „Du kommst weiter“-Rose verteilt und zwei davon einfach mal zurückgehalten, um zickige Reaktionen zu provozieren. Da werden die Kandidatinnen dazu bewegt, lasziv zu tanzen, spontan zu rappen, sinnlich zu knutschen oder einfach mal im Pool die Luft so lange wie möglich anzuhalten. Das Ablegen jeglicher Selbstachtung war noch nie so amüsant anzuschauen wie an diesem Montagabend.

Doch so abstrus die Kandidatinnen in Gestalt von Stripperinnen, vermeintlichen Models und sogar Transsexuellen (die hübsche Sasa!) auch daherkommen: der Star ist und bleibt Kay One.

Dabei ist der Rapper kein klassischer Entertainer, kein Formatträger wie die Kochprofis oder Peter Zwegat. Kay One ist einfach ein schlagfertiger Lausbube.

Der Ravensburger ist ein postmoderner TV-Superheld, ein real gewordener „Bett“-Man: Der Vollblutlyriker haust wie ein waschechter Millionär – ganz mondän in einer monumentalen Timeshare-Anlage mit Meerblick – seine Waffen sind Charme und scharfe Zunge. Den obligatorischen Butler à la Alfred Pennyworth gibt es auch –namens „K 2“, in Form eines kleinwüchsigen Schauspielers. Allein der Name des Sidekicks zeugt von Selbstbewusstsein und Originalität.

 

Ich.komme.nicht.ales.zu.wait

Am stärksten ist „Kay One – Prinzessin gesucht“ natürlich im intimen Zwischenspiel zwischen seinem Helden und den Protagonistinnen. Da gibt es spontante Lapdances, selbstgeschriebene Rap-Einlagen oder einfach nur das Liebesgeständnis von gerade mal volljährigen Rap-Fangirls. Aber auch die klassischen Mitbringsel dürfen bei RTL IIs smartem Ableger von MTVs „Flavor of Love“ nicht fehlen.

Da gibt es dann schon mal ein klassisch serbisches Geschenk in Form eines „Schmuckkettchens von Gott“ wegen all der hässlichen Kommentare, um Kay mit himmlischer Kraft zu beschützen und so. Puh. Ganz schön viel Pathos für ein erstes Treffen. Daher wollen wir das jetzt genau wissen.

Zunächst mal fällt auf, Kay Ones Anhänger sind keine Hinnehmer, es sind Hinterfrager ihres Idols:

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Richtig schmerzhaft wird es für den Entertainer jedoch, wenn die Hater in authentischstem Gangsterslang haten. Das ist gemein, weil Kay One kann das ja nicht:

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Ja, man braucht nicht lange, um sich eingestehen zu müssen: Die Macher hinter „Kay One sucht seine Prinzessin“ sind Meister ihres Fachs, wahre Kenner ihrer Zielgruppe, gottverdammte Genies. Wobei liebes Produzenteam, unterschätzen solltet ihr Kays Anhänger, die so genannten Princers, nicht. Diese sind nämlich sehr wohl auch kritisch:

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Lässt man sich dieses wahllose Sammelsurium echter Kay One Facebook-Anhänger auf der Zunge zergehen, merkt man schnell, dass die Macher hinter „Kay One – Prinzessin gesucht“ ein Format geschaffen haben, das zu 100 Prozent auf seine Zielgruppe zugeschnitten ist. Besser kann man es nicht machen.

 

Ey, mach mal Youtube, Altaa!

Der Shitstorm war vorprogrammiert, die negativen Reaktionen absehbar. Kay One meistert diese wahrlich nicht einfache Situation jedoch bravourös. Während andere Personalitys unter dem medialen Druck, unter all den Reaktionen aus dem sozialen Netz scheitern würden, nutzt Kay One die Aufmerksamkeit für sich und präsentiert sich von seiner besten schlechtesten Seite. Das macht er streckenweise so clever, so eloquent, dass diese Kuppelshow zum Kulthit avancieren könnte. Material, um einen Youtube-Kanal zu füllen, gibt es alleine schon in Episode eins mehr als genug.

„Kay One sucht seine Prinzessin“ ist kein Reinfall, sondern frische und fast schon authentische Unterhaltung. Und für all die unflachgelegten Zuschauer (unter Euch), die nun ein genau so heißer Stecher wie Kay One werden möchten, hier seine entzückendsten Verbal-Beinspreizer bisher:

– „Du hast Augen wie der Pool“

– „Ihr habt schon gefrühstückt? Wollt Ihr mich verarschen? Ich hab‘ extra Brötchen geholt“

– „Schaffst Du’s von hier bis nach hinnnten zu tauchen?

Nein, Kay One ist kein Rainer Maria Rilke, aber dem deutschen Fernsehen zeigt der Rapper gerade gekonnt den Mittelfinger.