[dropcap size=big]E[/dropcap]ngländer sind bessere Menschen als Amerikaner. Sie reden schöner, wissen sich anständig zu benehmen, brauen besseres Bier, sind unterm Strich nicht ganz so sehr von Fettleibigkeit zerfressen wie die Hillbillys, haben verstanden, dass es so etwas wie Evolution gibt, sie sogar entdeckt, haben eine Königin, Sherlock Holmes, William Shakespeare, kurze Röcke selbst im Winter. Irgendwann haben sie sogar alle dummen und religiös verblendeten Menschen in Schiffe gesetzt und über den Atlantik segeln lassen, wo bekanntermaßen Amerika besiedelt wurde. Um es kurz zu machen: Die Engländer haben es drauf. Und jetzt haben sie sogar bewiesen, dass sie die besseren Musikpreise verleihen. Wirklich cool und sehenswert macht das die BRIT Awards zwar immer noch nicht. Doch besser als die lausigen Grammys, der Echo oder was auch immer sind sie allemal. Also schön Essig über Fish and Chips gegossen und mal gecheckt, warum sie eigentlich besser sind.

 

1. Kanye West benimmt sich

Kaum außer Landes, mutiert Egomane Kanye West zum höflichen Besucher Kanye West. Erst punktet er damit, dass er kurzfristig für Rihanna einspringt, die urplötzlich keinen Bock mehr auf die Briten hatte („Leute, schnell, wir brauchen einen anderen schwarzen Ami, der erfolgreich und populär ist“) und dann mischt er sich noch nicht mal in die Preisvergabe ein. Vielleicht vertraut er der Britenjury ja auch mehr als den Grammy-Deppen. Ziemlich cool auch sein Auftritt: In Englands Haushalte wurde wegen des übermäßigen Gebrauchs des Wörtchens „Nigger“ zwar die Hälfte des Auftritts stummgeschaltet, dafür war die Peformance mit einer ganzen Posse und Flammenwerfern ziemlich tough und bedrohlich. Don’t mess with these niggers! Da konnte sogar Taylor Swift nur baff zuschauen. Was lernen wir? Keep calm and call Kanye!

 

2. Madonna benimmt sich … daneben

Man muss es ihr nachsehen. Immerhin ist diese Frau mittlerweile 56! Und von der Queen of Pop kann da angesichts all der Sias, Lana del Reys oder Lady Gagas längst nicht mehr die Rede sein. Dennoch wollte es die Queen Mum des Pop noch mal wissen, packte ihre Stiermänner wieder aus, die sie schon bei den Grammys dabeihatte, und sang das fürchterlich belanglose „Living For Love“. Aufgewertet wurde das ganze durch einen hübschen Sturz, angeblich, weil ihr Armani-Umhang zu eng war. Vielleicht ist es aber auch einfach mal Zeit, die Bühne hinter dir zurückzulassen, Madonna. Die echte Queen wäre über so ein Verhalten jedenfalls not amused.

 

3. Eine gute Band wird ausgezeichnet!

Absolutes Novum bei den großen Musikpreisen dieser Welt: Den Preis für die beste Band darf tatsächlich eine gute Band mit nach Hause nehmen! Das Britenduo Royal Blood triumphiert vor Konsensverbrechern wie One Direction oder Coldplay. Richtig so: Ihr Debüt ist ein richtig geiles Ding. Außerdem hätten es die anderen nominierten Schnulztrollos niemals zu schätzen gewusst, einen Preis von Jimmy Page überreicht zu bekommen.

 

4. Tiefe Ausschnitte trotz der Kälte

Darin macht den Engländerinnen niemand etwas vor: Ob Regen, Schnee, Nebel oder einfach nur grässliche Kälte: die Röcke sind kurz, die Ausschnitte tief. Das führte zu reinzenden Einblicken auf dem roten Teppich – allen voran bei FKA Twigs und Rita Ora. Sexy ist, wenn man auch dafür friert!

 

5. Paloma Faith bekommt, was sie verdient

Vor gar nicht langer Zeit wurde Paloma Faith festgenommen, weil sie unerlaubt Plakate für ihre Konzerte aufgehängt hatte. Jetzt ist die beste englische Künstlerin. Und auch das ist ein Preis, der mehr als in Ordnung geht. Andererseits war hier schon die Liste der Nominierten alles andere als unerträglich: Ella Henderson, FKA twigs, Jessie Ware, Lily Allen. Alles andere als Gewäsch eben.

Schattenseiten gab es leider auch bei den BRIT Awards. Ed Sheeran, Pharell Williams und Sam Smith zum Beispiel, die beide abräumen konnten. Dass Taylor Swift auch zu den großen Gewinnerinnen zählt, ist dieser Tage ebenso unvermeidlich wie Helene Fischer im Bierzelt. Aber Helene Fischer ist ja eh eine Art deutsche Ausgabe von Taylor Swift. Nur, dass sie nie bei den BRIT Awards auftauchen wird. Gott schütze England!