[dropcap size=big]W[/dropcap]ir haben es ja immer schon gewusst: Wir haben Recht, die anderen Unrecht. Einmal mehr wurde uns das am Wochenende bewusst. Gestern nämlich wurden in Los Angeles mal wieder die American Music Awards verliehen – und zeigten der Welt einmal mehr in schonungsloser Ehrlichkeit, wie hässlich, verkommen, minderwertig und bedeutungslos die Pop-Musik sein kann. Anders als die Grammys, bei denen zumindest einigermaßen fachkundige Profis über die Vergabe entscheiden, zählt bei dem American Music Awards nichts als eine Abstimmung der Musikhörer von heute. Ein Voting von stupiden Halbmenschen also, die Miley Cyrus tatsächlich für Musik halten und David Guetta für seine Skills loben. Und so jemand darf jetzt also darüber entscheiden, wer einen Musikpreis bekommt und wer nicht? Das ist ja im Grunde dasselbe, als würde ein blinder Taubstummer eine Talkshow moderieren. Völlig idiotisch, aber gleichzeitig eine faszinierend groteske Vorstellung.

 

Vorwärts nimmer, abwärts immer

Die Welt ist eben nicht gerecht, und vor allem ist sie das nicht in Amerika. Da feiert sich eine Industrie selbst, die zwar Musik im Namen stehen hat, aber damit weniger zu tun hat als die Verdauungsgeräusche eines Asiaten nach zu viel Milch. Fangen wir also mal an: Die 42. American Music Awards wurden moderiert von… Pitbull. Kein Scheiß, von Pitbull! Von einem konstruierten, zahmen, gesichts- und zahnlosen Produkt geldgeiler Produzentenärsche also, das von uns Babys erst kürzlich völlig zu Recht auf den Sack bekommen hat. Noch besser (und damit meinen wir viel, viel, viel schlimmer) als dieser Pinscher sind allerdings die Gewinner. Schnell steht nämlich fest: One Direction sind die strahlenden Sieger des Abends. One Direction!

Wer da noch nicht vom Glauben abfällt und sich mit Grausen von der Welt abwendet, um sich in eine einsame Höhle zurückzuziehen, muss härter im Nehmen sein als Rocky oder innerlich längst so verkümmert sein wie ein Fler-Fan. Jetzt aber bitte nicht Bilder von meiner Haustüre auf Twitter posten, ja? Sieht man mal von der dezent humorigen Randbemerkung ab, dass eine englische Band den originär amerikanischen Preis für den Künstler des Jahres abräumt, ist das so ziemlich das Schlimmste, was der Pop-Musik passieren konnte, und das musikalische Äquivalent zu dem Szenario, wenn Hitler nicht sofort Kurs auf Stalingrad genommen und lieber in der Ukraine überwintert hätte. Ein Weltenbrand. Ein legitimer Grund, sich in ein Messer zu stürzen oder den Bahnverkehr durch einen beherzten Sprung auf der Hochgeschwindigkeitstrasse Frankfurt-Köln kurzzeitig auf ziemlich eklig und weitspritzende Weise lahmzulegen.

 

Monsterhintern, wir brauchen Dich!

Aber das Grauen geht weiter. One Direction gewinnen auch noch den Preis für die beste Band und das beste Album. Wir fanden das ja nicht so, gell? Was das über den geistigen Zustand unserer Jugend sagt, möchte ich an dieser Stelle lieber nicht laut aussprechen, sonst droht uns wahrscheinlich wieder irgendjemand mit einer Klage. Ich sag nur so viel: Ich hätte Nietzsche und den einen oder anderen Diktator zitiert. Schauen wir uns das Elend also lieber weiter an: Der hässliche Schnulzenprinz Sam Smith ist der beste männliche Künstler (haha, männlich…), den besten Preis in der Kategorie Alternative/Rock holt amüsanterweise eine Band, die mit beiden Begriffen nichts am Hut hat: Imagine Dragons. Es spricht wohl Bände, wenn das neben der immer bezaubernden Lorde der Lichtblick einer Verleihung war, der selbst Katy Perry fernblieb, obwohl auch die in irgendeiner Kategorie gewonnen hat.

Beyoncé hatte übrigens auch keinen Bock auf die heuchlerische Sause, hätte mit ihrem Hintern aber immerhin die blassen Britenbabys von One Direction von der Bühne fegen können. Das mit dem Hintern übernimmt dann Nicki Minaj natürlich äußerst gern, da waren One Direction aber wohl schon auf dem Weg ins Bett. Schade, die Vorstellung, wie die ekelhafte Boyband-Beleidigung unter Minajis Rumpfmuskulatur zerquetscht wird, hätte der Verleihung eine Seriosität und Daseinsberechtigung verliehen, die sie so niemals erreichen wird. Wo sind die Monsterhintern und völkerschlachtenden Tyrannen, wenn man sie wirklich mal braucht?