Fortress-Black-INRI-Review

Wenn ich diesen kläglichen Versuch, Hardcore und Black Metal zusammenzubringen, mit einem Wort beschreiben müsste, würde ich wahrscheinlich folgendes darüber sagen: Niedlich. Etwas anderes kommt mir angesichts dieses vollkommen unbeholfenen, saft- und kraftlosen Unterfangens einfach nicht in den Sinn. Schuster, bleib bei deinen Leisten, möchte man da entrüstet brüllen. Dann merkt man, dass der Schuster auch schon mit seinen Leisten nicht zurecht kommt. Was bleibt? Ein Armutszeugnis, das unter dem Namen Fortress Black für reichlich unfreiwillige Komik sorgt.

 

Versuchen wir es mal zu erklären: Da sind also ein paar von Jobs, Weibern oder der Abwesenheit ebendieser frustrierte Hardcore-Dudes, die irgendwann gemerkt haben, dass ihre Madball- oder Cro-Mags-Ehrerbietung auch nicht unbedingt Taler in die Kassen spühlt.

Diese merkwürdigen Clowns mit ihren angemalten Gesichtern und finsteren Symbolen auf den Covern locken dafür ordentlich Volk zu ihren Auftritten, alte sind da dabei, aber auch junge, denen man prima noch ein schickes Jutebeutelchen aufschwätzen kann.

 

Scheiß Job, kein Weib? Komm, mach doch Black Metal!

Was tun? Schnell bei Spotify mal in Satyricon, Dissection und eine Art Grundkurs in Sachen Black Metal reingeschnuppert und fortan in der Mission unterwegs, Hardcore und Black Metal unter einen Hut zu bringen.

Dass das ein sehr, sehr, sehr großer Hut sein muss, war den Stuttgartern anscheinend nicht bewusst, das Ergebnis klingt auf „I.N.R.I.“ nämlich wahlweise wie ein Black Metaller mit akuter Gleichgültigkeit oder ein Hardcore-Dude, der plötzlich gar nicht mehr weiß, wogegen er eigentlich genau wettert.

 

Sind diese Untrue-Eier vegan?

Allein der Gedanke, diese aus ideologischer Sicht so unterschiedlichen Musikstile zu vereinen, grenzt an Dreistigkeit.

Wenn man so was anpackt, muss man es also verdammt gut machen, andernfalls wird man von zwei Szene gleichzeitig an den Pranger gestellt und mit den faulen Eiern aus dem Untrue-Regal beworfen.

Wahrscheinlich nicht mal Bodenhaltung.

 

Raus aus der brennenden Kirche, du Unhold!

Für Hardcore ist das bei weitem so kraftlos, für Black Metal zu ungarstig. Und für jeden normalen Hörer allein aus gesanglicher und textlicher Hinsicht eine Zumutung, die man höchstens einem Xavier-Naidoo-Fan wünscht.

Lieblos und ohne Ecken und Kanten herausgebellt, als würde man sich der Worte schämen, die da aus dem Mund purzeln. Sollte man natürlich auch, mit Lyrics wie diesen hätte man schon vor 15 Jahren jede Black-Metal-Band aus der brennenden Kirche gejagt.

 

Küsschen hier, Küsschen da? Ne, Wachs in die Ohren!

Fortress Black sind ein schöner Beweis, zu welch schlimmen Resultaten Ideenlosigkeit führen kann. „I.N.R.I.“ ist ein schlecht zusammengeklautes, krude zusammengezimmertes Machwerk, das Negativität und Linksradikalität ausstrahlen will, dabei aber nur wie der armselige Versuch wirkt, das rudimentär vorhandene Können unter angesagten Insignien zu verstecken.

Ganz ehrlich, wenn das hier alles sein soll, was linksradikale Statements postuliert, stehen uns politisch gesehen unfassbar dunkle Zeit bevor. Im Grunde muss man Fortress Black aber trotzdem dankbar sein. Dank ihnen können sich Black Metaller und Hardcore-Dudes einträchtig die Hand schütteln.

So einen Mist will nämlich niemand in seiner Szene wissen.