Foxes-All-I-Need-Review

Kennt hier irgendjemand Foxes? Nein? Sieht hier irgendjemand fern? Na also. Bevor die Britin auf dem Cover ihres zweiten Albums „All I Need“ erneut wollüstig starrend ihre schwellippige Unschuld unter Beweis stellt, wurden sie und ihre Musik in mehreren Serien verwurstet. Was ihre musikalischen Qualitäten jedoch anbelangt, passt sich die inzwischen fast 27-jährige Louisa Rose Allen seit Tag eins in 08/15-Popklischees und schon mal Dagewesenes ein und fällt damit entweder nicht oder gar nicht aus der Reihe.

 

Beweise dafür gibt es reichlich. „Better Love“ trägt trotz oder vielleicht wegen so vielen externen Händen so wenig Liebe in sich, wie es nur ein zigfach gehörter EDM-Dorfdissenknaller von sich behaupten kann. Der Titeltrack könnte auch von Foster The People stammen, lässt jedoch jegliche Lässigkeit vermissen.

Und „Cruel“ schwirrt wie eine lästige Eintagsfliege um 90er-Girlgroup-Einflüsse herum und kann sich nicht entscheiden, ob sie Sporty oder doch lieber Posh Spice sein will.

Fuchs Überraschung
Wat, wer hat meinen Namen missbraucht?

Mama, krich‘ ich noch Butter zum Schmalz?

Nach diesem ersten Haufen übermäßig produzierten Pop-Geplänkels folgt die erste Ballade – ertränkt in ranzigem Butterschmalz: „Please don’t go. If you leave me nooaaaaaargh…“ Im Anschluss führt uns „Amazing“ wieder zurück zum Anfang. Zumindest klingt es so. „Who’s gonna save you now?“ fragt man sich da beim Hören auch immer öfter.

„Lose My Cool“ zum Beispiel verleiht erneut das Gefühl, schon mal hier gewesen zu sein. Auch der weitere Verlauf der Platte dreht sich weiterhin darum, dass die zuckerpüppige Foxes mit verwuscheltem Haar gerade aufgestanden ist und ihr die Nippel immer noch zu Berge stehen. Zumindest vermittelt ein einziger Blick auf ihre Homepage genau diesen Eindruck.

Fuchs Spaß
Ach, scheiß drauf!

Promotion ist meine Jacke

Fachfremde Ankündigungen wie die neue H&M-Kollektion (und der dazugehörige Song „Feet Don’t Fail Me Now“) von Foxes oder die Aufforderung, doch einen Tag mit ihr zu verbringen, zeigen das Ausmaß der PR-Höchstleitung rund um das zweite LP-Release auf. Foxes ist ein Produkt, dessen künstlich aufgebauschte Maskerade so schnell fällt wie der Schwarz-Weiß-Filter über ihrem ebenso starrenden Hintergrundportrait beim Scrollen.

Deswegen bleiben ihre Songs in keinem Ohr, deswegen klingt alles nach schon mal gehört, gekaut und geschluckt. Daran ändert sich auch mit „Scar“ nichts, das sich gegen Ende hin pseudoepisch aufbäumt und aller Welt die stimmliche Gewalt der Britin vor Augen führen soll.

Foxes muss man im Grunde nicht kennen. Wie die altbekannte Kurzweiligkeit popmusikalischer Shootingstars schon zu oft bewiesen hat, ist vielleicht in paar Wochen auch über die Britin der Schwamm drüber, das Gras drüber gewachsen und sie ganz allgemein Schnee von gestern.