Alles kommt wieder: Mode, Ideologien und vor allen Dingen Serien, die schon zu ihrer Zeit dermaßen grenzdebil waren, dass man sich echt wundern muss, dass diese nicht von Regierung oder Bundesgerichtshof auf den Index hirnwaschender Propagandafilmchen gesetzt wurden. Full House war solch eine Serie. Eine, die zu Zeiten von Addi eine sehr gute Figur gemacht hätte, aber auch aktuell nicht besser ins Soll-Denken der heutigen Zeit passen könnte: Familie über alles und Probleme gibt’s nicht auf dieser Welt – wenn man sich nur richtig dolle lieb hat. Und sollte es dann doch mal die ein oder andere Hürde geben, dann hat man ja immer noch sich und einen großen Haufen falscher Zuneigung. Fuller House ist nicht nur die perfekte Fortführung einer gesellschaftlichen Utopie, die realitätsferner nicht sein könnte, sie ist der Abgesang auf echte Werte… Außer man würde wirklich gerne sein Leben mit Familie Von der Leyen in einem Ikea-Vorführzimmer verbringen.

 

Schon das Setting von Fuller House ist in etwa so realistisch, wie die Aussagen zu den Zwischenfällen in Clausnitz – bar jeder Wirklichkeit. Und über Charaktere, Story und schauspielerische Qualität muss hier erst gar nicht diskutiert werden. Fuller House soll nämlich nur einen einzigen Zweck erfüllen: nicht etwa die komplexe Geschichte einer Familie zu einem größeren Ganzen verweben, sondern Typen wie mir, die mit acht Jahren Samstags immer brav aufgestanden sind, um am Morgen vor dem Fußballspiel noch schnell die Wiederholung der neusten Abenteuer von Familie Tanner zu verfolgen, den Nostalgieschnodder direkt ins Gesicht zu rotzen: mit schlechten Pointen und humoristischen Einlagen irgendwo zwischen Youtube-Videos wo Leute bei Glatteis auf die Schnauze fliegen und Mario Barth deckt auf!.

Ich meine, der Gag-Höhepunkt einer jeden Folge ist es, wenn sich „Onkel Joey“ – in der Serie tatsächlich Stand-up-Comedian – seine kleine Pädo-Handpuppe schnappt und irgendwelche Stimmen imitiert…

Zum Lachen muss man sich bei Fuller House als halbwegs gesunder Mensch schon zwingen.

Fuller-House-Steph
… Der Sieger darf nach Hinten!

Kacken für die Liebe

Familien-Liebe. Das ist das große Schlagwort dieser Serie. Und die wird in allen möglichen Szenen so deutlich in Szene gesetzt, wie es dem Zuschauer noch zuzumuten ist: beim Essen, im Bad, beim Sport, beim Kacken, beim Onanieren.

Und wenn es gar nicht mehr anders geht, dann eben auch in aller Öffentlichkeit. So wie man das eben so macht, wenn man sich arg lieb hat.

In seinen besten Momentan tut Fuller House nicht ganz so weh. In seinen schlimmsten möchte man sich mit einem gerahmten Bild der Bundesfamilienministerin so lange selbst in die Fresse schlagen, bis man einfach nicht mehr im Stande ist überhaupt irgendwas zu spüren. Die Zombies von The Walking Dead sind wenigstens authentisch unlebendig. DJ Tanner und Co wissen hingegen noch gar nicht, dass sie innerlich tot sind.

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Oh Gott. Ich muss hier raus!

Klampfe raus, jetzt wird gefickt

Ein schmerzhaftes Beispiel: Wenn man seiner Ollen auf einer Cocktail-Party im Abercrombie & Fitch-Ambiente nach dem Hochglanz-Stockphoto-Früchtecocktail mal eben die Liebe gestehen will, steht natürlich gleich ein bereitwilliger Malemodel-Akustik-Klampfer irgendwo im Hintergrund zur Stelle und die authentischen Emotionen werden in Form einer schmierig-kitschigen Ballade dahin gesäuselt – natürlich vorm Rest der blutleeren Zombiegäste, die sich gegenseitig in die Arme fallen und sich bei den Händen nehmen…

Schon die erste Folge Fuller House fühlt sich an wie ein Livestream des AfD-Parteitages in Sachsen. Harmonie über alles. Und dafür lohnt es sich zu kämpfen. Propaganda im 4k-Look untermalt von schlechten Pointen. Nicht schlecht, Netflix.

 

Schlimmer House

Fuller House ist eine Serie so unterhaltsam wie ein Kalauer-Marathon mit Fips Asmussen – laut, altbacken und richtig schön gutbürgerlich. Aber eine gewisse Nostalgie kann man Fuller House dennoch nicht absprechen. Aber das tun Filme wie Schindlers Liste ja auch…

Bei Arschlöchern.