„Mama, Mama, ich bin auf der Nummer eins!“ „Ach ja? Womit denn?“ „DJENT!!!“ So muss das abgelaufen sein, als Marcus Bridge mit seinen verflucht eigenwilligen und doch so charmanten Northlane in der Heimat Australien die Chartspitze erklommen hat. „Node“ heißt ihr Machwerk – ein freches wie fantastisches Statement, dass der Welt zeigen soll: Die australische Metalszene wird Europa den Rang ablaufen. Denken wir nur mal an Thy Art Is Murder! Oder Parkway Drive! Und Marcus redet und lacht auch noch original wie Winston McCall, „Toy Story“-Double von Buzz Lightyear und überambitionierte Lachmaschine von Parkway Drive. Kein Wunder, dessen Sonnyboys waren es nämlich, die Northlane an die Hand genommen und zuletzt die große weite Welt auf Europatour mit Heaven Shall Burn gezeigt haben. Dort durfte auch zum ersten Mal der neu eingestiegene Bridge erleben, was es heißt, Rockstar zu sein. Nämlich in seiner Koje das Heimstudio to go zu errichten und Songs einzusingen, was das Zeug hält. Drogenexzesse kann sich doch heute gar keiner mehr leisten. Weil das Tourleben also nichts mehr hergibt, haben die Babys Marcus‘ rosarote Wangen in die Hand genommen und gefragt: „Sag mal, Sohn, kannst du dir dann wenigstens zu Hause ordentlich einen weghämmern?“

 

Was liebst du an Sydney?

Das Wetter ist schön, meine Familie ist da. Ganz Australien ist warm, besonders im Sinne der freundlichen Menschen, die dort wohnen. Ich lebe nahe am Strand, im Sommer ist das echt Wahnsinn.

 

Aber mal ehrlich, da muss es doch was geben, dass du an Sydney hasst?

Nicht wirklich. Manchmal wird es echt hektisch und geschäftig, wegen der vielen Leute auf so kleiner Fläche.

 

Dafür habt ihr keinen Schnee in eurer kleinen Cocktail-Schirmchen-Welt.

Ja haha, ich mag das. Als ich das erste Mal bergeweise Schnee gesehen habe, war ich dieses oder Ende letzten Jahres auf US-Tour mit Northlane. Ich war einen Tag lang total aufgeregt, aber dann hatte ich kein Interesse mehr.

 

Welches Klischee über Sydney ist völlig bei den Haaren herbeigezogen?

Viele Leute denken, überall in Australien warten Schlangen und Spinnen darauf, dich zu töten. Das haut nicht notwendigerweise hin. Davon gibt es genug in Australiens Busch, aber nicht oft in unseren Städten. Das ist eine Fehlvorstellung.

 

Dafür müsst ihr lange Reisen auf euch nehmen.

Ja, das ist ein kleines bisschen. Wer in Australien tourt, grast die Ostküste ab, sonst muss er einen Flug buchen, weil das echt zu weit zum Fahren ist.

 

Welchen Ort in Sydney hast du besonders ins Herz geschlossen?

Ich bin dort aufgewachsen, also liegen die meisten meiner guten Erinnerungen in dieser Stadt. Forestville, da wo ich lebe. Das liegt eine halbe Stunde entfernt von der Innenstadt, dadurch ist es nicht so geschäftig dort. Es wird schön, da zu entspannen und Musik zu schreiben, wenn ich wieder zurück bin.

 

Wo würdest du dein erstes Date hinschleppen?

Newtown, das ist der hippe Bezirk mit den netten Restaurants. Dort ist es aber ein wenig rauer geworden, weil wir jetzt ein Gesetz über Sperrstunden haben. Nach halb zwei morgens darf man keinen Alkohol mehr im Pub kaufen und um drei Uhr wird man rausgeschmissen. Das wurde vor ein paar Jahren für die ganze Innenstadt beschlossen, weil ein paar Idioten gewalttätig wurden. Aber Newtown liegt außerhalb dieser Regelung, alle betrunkenen Idioten zieht es nun also dorthin. Das ist scheiße, aber Newtown ist trotzdem noch nett.

 

Na so ein Mist. Aber woher kommen denn all die Raufbolde, wo leben die Arschlöcher in Sydney?

Arschlöcher gibt es überall! Ich glaube, im Westen findet man mehr zwielichtige Leute. Aber auch genauso viele liebenswürdige Menschen, die Hälfte unserer Band stammt daher. In Campbelltown ist es übel, aber nichts im Vergleich zu manchen Orten in den USA, die viel furchteinflößender sind.

 

Wenn du dich also abschießen willst, gehst du nach Newtown und trinkst was?

Ich bin nicht so der Partyhengst, ich gehe lieber mit ein paar Kumpels in einen Pub und habe ein paar gechillte Getränke. VB ist ein typisch australisches Bier, Victoria Bitter. Ich glaube, es wird in Belgien hergestellt, ist aber schön billig.

 

In welchen Clubs kann man sich mal schön in einen Moshpit legen?

Metro, das Roundhouse mit einer Kapazität von 2.000. Wir spielen dort auf unserer kommenden Australien-Tour.

 

Wie ist denn die Metalszene in Australien?

Echt cool. Sie war aber mal stärker, als Parkway Drive und The Amity Affliciton groß wurden. Gute Zeiten, ich spielte in vielen lokalen Bands. Heute ist es ganz anders, es kommen immer noch großartige Bands raus, aber es wird schwerer, Fans zu finden, Leute zu motivieren, zu den Shows zu kommen. Selbst wenn, sind sie nicht mehr so dabei wie damals, als alle ihren Verstand verloren haben und nur der Musik wegen da waren. Jetzt mimen viele den toughen Typen, Menschen stehen herum, als würde sich jeder unwohl fühlen.

 

Welche australische Band außer Thy Art Is Murder willst du uns ans Herz legen?

Barebones, sie haben diesen betrunkenen Southern-Hardcore-Vibe. Einer von ihnen hat mich ermutigt, bei Northlanes Audition mitzumachen. Ich bin ihm dafür sehr dankbar.

 

Abschließend – bitte sei ehrlich – wie sehr hasst du Bilder vom Opernhaus in Sydney?

Ist mir egal, das ist doch überall so. In Paris unter dem Eiffelturm, daran gewöhnt man sich.