Grave_Pleasures_Dreamcrash_Review

Schon mal mit einem Typen geflirtet und in das Gesicht des Todes geblickt? Schon mal auf der Tanzfläche getanzt, als würdest du an einem lichtlosen Abgrund stehen? Schon mal ernsthaft darüber nachgedacht, wie es sich anfühlt, zu sterben? Schon mal die Wände in deinem überteuerten WG-Zimmer langsam näherrücken sehen, obwohl du gar kein Ketamin genommen hast? Schon mal so sehr in Melancholie versunken, dass selbst aufstehen unmöglich war? Dann weißt du, was dich auf „Dreamcrash“ erwartet.

 

Ey, Schlange, hier liegt überall deine eklige Haut!

Beastmilk sind tot, lang leben Beastmilk. Was sich jetzt unter dem Namen Grave Pleasures aus den verkohlten Überresten ebenjener Beastmilk erhebt, ist weder ein Nachfolgeprojekt, noch dieselbe Band. Grave Pleasures sind die Schlange Beastmilk nach ihrer Häutung. Eine neue Ära, ein partiell neuer Sound. Was gleichgeblieben ist: Die Sexiness des Todes, die Anziehungskraft der Apokalypse, die Freude an der Depression.

Die Finnen um das wahnsinnige Genie Mat McNerney zelebrieren das Ende der Welt, den Untergang der Träume und den Tod aller Hoffnung mit Charme, Verve und einem süffisanten Lächeln, von dem selbst die Trauerklöße der Post-Punk-Bewegung aus den Achtzigern noch was lernen können. Würden sie noch leben.

Dead-Gif
So, Platte fertig. Ich brauch dann erstmal Urlaub!

Riech mal! Riecht nach Ian Curtis, oder?

Mehr noch als das Beastmilk-Sensationsdebüt „Climax“ atmet „Dreamcrash“ den Glamour der Verwesung, umgarnt mit beinahe kitschiger und wohl dosiert pathetischer Goth-Patina Marke The Sisters Of Mercy oder The Cure, zieht mal eine Bauhaus-Platte aus dem Regal und lässt mal wieder durchschimmern, wie gut Joy Division eigentlich waren.

Grave Pleasures nutzen diese Musik jedoch allerhöchstens als Duft, den sie tief inhalieren. Was sie letztlich ausatmen, ist etwas gänzlich eigenes. Es umfängt, es fesselt, es treibt an. Sänger McNerney hat uns in unserem Interview gesagt, dass er die Grundstimmung des Schmachtfetzens „Dancing With Tears In My Eyes“ auf Albumlänge strecken will. Auf „Dreamcrash“ ist ihm das gelungen.

 

Geil, Suppe!

Wer kein Problem damit hat, dass diese neue Inkarnation etwas weniger Dreck unter den Fingernägeln hat und seine atomare Endzeit-Punk-Stimmung gegen einen durchaus melodischeren Sound eingetauscht hat, wird an diesen Grave Pleasures noch größere Freude haben als an Beastmilk. Einzig und allein beim etwas generischen PC-Spiel-Albumcover muss man sich fragen, was sich McNerney dabei gedacht hat. Da hätte etwas Abstraktes deutlich besser gepasst. Aber das ist nicht mehr als ein kleines Haar in jeder Menge tödlich-erotischer Suppe.