Grossstadtgefluester-Fickt-Euch-Allee-Review

Wenn man sich die deutsche Bloggerszene wie einen Flipperautomaten vorstellt, ist vieles viel leichter erklärbar. Ein Hype nach dem anderen wird sich gegenseitig in atemberaubender Geschwindigkeit zugespielt, und wenn irgendwo was steckengeblieben ist, kann man mit einem kleinen Shitstorm schnell mal an der kompletten Maschinerie rütteln, um weiter Punkte zu sammeln.

 

Jüngstes Beispiel dieser Flipper-Theorie nennt sich Grossstadtgeflüster und ihre neue Heimat liegt neuestens in der „Fickt-Euch-Allee“. Schön, dass Jen Bender, Raphael Schalz und Chriz Falka sich wenigstens ihre Adresse merken können, wenn sie schon zugeben müssen, dass sie gar nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf vor lauter Musik steht.

 

Viele Wege führen ins Moloch

„Ich kann grad nicht, ich bin in meinem Wochenendhäuschen in der Fickt-Euch-Allee.“ Ja, da würd ich auch gern meine Woche starten, weltweit fangen die meisten Menschen in der Regel nämlich erst Dienstags an zu denken. Blöd, wenn man in diesem Zusammenhang eher schon Montags mit Hirnfunktion auf der Matte steht.

Der Song fetzt, hat aber nichts mit einer Berlin-Hymne gemein, wie findige „Journalisten“ dieser Tage gerne schreiben. In jeder Stadt gibt es eine Abzweigung dorthin.

Berlin Angst
Wo willst du am Wochenende feiern… Berlin???

Am Arsch ist auch ein Ort

„Denn dafür ist mein Glas voll, bis zum Rand voll und ich auch. Ich bin ein blaues Wunder.“ Diese Zeilen verstecken sich hinter zärtlichem Beat und einem Hauch zu gut gemeintem melodramatischem Säuseln.

Der eigentliche verspulte Shit kommt natürlich auch noch, wenn sich anschließend Bass und gepitschte Eichhörnchen fragen: „Wo ist die Party?“. Und sich dann die hübsche Antwort offenbart: „In der Mitte des Geschehens oder irgendwo am Arsch.“

„Lass uns doch einfach aus’m Weg gehen“ trifft den Sinn dieser kleinen Anhäufung von trashigem Elektro-Punk-Pop-Großstadtleckmichamarsch mitten ins Knie. Klassisch trippig, wie schon diverse Tracks auf „Oh, ein Reh!“ gestaltet sich abschließend „Weiße Kaninchen“. Macht immer noch kein Bock außer auf tanzen, fressen, schlafen und ficken.

Truthahn Tanz
Tanz… Auch wenn du im Arsch bist

Liebes Tagebuch… Fick Dich!

Tief in unserem Herzen haben uns Grossstadtgeflüster zwischen all ihren musikalischen Wirrungen schon immer verstanden. Sie klauen ihre Einflüsse aus allen Ecken zusammen und tragen uns mit dadaistischen bis direkten Texten ein paar tagebuchgeeignete Lebensweisheiten vor. In der Tat, fünf Songs gleichzeitig zu veröffentlichen schreit nach einer waschechten EP.

Extended Plays sind dabei garantiert. Vor allem der Titeltrack geht so geil rein, dass es wehtut. Aber wie der Beiname „Epdisode 1“ schon verrät, handelt es sich hier nur um Teil eins einer noch langen Freundschaft, die nicht nur für die enorme Musikalität des Trios spricht, sondern die Bloglandschaft dieses Landes noch ein gutes Stückchen auf Trab halten wird.