Ja, du Dödelchen, Grossstadtgeflüster gibt es schon seit 2003. Und nein, die drei Berliner sind ganz bestimmt keine Hipstermucker. Ja, auch wenn du ihre Single „Fick-Euch-Allee“ in einem total verrauchten Hinterhofclub in der Berliner Mitte zu Moscow Mule mit Billig-Gin voll derbe abgefeiert hast. Ja, Grossstadtgeflüster sind wohl mehr Punk als alles andere. Schließlich geben sie ja fast schon sprichwörtlich einen „Fick“ auf alles und jeden. Ja, genau aus diesem Grund ist die angenehm schlecht gelaunte Truppe auch wahrlich prädestiniert, der schönsten Hauptsache der Welt zu frönen: dem allseits beliebten Hass. Also, Fräulein Bender, wir hoffen, dass du heute einen richtig bekackten Tag hast!?

 

Wer ist für Dich das Arschloch 2015?

Björn Höcke. Er war zwar schon vorher ein Riesenarschloch und wird es höchstwahrscheinlich auch bleiben, aber 2015 wurde mir seine Ekelvisage einfach zu oft serviert – und zwar mit Schlips und Sacko und nicht in einer Zwangsjacke, was ich beunruhigend finde. Eigentlich finde ich, Arschloch ist zu harmlos für ihn, ich habe schon ganz andere Menschen als Arschloch betitelt. Denen wollte ich aber nicht ihren Existensberechtigungsschein entziehen.

 

Wie wäre dein denkbar schlimmster Morgen?

Ich fand diese „Und täglich grüßt das Murmeltier“-Story echt spooky. Ansonsten: Hangover sind halt einfach immer schlimm. Vor allem, wenn ein Wecker klingelt.

 

In welcher hässlichen Stadt möchtest du dabei auf keinen Fall aufwachen?

Tropical Island (Ja, ja bei Stadt, Land, Fluss wäre das kein Punkt). Aber ich stelle mir das da wie die Hölle auf Erden vor.

 
 

„Scheiße“

 

Was verursacht bei dir regelmäßig den schlimmsten Würgereiz?

Jägermeister.

 

Welches Schimpfwort benutzt du am liebsten?

Scheiße. Es ist wie mit dem Bauhaus-Design. Es ist auf das Wesentliche und seine Funktion reduziert und damit zeitlos. Außerdem ist es ein wunderbares Modularschimpfwort: Kack-Scheiße, verfickte Scheiße, Drecks-Scheiße oder, als Evergreen, Schöne-Scheiße.

 

Welcher Vergleich mit eurer Musik kotzt dich jeden Tag aufs Neue an?

Eigentlich ist mir das Käsewurst, aber weil das ja das schlecht gelaunte Interview ist: Ab und an fällt da ein Vergleich mit Deichkind…

 

„Mario Barth“

 

Und warum haben dabei aber immer alle recht?

Weil wahrscheinlich etwas dran ist. Ich kann das ja selber gar nicht wirklich beurteilen. Das Ding mit der Eigenwahrnehmung ist doch echt dämlich. Ich seh mich ja nur von innen, da kann ich doch gar nicht von außen auf das schauen, was ich so tue. Und das mit dem Spiegel funktioniert in der Realität doch meistens auch nur, wenn mir den jemand vorhält. Ich versuche immer wieder gerne, das Rad neu zu erfinden. Dann rollt es und ich denke so: „Yeah, es rollt und ich habe es erfunden und bin voll krass und so!“ Und dann kommt jemand an und sagt: „Is halt son Rad.“

 

Für welchen deiner musikalischen Ergüsse schämst du dich noch heute?

Aaaaaach Scham! Gehört alles dazu. Ich schäme mich ja auch nicht dafür, dass ich mir als Baby in die Hosen geschissen habe.

 

Wie lautet der schlechteste Witz, den du je gehört hast?

Ich kann mir nicht mal die guten merken. Aber garantiert irgendwas von Mario Barth.

 

 

„Panik“

 

Was kotzt dich am Musikerdasein am meisten an?

Die Momente, in denen nichts rauskommt. Früher bin ich in Panik geraten und dachte, da kommt nie wieder was, ich lerne was Anständiges. Heute bin ich zu alt, um was Anständiges zu lernen beziehungsweise habe verstanden, dass ich gar nicht das Potenzial für was anständiges mitbringe und finde es nur noch voll scheiße, dass nichts kommt (siehste, scheiße geht immer) und warte.

 

Wie beschissen fandest Du dieses Interview?

Es war wunderbar beschissen, ganz nach meinem Gusto. Ich empfehle dich weiter!