Hadern-Im-Sternenhagel-Feuermelder-Review

Was ist das? Die neue deutsche R’n’B-Welle, die sich von der allseits gefälligen Electronic Body Music abwendet und sich in neuer Schnulzigkeit wiederfindet? Gehen wir von diesem Gedanken auch bei Hadern im Sternenhagel aus, fühlen wir uns schnell betrogen. Schließlich ist das Hadern an sich in keinen musikalischen Zusammenhang bringen, außer man textet darüber, wie es drei junge Männer machen. Aus Hadern.

 

Richtig, aus Hadern bei München, dort, wo das größte Krankenhaus der Stadt sein Revier in aller Munde markiert hat, stammen Julian Chudoba, Leo Wildfeuer und David Fleischmann.

Auf ihrer Debüt-EP, die sie selbst als Mini-Sammelsurium von vier Demotapes bezeichnen, huldigen Hadern in Sternenhagel dem Weltschmerz, der Verletzlichkeit und nicht zuletzt ihrer Herkunft.

 

Ich hab‘ irgendwie so ’ne unruhige Gemütslage, Mensch

Feuermelder kann kaum die Finger von tieftraurigen Themen lassen und versinkt dabei im bluesig angehauchtem Selbstmitleid. Doch die Wahrheit klingt eigenartig kurz. Die vier Songs auf ihre Debüt-EP sind nur ein kurzer Abriss ihrer Vision von der perfekten inneren Zerrissenheit.

„Lampe Lampe“ trabt mit 80ies verliebten Synthiebeats und künstlichen Handclaps durch die Nacht und tief in eine unruhige Gemütslage im Zwielicht. Gut? Lame? Schlager? Innovation? Fest steht auf jeden Fall, dass Chudoba in gekonnter Mischung aus genervt und betrübt ins Mirko säuselt: „Wir sind schon so verloren, dass wir begonnen haben etwas miteinander anzufangen.“ Irgendwie catchy, auch wenn es auf den ersten Blick noch nicht ganz in die prophezeite Neo-R’n’B-Schiene passt.

Hadernde Herzbuben

Lied zwei wummert wie ein schnell klopfendes Herz. Die Zeilen, die auch die Wildecker Herzbuben nicht hoffnungsvoller rüberbringen könnten („Ich bin der Liebe treu, verzage nicht“), zerfallen dank dem Produzentenkumpel Occupanther in ein fluffiges Bassintermezzo. „Weißes Rauschen“ und „Narkoman“ stürzen sich direkt im Anschluss wieder ins eigens angelegte Synthiebecken. Wobei letzterer Titel fast ein bisschen schmunzeln lässt. Halb Mensch, halb Nachtfalter? Spätestens jetzt ist die Verwirrung perfekt.

Worauf wollen die drei Münchner mit diesen vier Titeln also hinaus? Wollen sie vielleicht der Welt, die in ihren Augen in Scherben liegt, die Leviten lesen? Ihr Lieblingsgenre auf Deutsch neu interpretieren? Oder hat in diesem Zusammenhang das Wort Hadern am Ende gar nichts mit unzufriedenen Gefühlen zu tun, sondern bezeichnet lediglich einen im bayrischen Sprachraum sogenannten alten Lumpen?

Trotz vieler im Raum stehender Fragen stehen zwei Dinge mit Sicherheit fest. Erstens singen Banks oder FKA Twigs den ganzen Tag ebenfalls von kaum anderen Dingen als Hadern im Sternenhagel. Zweitens: Diese EP macht hungrig nach mehr, weil sie gleichzeitig alles und nichts verspricht.