[dropcap size=big]E[/dropcap]s erscheint eine Live-CD von Xavier Naidoo, seines Zeichens Reichsbürger, NPD-Sympathisant, Amerika-Hasser, Messias und „Neger aus Kurpfalz“ (O-Ton Naidoo, also lasst die Anklageschreiben gleich stecken!). Das finde ich schlimm genug, um darüber einen Artikel zu schreiben. Ich bin nämlich der Ansicht, dass diesem gefährlichen Blindgänger das Handwerk gelegt werden sollte, dass sich jede Plattenfirma meilenweit von ihm distanzieren, dass ihm kein Konzertveranstalter eine Bühne überlassen, dass er niemals wieder einen Fernsehauftritt bekommen und dass niemand seine brandgefährlichen, ideologisch verabscheuungswürdigen und religiös umnachteten Tonträger kaufen sollte. Ja, hiermit rufe ich offiziell zum Boykott von Xavier Naidoo auf! Zum Boykott eines vermeintlich homophoben, nationalistischen Menschen, der mit seiner ekelhaften Säuselstimme viel zu lange in den Ohren eines millionenstarken Publikums von Vollidioten gelegen hat.

Wann genau Xavier Naidoo vollkommen übergeschnappt ist, lässt sich heute nicht mehr genau rekonstruieren. Ganz dicht war er wahrscheinlich eh nie. Wer solch grauenerregende Musik macht wie er, kann das schlicht und ergreifend nicht im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte sein. Irgendwann kurz vor dem Tag der Deutschen Einheit hat es dann aber endgültig „zoom“ gemacht, sind in Naidoos verkokeltem Gehirnsumpf die letzten Drähte durchgebrannt, die ihn all die Jahre vor dem wild züngelnden Flammenozean des Wahnsinns bewahrt haben. Demokratiefeindliche Reden, irgendwelches Geschwurbel von Reichsbürgern, von einem besetzten Deutschland, von Erlösermenschen. Auftritte an der Seite von NPD-Mitgliedern sind neu dazugekommen, vollkommen daneben war sein Weltbild schon davor.

 

Die Einstiegsdroge der Irrationalität

Führer, äh, ich meinte früher war er einfach cleverer, was das Verpacken seiner Parolen anging. Oder eben wirklich lediglich nicht völlig verrückt. Das ist er jetzt. Und kommt damit erstaunlicherweise immer noch durch. Für einen Messias, für den Erlöser Mannheims, für einen Jesus hat sich Naidoo schon immer gehalten, bei den Söhnen Mannheims munter was von Zion gefaselt und seine spirituell in die Irre gelaufene Ideologie in seine Gehirnwäschetexte gebettet.

Die Söhne Mannheims haben ihn glücklicherweise rausgeworfen, ehe sie von seinen dummdreisten Äußerungen mit in den Abgrund gezogen wurden, Musik macht dieser Depp aber leider immer noch. Seine neue Live-CD heißt „Hört! Hört! Live von der Waldbühne“. Und ja, verdammt, viel zu lange haben ihm viel zu viele zugehört. Haben sich in ihrer Einfältigkeit von ihm beeinflussen, gar leiten lassen. Damit muss jetzt Schluss sein! Und immerhin scheint sein Verhalten endlich Wirkung zu zeigen: Die österreichische Gesellschaft für kritisches Denken hat ihm jetzt das „Goldene Brett vorm Kopf“ verliehen. Die Begründung: Naidoo sei die

Einstiegsdroge der Irrationalität, die mit pathetischer Musik beginnt und bei Chemtrails und Weltverschwörungs-Paranoia endet.

Ich sage es nicht so höflich: Xavier Naidoo ist ein gemeingefährlicher Irrer, der unter staatliche Beobachtung gestellt werden sollte. Man weiß ja, wie schnell es gehen kann, dass ein hässlicher Mann mit kühnen Träumen auf einmal an der Macht ist.

Also: hört endlich auf gegen Bahnhöfe, Primark, Flughäfen oder sonstigen Unfug zu demonstrieren und verbreitet diese Botschaft!

PS: Xavier Naidoo hat für seine fragwürdige Rede vor dem deutschen Bundestag übrigens den Satirepreis „Das goldene Brett 2014“ gewonnen. Die Jury aus Künstlern und Wissenschaftlern im O-Ton: Die Skeptiker vergeben den Preis für den größten Unfug des Jahres an den deutschen Sänger für seine bemerkenswerte Affinität zu abstrusen Verschwörungstheorien. Der Preis fürs Lebenswerk geht an Jochen Kopp und den Kopp-Verlag. Die Bundesrepublik Deutschland gibt es gar nicht – stattdessen besteht das Deutsche Reich in Wirklichkeit bis heute. Von dieser merkwürdigen Verschwörungstheorie ist die „Reichsbürgerbewegung“ überzeugt, für deren Ideen sich Xavier Naidoo mehrfach öffentlich ausgesprochen hat. Würde er auf diese Weise bloß seine mangelnde politische Bildung unter Beweis stellen, wäre das harmlos. Doch Naidoo wird mit seinem Engagement zur Einstiegsdroge in ein ganzes Geflecht an abstrusen Verschwörungstheorien, die sehr gefährlich werden können.

 

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