[dropcap size=big]F[/dropcap]remdenhass ist aus der Mode. Noch mehr aus der Mode sind wahrscheinlich nur „Egal wie…“-Witze, Dubstep und Hugo. Achtung, beste Überleitung aller Zeiten: Dieses süße Ekelgesöff Hugo wurde in Südtirol erfunden. Wann die Überleitung kommt? Gleich. Nein, natürlich wurde nicht der Fremdenhass in Südtirol erfunden, aber ist doch zumindest von einem gewissen Personenkreis zwischen den schönen Bergen und Apfelbäumen emsig kultiviert worden. Frei.Wild wurden nämlich ebenfalls in Südtirol erfunden. Und existieren leider, leider bis heute. Wie ein brauner Hugo also.

Jetzt mag man sich natürlich denken, es wurde genug über diese Bande von Dummbratzen geschrieben, gelästert, gewettert. Stimmt schon. Musik scheiße, Texte mies, Vergangenheit tiefbraun, alles schon tausendmal gehört. Der große Unterschied ist jedoch, dass all die Feuilleton-Hosenscheißer, all die pseudokulturbeflissenen Lästermäuler, all die Gutmenschen diese Band gar nicht persönlich kennen. Und jetzt kommt’s. Ich nämlich schon. Vor einigen Jahren war ich Textchef eines angeblichen Musikmagazins. Ihr wisst schon, eines dieser Blätter, das tatsächlich denkt, es würde journalistische Arbeit produzieren, obwohl das Prinzip immer nur das folgende ist:

 

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Als es darum ging, Frei.Wild entsprechend zu positionieren, ging ich zunächst auf die Barrikaden, merkte dann aber schnell, dass man eigentlich nicht gegen etwas wettern darf, das man gar nicht kennt. Ja, so sieht’s aus. Man kann also nur hoffen, dass Herr Hitler wenigstens ein paar Juden persönlich kannte, bevor er dieses ganze Durcheinander angerichtet hat. Aber hier soll es ja nicht um Hitler gehen. Zumindest nicht in erster Linie.

 

Kein Nazi mehr? Scheißegal!

Ich fuhr also nach Südtirol, um die heimatverbundenen Rocker, wie sie sich ja so gerne nennen, mal näher kennezulernen. Die Vergangenheit des „Sängers“ Philipp Burger ist einschlägig bekannt. Als zumindest mit einem zweistelligen IQ gesegneter Kerl ist er aber natürlich das Gehirn dieser ganzen Kackunternehmung und weiß nicht zuletzt seit seinem großen Vorbild, den Onkelz, dass ehrlich am längsten währt. Ja, er war in einer rechtsradikalen Band, nein, er habe damit heute nichts mehr am Hut. Das stimmt, soweit ich das beurteilen konnte. Aber wisst Ihr was? Das ist scheißegal.

 

Ein völlig falsches Bild von „Heimat“

Sicher können Leute sich ändern, auch spreche ich jedem Menschen das Recht zu, Fehler zu machen. Ich habe mir auch schon mal Schuhe gekauft, die mir schon kurz darauf gar nicht mehr gefallen haben. Das Problem an Burger, das Problem an Frei.Wild ist aber, dass sie jetzt ein Klientel mit ihren deutschtümmelnden, heimatliebenden, patriotischen und aufbegehrenden Grundschultexten ansprechen, das genauso naiv und formbar ist wie es Philipp Burger damals war, als er sich besagter rechter Partei angeschlossen hat. Und Ihr solltet mal sehen, welchen Rang Frei.Wild in Südtirol bekleiden.

Man erkennt sie auf der Straße, die Kids blicken auf zu ihnen. Das ist tausendmal gefährlicher als eine CD mit offensiv rechten Parolen. Hier bekommt der Nachwuchs ein völlig falsches Bild von Heimat und Herkunft vermittelt, das ganz schnell nach hinten losgehen kann.

 

Alles Berechnung…Wollen wir wetten?

Frei.Wild, davon bin ich überzeugt, ist das völlig bewusst. Wie Stephan Weidner, der seine Botschaften mittlerweile auch äußerst subtil verpackt und ganz genau weiß, welcher Worte er sich bedienen muss, damit ihn die verstehen, die ihn verstehen sollen, tun auch Frei.Wild nach außen hin unschuldig. Auf jedem zweiten Tourneefoto der vergangenen Jahre posieren sie mit ihrem Sicherheitschef, der – oh Zufall! – schwarz ist. Nach dem Motto:

 

„Ich hab doch gar nix gegen Neger, einige meiner besten Freunde sind ja auch welche.“

 

Aber nicht mit mir. Nicht mit den Babys. Frei.Wild brauchen keine Hakenkreuze, keine Hetze gegen Asylanten, keine Pegida. Sie haben die Jugend hinter sich. Und die sind leider noch viel zu doof, um zu kapieren, dass es eben nicht cool ist, blind irgendwelche Heimatparolen nachzugrölen.

 

Statt Respekt gibt es Mitleid und Verachtung

Himmel, ich war sogar im Frei.Wild-Laden, den diese Hobbydeutschen in Brixen haben. Ich habe sogar ihr dünnes Frei.Wild-Bier getrunken, damit Ihr es nicht tun müsst. Ich habe sogar mit Philipp Burger über seine rechtsradikale Vergangenheit gesprochen und darüber, dass patriotische Texte sehr schnell sehr falsch ankommen können. Eingesehen hat er es nicht. Und deshalb setzen wir Babys Frei.Wild auf die Rote Liste, auf die Liste von Bands, deren ernstgemeinter Konsum bei uns nur Verachtung und Mitleid hervorruft.

Während sich also das ganze Netz darüber aufregt, dass die olle Schabracke den Drake auf einer Bühne sexuell belästigt hat, sollte man lieber bitterliche Tränen vergießen, dass es das neue Frei.Wild-Album „Opposition“ schon wieder auf den ersten Platz der Charts geschafft hat. Und wir wundern uns, dass wieder Flüchtlingsheime brennen.