Das Baby hat sich da mal was gefragt: Wer entscheidet eigentlich darüber, welcher Musiker cool ist und welcher nicht? Welcher die Kohle mit Schubkarren nach Hause scheffelt und statt Puderzucker aus Prinzip nur Koks beim Backen verwendet – und welcher im gesamten Kalenderjahr 2013 mal wieder stolze 37,42 Euro mit seiner Musik eingenommen hat. Die Wahrheit ist bitter, ekelhaft und ohne vier Schnaps eigentlich gar nicht zu ertragen: Einmal ist es die dumme, breite Masse. Die „Schwiegertochter gesucht“-Fanclubvorsitzende, der Schwachkopf, der schon jetzt seine Tickets für die Böhsen Onkelz 2015 eingerahmt neben dem Führer an der Wand hängen hat. Die Menschen, die im Postillon keine Satire erkennen. Oder, noch schlimmer: Die Menschen, die dumm sind, aber bei denen der niedrige Intellekt gerade noch ausreicht, die Satire zu erkennen und die infolge dessen jeden Postillon-Artikel teilen, um der Welt zu zeigen, welch ausgefuchste Schlauberger sie doch sind. Da soll noch mal einer sagen, Inzest sei schädlich. Ich schweife ab. Manchmal sind es nämlich auch eklig kleine Scheuklappenwichte, die überzeugt davon sind, statt Muttermilch Musikverstand genuckelt zu haben und die deshalb entscheiden dürfen, was cool ist und was nicht. Ich will euch aber mal was sagen: Einen Scheißdreck wisst Ihr! Sonst würdet Ihr auch nicht behaupten, dass Peter Maffay uncool ist.

 

Ein Schlagerfuzzi. Ein kleiner Rumäne ohne Talent. Ein kleiner Rumäne ist er zwar zweifellos. Was ihm an Körpergröße fehlt, macht er aber durch verschiedenste Dinge weg, die den angeblichen Szeneverstehern da draußen komplett fehlen: Eier, Überzeugung, Mut. Und ich will Euch auch gerne erzählen, warum das so ist. Vor einiger Zeit traf ich Peter Maffay (oder Peter Maffay, wie ihn Insider nennen dürfen) zu einem Gespräch. Es war ein schöner, ungezwungener Plausch. Keine angezogene Handbremse, keine übertriebene Vorsicht seitens Maffay, mit seinen Aussagen anzuecken. In diesem Gespräch ging es um sein Alter (alt), seinen Sohn (jung), sein letztes Album (naja) und seine kommende Tournee (sauteuer).

Invertierte Scheisse: ein Maffay’sches Problem?

Es ging aber auch um den braunen Abschaum, der verheerenderweise wieder verstärkt an den Rändern unserer Gesellschaft hochklettert wie invertierte Scheiße. Und jetzt kommt’s: Während sich andere damit zufriedengeben, auf Facebook zu posten, wie schlimm sie Nazis finden, ist Peter Maffay tougher motherfucker genug, um ausgerechnet in Jena bei „Rock gegen rechts“ aufzutreten. Es gab massive Drohungen gegen die dort auftretenden Künstler, doch was macht der kleine Rumäne? Zieht sich eine kugelsichere Weste an und geht trotzdem auf die Bühne. Das würdet Ihr nicht machen, das würden auch die angeblich harten Jungs wie Slipknot, Machine Head oder Metallica nicht machen. Er schon. Und wer würde es wieder tun. „Es ist ein sehr befremdliches Gefühl, so etwas anzuziehen, weil man ja weiß, weshalb man es tut“, erzählt er mir. „Ich denke mal, dass auch Du keine kugelsichere Weste im Schrank hast, oder? Siehst Du, ich auch nicht.“ Nee, hab ich natürlich nicht. Meistens unter dem Bett. Krass, krass, krass.

 

Peter, die cool Sau,  will nicht zurück!

Ob er Angst hatte, habe ich ihn natürlich gefragt, und so wirklich wohl war es ihm auf der Bühne nicht. „Aber etwas war wichtiger: Unweigerlich drängt sich die Frage auf, ob wir wieder dort sind, wo wir schon mal waren. Nein, sage ich, wir sind nicht dort, wo wir schon mal waren, und wir wollen vor allem auch nicht dorthin zurück. Also: get dressed!“ So, und wenn mir jetzt noch mal jemand sagt, dass Peter Maffay uncool ist, male ich ihn schwarz an und sperre ihn zu Zschäpe in die Zelle.

[alert type=red ]Anmerkung der Redaktion

Dieser Text spiegelt lediglich die Meinung unseres Autors wider. Also bitte hör‘ auf uns zu verklagen. Merci Cherie, das Baby formerly known as Petes Hoden.[/alert]