Soziale Netzwerke, oder auch „Asoziale Netzwerke“, wie man sie in den Neuen Bundesländern nennt, sind eine wunderbare Plattform für sämtliche Kleingeister, intellektuell Benachteiligte und anderen Menschen, deren IQ knapp über Bushidos Spritverbrauch liegt. Sie bieten genau diesem Bodensatz unserer Gesellschaft die Möglichkeit, sich unter „Gleichgesinnten“ in Foren auszutauschen. Die Krux liegt darin, dass sie in Ihren Mikro-Communitys genau das zu hören bekommen, womit sie selbst konform gehen. Stichwort „cyberbalkanization“. Gegenwind kommt einem in diesen Foren nur sehr selten entgegen. Das ist jedoch ein altbekanntes Problem, wohl ist es auch nahezu unmöglich, diesem in letzter Instanz auf den Leib zu rücken.

 

Ein anderer Missstand bringt mich zwar nicht im gleichen Maße auf die Palme, ist mir aber trotzdem ein Dorn im Auge. Sobald ein politisches Thema mit besonderem öffentlichen Interesse verbunden ist (sei es ökonomisch, humanitär oder außenpolitisch)  lässt sich meist der Trend zu einer Art des gesellschaftlichen Konsens feststellen. In besonders hitzig geführten Debatten, wie die aktuell omnipräsent geführte Debatte über Flüchtlinge, wird dieser Konsens oft zum „Heiligen Gral“ der Meinung erkoren.

 

Aufgrund des gesellschaftlichen Zündstoffes  lässt sich mit diesem Heiligen Gral der Meinung auch in selbstdarstellerischer Weise fabulös spielen. Schauspieler und Moderatoren erhöhen sich in Text- und Videobotschaften zu den Gralshütern unserer Demokratie. Völlig selbstverständliche Aussagen, die jedoch geschickt plakativ verpackt sind, werden von ihren Fans mit tosendem Applaus in Form von Likes und Shares gefeiert. Um das Ganze etwas plastischer zu gestalten, folgen in den kommenden Zeilen wahllos Beispiele für Prominente, die in sozialen Netzwerken mit auf den Konsenszug aufgestiegen sind.

 

Auszüge Joko & Klass‘ Videobotschaft:

„Kann sein, dass wir es einfach akzeptieren müssen, dass es Idioten wie euch gibt“?

„Ihr seid, die Dummheit, das schwächste Glied in der Kette der Peinlichkeit, die eine Demokratie, Fernsehshow oder Facebook-Seite ertragen muss.“

 

Ralph Rute (dt. Cartoonist)

„Natürlich ist Geld übrig für Flüchtlingsheime. Dies ist ein Land, in dem Leute Geld haben, um es für Helene-Fischer-Tickets auszugeben.“

 

Oliver Kalkofe via Facebook:

„Wir brauchen eigentlich eine eigene sprachliche Kategorie für diese neue Dimension des inhumanen Arschlochtums.“

 

Aufgrund der Fülle an mitfühlenden Botschaften ist es für mich nahezu unmöglich, den Hang zur Selbstdarstellung und dem durchaus gewollten und dementsprechend einfachem Generieren von Likes auszublenden.

An dieser Stelle soll gesagt werden, dass derartige Aussagen absolut löblich sind, jedoch ändern Sie nichts an der Gesamtsituation. Vielmehr werden hier nach dem Motto „Ich poste, also bin ich“ wild Statements hochgeladen, die leider oftmals sehr konfus und unüberlegt wirken.

 

Ich bin dagegen, deswegen seid Ihr für mich?

Die eigentliche Kritik an dem effekthascherischen Gebaren von Persönlichkeiten des öffentlichen Interesses lässt sich am besten mit Kants kategorischem Imperativ erklären. Dieser lautet: Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Kann und sollte man es also zum allgemeinen Gesetz erklären, sich eine politische Debatte aus rein egozentrischen Gesichtspunkten zu eigen zu machen, nur um damit die eigene Popularität anzukurbeln?

Natürlich kann man immer noch entgegensetzen, dass einige dieser Hobby-Politredenschreiber diese Statements tatsächlich aufgrund ihrer  intrinsischen Motivation verfassen. Dennoch handelt es sich bei diesen Personen um absolute Medienprofis, die auf PR-Berater und andere Kommunikationsexperten zurückgreifen können. Diese Personen  können abschätzen, welche Wirkung sie mit einer gewissen Haltung erzeugen. Dieses inszenierte und überdramatisierte Mitgefühl mag zwar öffentlichkeitswirksam sein, jedoch ändert es, wie bereits erwähnt, nichts an den Umständen. Das ist letztendlich wie wenn Bushido sein Auto volltankt –  der Teller eines Flüchtlings wird davon nicht voller.

 

Till machts vor!

Ich hätte wohl nie gedacht, dass ich mal einen solchen Satz schreibe, aber nehmt euch doch ein Vorbild an Till Schweiger. Dessen Performance auf Facebook ist zwar auch gut orchestriert, aber der gute Herr beweist wenigstens die Sozialcourage, um nachhaltig einen Beitrag zu leisten. Chapeau. Deine Filme und deinen Sprachfehler finde ich trotzdem schwierig.

Eine  Person sollte an dieser Stelle vor dem Ende noch genannt werden. Claus Kleber. Dieser wendete sich in einem Statement am Ende des „heute-journals“ an die Zuschauer, um an deren Anstand in sozialen Netzwerken zu appellieren. Der kleine, aber feine Unterschied war hier, dass diese Reaktion von Claus Kleber eine aufrichtige und eigenmotivierte war. Dies verraten auch seine glasigen Augen am Ende des Statements. Ehrlichkeit währt eben doch am längsten!