[dropcap size=big]K[/dropcap]aum haben wir die ganzen nervigen Jahresrückblicke und die redaktionellen Bestenlisten voller schlecht kaschierter Selbstbeweihräucherung unterdurchschnittlich begabter laut.de-Schreiberlinge hinter uns, richten sich unsere Augen bereits gierig gen 2015. Es gilt ja die allgemeine Annahme, dass ab dem 1. Januar eines neuen Jahres alles anders, besser, gut und schöner wird als noch ein paar Stunden zuvor. Ist natürlich Unfug. Es wird schlimmer als es ist. Wir von IgittBaby wissen das besser als viele andere. Warum? Wir haben es gesehen. Dafür brauchen wir allerdings keinen fancy Palantir aus Mittelerde. Nein, gesunder Menschenverstand und ein Ohr am Puls der Zeit reichen aus, um mit angstvollem Blick den Jahreswechsel abzuwarten. Sagt nachher nicht, wir hätten Euch nicht gewarnt!

 

Das Wichtigste zuerst: Mit ein wenig Glück haben wir 2015 keine neuen Alben von Revolverheld, den Toten Hosen oder den Sportfreunden Stiller zu erwarten. Das sind gute Nachrichten, wissen wir, soll in diesem Artikel aber nur dazu dienen, dass der nun folgende Horror zumindest ein wenig erträglicher gestaltet wird. Ansonsten werden Menschen mit gutem Geschmack allerdings auch 2015 herzlich wenig zu lachen und sehr viel zu leiden haben. Gerecht ist das nicht, nein, leider aber absolut unumgänglich und ohne Ausweg. Bereit? Nein? Wir auch nicht. Fangen wir also lieber gleich mit einem Hammer an: Die Anzeichen verdichten sich, dass Silbermond nach ihrer lieblos zusammengezimmerten „Best Of“ (darf man das überhaupt so nennen? Es gibt ja auch kein „best Of“ von Kim Jong-uns schlimmsten Kriegsverbrechen) mit einem neuen Album um die Ecke biegen werden. Ja, Silbermond, diese Schlagerkapelle, die denkt, dass ihr dusseliger Pop-Kitsch durch eine Lederjacke und eine halbe E-Gitarre zu so etwa wie Rock wird.

 

Silbermond: Die Metal-Band von der Straße?

Ebenso wenig wie Silbermond mit Rock zu tun haben, verkörpern Limp Bizkit das toughe Straßenimage, das ihrer Brechreiz fördernden White-Trash-Armseligkeit innewohnen soll. Aus welchem Grund auch immer haben die Amis um Muttersöhnchen Fred Durst einmal mehr Geld in den Hintern geblasen bekommen, das sie für „Stampede Of The Disco Elephants“ zweifellos auf markerschütternd schmerzhafte Weise verschwendet haben. Da ist es auch nur wenig hilfreich, dass auch die Scorpions schon im Februar ein neues Album über uns bringen werden. Erst die frohe Kunde der Auflösung, dann die Farce einer „Abschiedstournee“ und jetzt doch wieder ein ganzes schlimmes Album.

Himmel hilf, steht denn in dieser ungerechten Welt niemand mehr zu seinem Wort? „Return To Forever“ wird dieser neue hannoveranische Angriff auf den schlechten Geschmack heißen und sich mit dem parallel erscheinenden „First Kiss“ von Kid Rock im Nu in die Playlist der Golf fahrenden Dorfdeppen von der Alb oder aus Mecklenburg-Vorpommern einreihen.

Kein Aufatmen auch im März: Die Grandmother of Pop, Madonna, will es noch mal wissen und mit „Rebel Heart“ ihr 13. Studioalbum veröffentlichen. Braucht natürlich niemand mehr, der Pop hat sich weiterentwickelt, während Madonna nur ihren Körper weiterentwickeln ließ und sich öfter als angenehm halbnackt ablichten ließ. Haben wir diesmal bestimmt wieder zu befürchten, außerdem hat der Halbgott des Kindergarten-Elektro, Avicii, hier seine talentbefreiten Wurstfinger im Spiel. Wird schlimm, richtig schlimm! Natürlich darf bei Madonna auch Busenfreundin Britney Spears nicht fehlen. Die hat erst kürzlich auf dem Cover von Women’s Health gezeigt, wie gut manche Grafiker mit Photoshop umgehen können, und plant ebenfalls ein neues Album für 2015. Wir verstehen es einfach nicht!

 

Coldplay hoffentlich letzter Auftritt?

Einmal noch stark sein, dann haben wir vielleicht auch das überwunden: Coldplay veröffentlichen 2015 mit ein wenig Glück ihr letztes Studioalbum. „A Head Full Of Dreams“ soll es heißen und noch ein letztes Mal für Albträume voller unerträglichem Pathos, weinerlichem Gesang und dem absoluten Gegenteil von musikalischer Raffinesse sorgen. Allein für Chris Martins Aussage, dieses letzte Album sei wie der letzte „Harry Potter“-Roman sollte man diesen Schlappschwanz zu den Dementoren stecken. Pfui Teufel! Da ist ja sogar die Nachricht, dass 2015 eventuell auch ein neues Guns N’Roses-Album anstehen soll, leichter zu ertragen. Und das, obwohl sich diese Band schon vor Jahren selbst demontiert und abgeschafft hat.

 

Lächerliche Festival-Kriege!

Was noch? Zweifellos jede Menge schreckliche Überraschungen, darunter der nächste missglückende Versuch eines Comebacks von The Offspring, eine Helene-Fischer-Stadiontournee, der lächerliche Ego-Battle zwischen Rock am Ring und Grüne Hölle, der neuerliche Böhse Onkelz-Reichsparteitag auf dem Hockenheimring sowie der spannende Kampf, ob nun das Caspival oder das Rockavaria den dämlichsten Festivalnamen aller Zeiten hat. Es stehen uns schlimme Zeiten bevor, meine Damen und Herren, schlimme Zeiten und dunkle Tage. Tief Luft holen, Augen zu und durch, Hals und Beinbruch. Wenn wir das schaffen, kann die nächste Eiszeit kommen.

Wenn sich aber doch noch irgendwelche grausigen und unerwarteten Dinge ankündigen und beispielsweise Andrea Berg, Bushido oder Roger Cicero unerwartet mit neuen Platten um die Ecke kommen, können wir Euch allerdings auch nicht weiterhelfen. Dann war’s das. Endgültig.