Heino-Schwarz-blüht-der-Enzian-Review

[dropcap size=big]J[/dropcap]an Delay musste es auf die harte Tour lernen. Offensichtlich darf man Heino nicht als „Nazi“ bezeichnen. Sonst hetzt er Dir gleich eine ganze Meute schlecht gelaunter Anwälte auf den Hals. Warum ein durchaus nicht blöder Mensch wie Jan Delay so etwas sagt, sollte man dennoch mal ganz genau untersuchen. Sicher, er hat sich öffentlich entschuldigt, aber vielleicht ja nicht unbedingt deswegen, weil er plötzlich nicht mehr von dieser Aussage überzeugt war, sondern, weil er schlicht und ergreifend bedroht wurde. Klagen, Schlägereien, Besuch von russischen Inkassobüros zu nachtschlafender Zeit, so was in der Art – oder auch nur ein Leben, in dem er täglich Heino hören muss. Letzteres wäre aber wiederum vielleicht ausgleichende Gerechtigkeit für den Unfug, den der „alles, aber kein Rocker“-Delay unter seinem „Rock-Album“ „Hammer und Michel“ verzapft hat.

 

Ist Kruppstahl jetzt schlecht oder was?!

Laut Heino hat Delay aber eben auch über ihn Unfug verzapft, indem er ihn im April dieses Jahres in einem Interview mit einer österreichischen Zeitung als „Nazi“ bezeichnet hatte. Davon kann man halten, was man will, für Delay mag diese Aussage nicht unbegründet gewesen sein. Man muss sich nur mal an das Jahr 2013 erinnern, als Heino in einem Interview davon gesprochen haben soll, „immer noch hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder und flink wie ein Windhund“ zu sein. Ähm, bitte was? Natürlich hatte der „Schlagerbarde“ dies dementiert, auch sein Manager spricht davon, dass das alles aus dem Zusammenhang gerissen worden sein soll. Aber, mit Verlaub: Dieses Interviewzitat entstammte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Und dieses „Rausgewinde“ macht Heino auch ohne seine furchtbare Musik ziemlich unsympathisch.

Rammstein Gif
Mein Gott, was hat er nur getan???

Schämt Euch, Rammstein!

Aber die gibt es ja auch noch, die Musik. Gut, die gab es für uns wunderschöne junge Menschen immer, dieser Kerl ist ja mittlerweile 76 Jahre alt und in meinen Augen längst eine Farce einer Farce einer Farce geworden. Was in den letzten 50 Jahren nie schlimm war, denn Heino existierte schlichtweg in einer ganz anderen Welt: in einem musikalischen „Inzestdorf“, wo Schlager, Schlägereien, Drogen und „Deutschtümmelei“ nicht von der Hand zu weisen sollen.

Doch dann kommt Heino mit einem grausigen Scherz  namens „Mit freundlichen Grüßen“ zurück, covert darauf auf mieseste und einfallsloseste Weise moderne Pop- und Rock-Songs – und steht plötzlich mit Rammstein auf der großen „Wacken“-Bühne und wird von Zehntausenden gefeiert. Von zehntausenden Sturzbetrunkenen zwar, aber dennoch: Es zeugt nicht von Lässigkeit, Respekt oder Humor, Heino cool zu finden. Es zeugt von Idiotie.

 

Ähm, wer trug denn noch so einen Totenkopf?

Diese Woche ist eine schwarze Woche für die Musikindustrie. Ein weiteres Kapitel, das die unendliche Dummheit der Konsumenten und die dummdreiste Verarsche der Produzenten aufs Brutalste unterstreicht. Heino bringt ein neues Album heraus. Und diesmal covert er nicht etwa ein weiteres Mal „modernes Liedgut“, sondern seine alten Songs und verpackt sie in ein „Metal-Gewand“, wie er uns weismachen will. Das, mit Verlaub, ist eine Lüge! Totenkopfring und Lederjacke reichen eben nicht aus, um vom schmerzhaft schnulzigen Schlagerbarden zum harten Macker zu mutieren. „Schwarz blüht der Enzian“ ist ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die etwas für die Musik empfinden oder sie gar selbst spielen. Eine Beleidigung, die in ihrem Ausmaß absolut nicht greifbar ist und die Absurdität der hiesigen Musikindustrie auf eine bedenkliche Spitze treibt, auf der wir zurecht vom Rest der Welt verhöhnt werden sollten.

Inglorious Basterds Gif
War es er, der Dich auf diese Scheissidee gebracht hat?

 

„Verdammt, Heino, was ist mit deiner Zunge los?“

Ebenso billig und beschämend, wie er auf einem neuen Promofoto die belegte Zunge rausstreckt und mit seiner rechten, irgendwie ungut geformten Hand die Pommesgabel hält, gibt er sich in der Nummer „Blau blüht der Enzian“, deren „fette“ Gitarren selbst einen Sturm im Wasserglas zum Taifun Hagupit werden lassen. Mal ehrlich, Till Lindemann sollte ihn allein für diese Darbietung von morgens bis abends in die Mangel nehmen. Und es wird schlimmer. Immer schlimmer. „Ja, ja, die Katja, die hat ja“ ist genau so ekelerregend süffisant wie die Vorstellung eines 76-jährigen Rentners bei der Kopulation. Auch „Rosamunde“ versagt bei dem Versuch, den Schlager hinter sich zu lassen. Der Rest des Albums natürlich auch. Jedes Lied ist eine faulige und nach musikalischer Leiche stinkende Beleidigung des Heavy-Metal-Genres. Gäbe es einen Metal-Gott, er würde Heino bestrafen und jeden Käufer dieser CD mit mindestens einer der biblischen Plagen überziehen. Andererseits: Gott hin oder her. Unsterblich ist ja glücklicherweise niemand von uns. Vor allen Dingen nicht die Musik. Und vor allen Dingen nicht solche.

 

PS: Doch, ich verstehe Spaß. Ich kann nur zwischen Spaß und auditiver Vergewaltigung unterscheiden.