Henning Wehland im Interview: „Bier ist Luxus, den ich mir gönne!“

Wenn ich der letzte an der Bar bin, heiße ich Henning Wehland und schreibe mein erstes Soloalbum auf eine Serviette. Eine schwarze. ...
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Wenn ich der letzte an der Bar bin, sollte das im positivsten Sinne bedeuten, dass mir der Schuppen gehört. Oder ich heiße Henning Wehland und schreibe, mit einem Ellenbogen auf das zerkratze Eichenholz gestützt, mein erstes Soloalbum auf eine Serviette. Eine schwarze. Mit Kuli. Endlich gibt’s wieder mal einer zu. Der geile Scheiß hilft einfach beim Denken. Oder liege ich komplett daneben und der Typ trinkt einfach nur zu langsam und ist deshalb der letzte im Laden? ‚Proschd‘, Kerle!

 

 

Wir lieben Bier. Nenne uns vier persönliche Gegenstände, die du für einen kühlen Kasten eintauschen würdest.

Mir würden eher Zwanzig einfallen. Und zwar die leeren Pfandflaschen, die ich in’ner Kiste zurückbringe. Bier ist ein Luxus, den ich mir zusätzlich gönne. Und wenn ich mal kein Kleingeld in der Tasche habe, habe ich genügend Freunde die mir mal einen ausgeben. Wenn auch das ausbleibt, tausche ich gerne mit Musik. Stelle mich auf die Straße mit meiner Gitarre. Entweder bekomme ich dann eine Flasche in die Hand gedrückt oder eine an den Kopf. Ich bin der alte Mann und das Leergut.

 

Wäre ich dein Groupie, mit welchem Drink würde ich dich herumkriegen?

Ich bin nicht bestechlich. Und darüber hinaus schon seit 20 Jahren mit meiner Frau zusammen. Ich würde da lieber meinen Musikerkollegen dabei zuschauen, die sind diesbezüglich empfänglicher. Ich steh auf guten Wein.

 

Was würdest du als erstes machen wenn du morgens verkatert neben Frauke Petry aufwachst?

(Lacht fast schon herzlich) Die ist das Bielefeld der Politik, die gibt’s gar nicht wirklich. Gott, ich muss erst mal die Gewaltfantasien beiseite schieben. Naja, wahrscheinlich einweisen oder erschießen lassen. Also mich. Die AfD ist ja auch nichts worüber man Witze machen sollte. Das Thema macht mir Angst. Das ist für mich Missbrauch als politische Meinung.

 

Was sollen der Stern und der Pfeil auf dem Album Cover? (Bezugnehmend auf „Der letzte (Star) an der Bar?)

Ja, da sind ein Pfeil und ein Stern, Kerle!?

Wow, interessant, dass dir das auffällt. Hab ich mir nicht selber ausgedacht, da steckt keine tiefere Wahrheit dahinter. Frei interpretierbar also.

 

 

Für deine Liveshows hast du dir eine eigene Bar als Bühnenkulisse bauen lassen. Wie schaffst du es mit 44 noch so trinkfest zu sein?

Ich lebe nicht für den Begriff des Saufens. Für mich ist Alkohol nie ein Mittel zum Zweck, keine Droge um ins Gespräch zu kommen. Eher eine Einladung zur Entspannung. Es steckt Genuss dahinter. Das gilt in der Küche genauso. Solange es Leidenschaft ist und mit Kunst zu tun hat, bin ich dabei. Ich hasse es, die Kontrolle zu verlieren. „Der Letzte an der Bar“ ist keine Einladung oder Herausforderung, das Trinken zu verherrlichen. Es ging mir darum, einfach mal nachzudenken. Für mich zu sein. Um Reflexion.
 

In welche Kneipe würdest du uns in Münster mitnehmen und warum?

Da gibt es Ricks Café. Ihm hab ich auch eine Zeile in meinem Song „Panzer“ gewidmet. Dort wurde ich immer mit Bier gestillt. (Das Baby schmatzt entzückt)

Drumpf setzt sich zu dir an den Tresen und will mit dir über dein neues Album reden. Deine Reaktion?

Ach süß. „Arschloch“ ehrlich gesagt. Er hat mir die Idee geklaut, als Nicht-Politiker Politik machen zu wollen. So sehr ich es hasse, wofür er steht, so ist das alles finde ich grundsätzlich der richtige Impuls. Wir sollten Verantwortung übernehmen. Er hat die Rolle aus Selbstsucht übernommen und dabei Politik mit Fernsehen oder Reality-TV verwechselt.

 

Eine wahre Suff Geschichte muss mit rein!

Einmal war ich im Atlantic Hotel in Hamburg. Mein Kumpel und ich haben besoffen im Zimmer brüllend laut MTV gehört und die Nachbarn sauer gemacht. Was wir nicht wussten: Das eine Nachbarzimmer war das von Mario Adorf, das andere bewohnte Udo Lindenberg. Die Suiten waren  miteinander verbunden und als es klopfte, habe ich dem Udo die Tür geöffnet. Er ist mein absolutes Idol und dieser Typ motzt nicht, sondern lädt uns für einen Schlummertrunk und Eier mit Speck zu sich ein. Gott sei Dank war es nicht Adorf.

 

Das Baby wird nie erwachsen. Der Henning anscheinend schon. Don´t grow up, it´s a trap! Wie beschissen ist das Erwachsenwerden?

Erwachsen werden ist ein Klischee. Für mich ist das nur eine Geisteshaltung. Die Angst vor der Endlichkeit ist nicht mehr so groß. Wenn du mich als Kind fragen würdest, wäre für mich alles was im Duden unter diesem Begriff steht, Schwachsinn. Ich verabscheue diese Disziplin, die einem von anderen aufgedrückt wird. Ich bewahre das Kind in mir.

 

Du behauptest auf „Der Letzte an der Bar“, Tocotronic habe den Hardcore gekillt. Was willst du damit sagen?

Wir haben mit den H-Blockx vor zwanzig Jahren mal zusammen mit denen in Düsseldorf gespielt. Dort hat sich der Bassist schlimm über uns lustig gemacht. Sie behaupteten, wir hätten den Hardcore zerstört. Ich war schon ziemlich beleidigt, dass die uns den Vorwurf gemacht haben, ohne zu wissen wer wir sind. Es tut gerade gut, das hier so offen und ehrlich darzustellen. Wäre geil, wenn sie die Zeile mal zufällig hören.

 

 

Der letzte an der Bar zu sein klingt irgendwie traurig. Munter uns doch ein bisschen auf. *schnief*

Da muss ich dir widersprechen, da ist nichts Trauriges dran. Ich zum Beispiel kenne keine Einsamkeit. Wenn ich mich alleine fühle hat das mit anderen Umständen zu tun, aber alleine zu sein ist für mich keine Schwierigkeit. Musikalisch ist man es ja gewohnt auf Tour in Hotels allein zu sein. Der Albumtitel ist ein Synonym für hierbleiben oder für jemanden da zu sein. Es geht für mich darum, an Dinge zu glauben und den Tresen für neue Geschichten zu polieren. Das ist nichts Trauriges.

 

Welchen Song muss ich als Barkeeper spielen um dich endlich loszuwerden?

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Falls ihr die Worte schön und Schwabe noch nie in einem Satz gelesen habt: bitte. Er ist nicht nur schön, sondern auch süß. Weil er unser Welpe ist. Aber besonders wegen seinen Tortelliniöhrchen.
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    Auch feini fein