Herrenmagazin_Sippenhaft_Review

Rumbumsen ist geil, Rumbumsen macht glücklich.  Die Kehrseite der Medaille ist jedoch: je mehr heißblütige Damen mit dem kleinen Lurres Bekanntschaft schließen, desto schwerer fällt es dem kleinen Freund, auf Kommando Männchen zu machen. Und während das „Gassigehen“ anfänglich noch für Hormonschübe ungeahnter Ausmaße verantwortlich war, treibt es später nur noch in die Seelenklempnerei.  Was dann bleibt, ist der Griff zum Schnaps und ein Paarungsverhalten mit Losbudencharakter: „Hast du Brüste? Und das andere Ding da auch? Dann kommt mit. Ich hab‘ ein Himmelbett.“ Und das Problem mit Herrenmagazin ist… ähm…ähnlich.

 

 

Platten wie Sippenhaft hat man früher noch reihenweise „flachgelegt“ – man konnte fast nicht genug bekommen von poppig-indiesken Gitarren und halbverkopfter Lyrik zu Zeiten der „Hamburger Schule“. Heute öden die immer gleichen Phrasen, das ach so nette Auftreten, die ja nicht zu kritischen Plattitüden aber einfach nur noch an.

 

Gibt’s da auch was von Ratiopharm?

Ist nämlich erst mal der Pelz auf der Zunge gewichen, der Blick nicht mehr durch klare Spirituosen-Leckereien vernebelt, erkennt man ganz schnell, dass man da keine Zehn auf der Flachleg-Skala geschossen hat, sondern lediglich eine kostenlose Möglichkeit, diese doofen Triebe abzubauen. Und mal ehrlich: an oberflächlichem Deutsch-Indie mit Herz und ohne Eier haben wir uns doch alle längst die Eichel wundgescheuert.  Daher hilft gegen Sippenhaft leider auch keine Wundcreme mehr.

 

„Wie soll ich es ihnen sagen? Ab muss er!“

Wenn „Ihmchen“ nämlich so sehr brennt, dass keine Salbe der Welt mehr Abhilfe verspricht, dann muss er eben ab, der kleine Juckbolzen. Bei Herrenmagazin bedeutet das: wenn es etwas klingt wie Schlager, sich etwas liest wie Schlager, dann muss es wohl Schlager sein. Da hilft kein ärztlicher Bereitschaftsdienst, keine Bepanthen mehr. Dann muss man der hässlichen Fratze der Realität in die Augen schauen und sich eingestehen: das hier ist nicht mehr als seichtes Gedudel.

 

Snake Penis
Leider nicht ganz so bissig: „Sippenhaft“…

Ein Portion Wurstkäse, bitte!

Im Prinzip klingen Herrenmagazin auf „Sippenhaft“ wie eine Mischung aus B-Seiten von Thees Uhlmanns Solowerken und einer Band, die nicht Fisch und nicht Fleisch, die nicht Pop und nicht Indie sein will. Am Ende bleibt dann leider eben nur ein lauwarmes Süppchen aus uninteressanten Gitarrenstücken, die mit tiefgründigem Songwriting so viel gemeinsam haben, wie Revolverheld mit einer Wall of Death vor der „Wacken“-Hauptbühne.

 

Baby schockiert
Wie meinst Du das, kein Kind der Liebe?

Comme ci, comme ça… je suis Papa?

„Sippenhaft“ ist netter Dudelpop. Nicht mehr und nicht weniger. Wenig bleibt hängen und Kanten sucht man hier vergebens. Eine Band macht sich selbst überflüssig. Musikalische Verhütung sozusagen. Aber dann können die Neo-Schlagerinterpreten das nächste Mal ja wieder getrost mit frischen Ideen und musikalischem Mut in die Kiste steigen. Vielleicht wird’s ja dann wieder ein Kind der Liebe…