Hinds-Leave_Me_Alone_Review

Frauenfürze riechen nach Blumen und Frauenschweiß – den gibt es nicht. Gut, dass wir uns im Jahr 2016 befinden und Hinds aus dem sonnigen Süden uns eines viel Besseren belehren. Die vielleicht schmutzigste Frauenband seit Hole und Sleater Kinney, die es gar nicht darauf abgesehen hat, schmutzig zu sein (bitte nicht mit den plumpen Messages Schnipo Schrankes verwechseln) kommt nämlich frisch aus Madrid zu uns und schüttelt uns zu Beginn des neuen Jahres mit kantig-frischen Lo-Fi-Sounds.

 

Mit dem Cover der einst unter dem Namen Deers bekannten Band beginnt der erste optische Eindruck. Hübsch sind die zierlichen Gören schließlich allesamt. Aber ob das Shirt nun gut sitzt und die Gesichter doch eher einem durchgenudelten Sonntag als einem noch jungen Freitagabend ähneln, macht sie sympathisch.

Genau diesen ersten Eindruck vermittelt auch ihr Debüt namens „Leave Me Alone“. Hinds Musik rotzt, schlingert, kratzt und fummelt in unseren Gehörgängen. Nichts klingt poliert oder besonders ausgeschmückt. Sie produzieren einfach nur ehrlichen und idealerweise auch gut hörbaren Gitarrenrock à la Libertines oder Beach Boys.

neunziger
Aufauf Ihr Hasen, hört Ihr nicht die Neunziger blasen…

Neunziger… Sie hat Neunziger geschrieben… Hihihi

Es wäre viel zu einfach zu behaupten, schroffe Gitarren und weiblichen Gesang könne man schnell mal verbinden und schlichte Texte, die von Liebe („Bamboo“) genau so erzählen wie von ausgedehnten Rumhäng-Abenden („Chili Town“) hätte man ja schon tausendfach gehört. Doch Hinds besitzen allein durch die Kombination der Stimmen ihrer beider Sängerinnen das Zuckersüße und das Verkniffene im gleichen Maße, wie es die Riot Grrl Bewegung der Neunziger nie hinbekommen hat.

Besonders nett dabei anzuhören sind übrigens der krächzende Öffner „Garden“ und das tatsächlich sonntäglich-gediegene „I Will Send Your Flowers Back“.

 

Yabbadabbadooo?

Das Rad erfinden sie dabei nicht neu. Auf komplette Albumlänge fallen immer wiederkehrende sowie schlichte Melodien auf. Und an ihrem Einfallsreichtum, was Verzerrer oder anderweitige Retroeffekte angeht, könnten die Madrilenen auch mal schrauben.

Bevor aus dem Spaß – zumindest fühlt es sich so an – bei einem nächsten, vielleicht noch wohler überlegten Nachfolger Ernst wird, kann man sich zu „Leave Me Alone“ dennoch herrlich lausig fühlen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

Schließlich sind Carlotta Cosials, Ana García Perrote, Ade Martín und Amber Grimbergen der lebende Beweis dafür, dass sich gehen lassende Mädels auch nach dem größten Vollsuff noch sexy sein können.