I Salute - To Nothing But You

[dropcap size=big]W[/dropcap]er bringt seine EP raus? I Salute (Dir auch Prost, mein Lieber!)? Ach, das ist ein Rapper aus Berlin? Noch nie gehört! So oder so ähnlich dürften sich wohl die ersten Sätze der meisten Konversationen über I Salute gestalten. Wir haben 100 Leute gefragt: „Nennen Sie uns Ihre erste Assoziation zu „I Salute“ – eine Schatzsuche in wenigen Absätzen.

Wie hat man das noch mal in der Uni gelernt? Erst mal alles, was man nicht weiß, in die Google-Suchleiste hacken – Wikipedia wird schon die Antwort wissen. I Salute – hm, irgendwie steht da nichts von Rap und Hilfe bei der Übersetzung ins Deutsche ist auch nicht gefragt. Dann doch endlich ein Hit, der mit Musik zu tun hat – mist, irgendwie heißt das Lied „I Salute“ und der Bling-Bling-Rapper auf dem Vorschaubild sieht so gar nicht nach deutschsprachiger Musik aus. Das, so weit sind wir zumindest schon, macht I Salute nämlich. Nach etlichen Ergebnissen dann doch das erste vielversprechende. Ein schmal gebauter Typ mit John-Lennon-Gedächtnisfrisur und Keller-Teint schaut verträumt in die Ferne und sieht mit seinem buntgestreiften Pullover so gar nicht Rap aus. Vielmehr erinnert er an den Typ „perfekter Schwiegersohn“. Aber wie sieht Rap eigentlich aus?

Einhorn Google

Yes, „You“ can

Plötzlich war dieses ultrastylische Video zu „You“ da und niemand hatte so richtig mitgeschnitten, woher es so geisterhaft erschienen war. I Salute muss sich offenbar in Samtpantoffeln – im völligen Kontrast zu seinem Namen – ohne jegliche Begrüßung in das Zentrum des deutschsprachigen Raps geschlichen haben. Nun liegt da diese massive Brandbombe mitten im Revier der „breit gebaut, braun gebrannt, 100 Kilo Hantelbank“-Rapper und während die meisten noch ungläubig dastehen, unfähig sich zu bewegen und ihnen die Königsketten langsam aber sicher vom Hals schmelzen, versuchen wir erst mal uns zu sammeln und dieses Debüt-Werk zu verstehen. Das ist nämlich alles anderes als einfach.

 

Selbst Forrest Gump wäre mit dieser Pralinenschachtel überfordert

Wie Rap eigentlich aussieht? Keine Ahnung, hat sich mir persönlich noch nicht mit Handschlag vorgestellt. Viel wichtiger ist doch eh: Wie klingt Rap eigentlich? Wenn man die Antwort mit „I Salute To Nothing“ geben würde, bekäme man viele fragende Gesichter und eine Ohrfeige von der Definitions-Kommission beim Duden. Massive Beats und episch vibrierende Bässe treffen hier auf verworren stimmige Klangkonzepte aus einer schier unendlichen Anzahl an Samples. Melodische Gesänge schmiegen sich an gerappte Zeilen und elektronische Einflüsse liegen sich mit Einspielern der alten Hip-Hop-Schule in den Armen, so, als hätten sie sich jahrelang aus den Augen verloren und wären sich jetzt, nach so langer Zeit, endlich wieder als alte Freunde über den Weg gelaufen. Der konventionelle Indie-Musiker, der so angenehm unkonventionellen Rap macht, verhält sich zum Schubladendenken der eingefleischten „Hip-Hop ist Beef und Yo“-Experten, wie die chronisch fehlende Schraube in einem IKEA-Bausatz: Er bringt das ganze Konstrukt zum Wanken und fordert im selben Atemzug dazu auf, um die Ecke zu denken. Kreativ zu werden.

giphy

All das kann man jetzt total „whack“ und überhaupt nicht „real“ finden. Man kann aber auch einfach mal den Kopf aus dem Arsch ziehen, den Staub von seiner Denkweise pusten und sobald sich der Nebel gelegt hat erkennen, dass das einfach erfrischend neuartig ist. Wer allerdings den Kopf ausschalten und sein Schimpfwort-Repertoire erweitern will, der sollte seine kleinen Schmuddelfinger von dieser Platte lassen – hier gibt’s kein Rumgedisse und auf den ersten Lausch greifbar ist wenig. Ein bisschen wie Prinz Pi, ohne die Porno-Rap Vergangenheit und innovativer. Anders irgendwie auch. Vor allem anders.

„Ich will die Welt sehen, nein warte / Ich muss Geld zählen / Keine Ahnung wie viel Schnee ich noch ertrage / Wann ziehen wir endlich nach Australien?“

PS: We Salute to nothing but you!